Sejad Salihović, der 2014 mit Bosnien-Herzegowina an der Weltmeisterschaft in Brasilien teilnahm, blickt im Interview auf die zweite WM-Teilnahme seines Landes zurück. Der frühere Hertha-Profi spricht über seine Flucht nach Berlin, das Phänomen Edin Džeko und die Kunst guter Freistöße.
Krieg als prägende Erfahrung
„Der Krieg hat unsere Generation geprägt“, sagt Salihović. Er selbst floh als Kind mit seiner Familie nach Berlin, wo er später beim Hertha BSC zum Profi wurde. Die Erlebnisse des Bosnienkrieges hätten nicht nur ihn, sondern viele Spieler seiner Generation geformt. „Wir haben gelernt, für unsere Träume zu kämpfen.“
WM-Teilnahme 2014 und 2024
2014 war Bosnien-Herzegowina erstmals bei einer WM dabei. Salihović erinnert sich: „Es war ein unbeschreibliches Gefühl, für mein Land zu spielen.“ Nun, zehn Jahre später, ist das Team erneut qualifiziert. „Die Entwicklung ist enorm. Wir haben junge Talente, die in Europa spielen.“
Salihović verfolgt die aktuelle WM intensiv: „Ich war beim ersten Spiel in Toronto im Stadion, musste danach aber wieder zurück nach Europa. Ich hoffe, dass ich es zum dritten Spiel gegen Katar nach Seattle schaffe.“
Edin Džeko – ein Phänomen
Besonders lobt Salihović seinen ehemaligen Mitspieler Edin Džeko: „Er ist ein Vorbild für alle. Seine Karriere ist außergewöhnlich. Er spielt immer noch auf höchstem Niveau und ist der Kapitän.“ Džeko sei nicht nur ein Torjäger, sondern auch ein Führungsspieler, der die Mannschaft zusammenhalte.
Die Kunst der Freistöße
Salihović, selbst bekannt für seine gefährlichen Freistöße, verrät: „Es kommt auf die Technik und die Ruhe an. Man muss den Ball richtig treffen und die Mauer genau studieren.“ Er trainiere regelmäßig Standardsituationen, auch wenn er nicht mehr aktiv spiele.
Flucht und Integration
Seine eigene Flucht nach Berlin beschreibt er als Wendepunkt: „Deutschland hat mir eine Chance gegeben. Ohne die Unterstützung hier wäre ich nicht der, der ich bin.“ Er betont die Bedeutung von Integration und Sport für geflüchtete Kinder: „Fußball verbindet und gibt Hoffnung.“
Salihović engagiert sich heute in sozialen Projekten und möchte der nächsten Generation etwas zurückgeben. „Der Krieg hat uns gelehrt, was wirklich zählt: Familie, Freunde und der Zusammenhalt.“



