Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj erwägt nach massiven Protesten die Absetzung von Armeechef Oleksandr Syrskyj. Dies berichten ukrainische Medien unter Berufung auf Regierungskreise. Auslöser der Unruhen ist die Entlassung von Verteidigungsminister Mychailo Fedorow, die viele Veteranen als Fehler betrachten.
Proteste in Kyjiw: Tausende fordern Konsequenzen
Der Veteran Dmytro Kosjatynskyj organisierte in den vergangenen fünf Tagen Proteste in der Hauptstadt Kyjiw, an denen sich Tausende beteiligten. Sie malten Pappschilder und skandierten den Namen Fedorow. Kosjatynskyj zeigte sich zuversichtlich, dass die Aktion Wirkung zeigt: „Der Druck auf den Präsidenten wächst“, sagte er gegenüber Reportern.
Vorwürfe gegen Syrskyj: Altmodisch und skrupellos?
Kritiker werfen Syrskyj vor, sich nicht um das Leben der Soldaten zu scheren und veraltete Taktiken anzuwenden. Ein namentlich nicht genannter Offizier erklärte: „Er schert sich nicht um Soldatenleben.“ Diese Vorwürfe wiegen schwer in einem Krieg, der täglich hohe Opfer fordert. Allerdings sehen nicht alle Militärexperten die Situation so eindeutig.
Einige Analysten betonen, dass Syrskyj in schwierigen Phasen des Krieges wichtige Erfolge erzielt habe, etwa bei der Rückeroberung von Gebieten in der Ostukraine. „Seine Strategien haben uns geholfen, Stellungen zu halten“, so ein Militärexperte, der anonym bleiben möchte.
Selenskyjs Dilemma: Zwischen öffentlichem Druck und militärischer Realität
Selenskyj steht vor einem schwierigen Balanceakt. Einerseits wächst der öffentliche Druck durch die Proteste, andererseits könnte ein Führungswechsel inmitten des Krieges riskant sein. Die Entscheidung über Syrskyjs Zukunft wird in den kommenden Tagen erwartet. Beobachter rechnen mit einer Stellungnahme des Präsidenten noch diese Woche.



