Selenskyj schlägt Geheimdienstchef Chmara als neuen Verteidigungsminister vor
Selenskyj schlägt Chmara als Verteidigungsminister vor

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat den Geheimdienstler Jewhenij Chmara als neuen Verteidigungsminister vorgeschlagen. Die Kandidatur werde bald im Parlament eingereicht, teilte der Staatschef auf Telegram mit. Bis zur Absolvierung aller rechtlichen Verfahren werde Chmara das Ministerium geschäftsführend leiten. Gemäß Verfassung hat der Präsident das Vorschlagsrecht für den Posten des Verteidigungsministers.

Proteste gegen Fedorow-Entlassung

Zuvor war Mychajlo Fedorow als Verteidigungsminister entlassen worden. Gegen diese Entscheidung gibt es in der Ukraine landesweit große Demonstrationen. In Lemberg demonstrierten am Donnerstag zahlreiche Menschen gegen Selenskyjs Entscheidung. Chmara leitete den Geheimdienst SBU seit Januar geschäftsführend. Er gilt als Experte für Drohneneinsätze im russischen Hinterland und hat den Rang eines Generalmajors inne. Dem ukrainischen Gesetz nach muss der Minister jedoch ein Zivilist sein.

Neuer Ministerpräsident bestätigt

Das ukrainische Parlament hat Serhij Korezkyj als neuen Ministerpräsidenten des Landes bestätigt. Korezkyj, bisher Chef des staatlichen Energieunternehmens Naftogaz, erhielt am Donnerstag 289 Ja-Stimmen. Seine Ernennung ist Teil einer umfassenden Regierungsumbildung durch Präsident Selenskyj. Selenskyj hatte Korezkyj mit Verweis auf dessen Erfolgsbilanz im Energiesektor nominiert. Aktuell protestieren Hunderte Demonstranten vor dem Parlamentsgebäude gegen die Entlassung Fedorows. Kritiker warnten, dieser Schritt könne Reformen der Streitkräfte während des Krieges gefährden.

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Fedorow bestätigt Konflikt mit Armeeführung

Der scheidende Verteidigungsminister Mychajlo Fedorow bestätigte einen Konflikt mit der Armeeführung. „Wir mussten feststellen, dass alle unsere Initiativen blockiert wurden und Oberbefehlshaber Olexander Syrskyj nicht bereit ist, offen und direkt über die Probleme zu sprechen“, sagte Fedorow in Kiew. Er warf Syrskyj vor, intrigiert zu haben. Syrskyj habe Präsident Selenskyj ultimativ vor die Wahl gestellt, sich zwischen Fedorow und Syrskyj zu entscheiden. Gleichzeitig erklärte Fedorow, dass er selbst eine Ablösung von Syrskyj und Generalstabschef Andrij Hnatow angestrebt habe. „Wir haben keine andere Wahl, wenn wir den Feind asymmetrisch mit minimalen Verlusten besiegen wollen“, begründete er das Vorhaben. Fedorow machte Syrskyj für die Zwangsmobilisierungen von wehrpflichtigen Männern verantwortlich und wollte das Rekrutierungssystem reformieren.

Russland greift zivile Schiffe an

Russland hat in den ersten beiden Juliwochen nach Angaben der ukrainischen Hafenbehörde 23 Mal Häfen und 17 Mal zivile Schiffe angegriffen. Händlern und Analysten zufolge haben die Angriffe zu einem teilweisen Stopp der Getreidelieferungen und einer fast vollständigen Aussetzung der Getreidekäufe in den Hafenterminals geführt.

Polen fängt russische Flugzeuge ab

Die polnische Luftwaffe hat nach Militärangaben drei Tage hintereinander russische Kampfflugzeuge über der Ostsee abfangen müssen. Verteidigungsminister Wladyslaw Kosiniak-Kamysz schrieb auf X: „Die Russen testen erneut die Leistungsfähigkeit unserer Flugabwehrsysteme.“ Zwei polnische Maschinen fingen zunächst zwei russische Kampfjets vom Typ Suchoi Su-30 ab. Dann sei ein russisches Aufklärungsflugzeug etwa 30 Kilometer vor der pommerschen Ostseeküste gesichtet worden. Polnische Flieger eskortierten die Iljuschin Il-20 weiter aufs Meer hinaus, wo schwedische Jets die Begleitung übernahmen. Der polnische Luftraum sei nicht verletzt worden.

Deutschland und Frankreich verstärken Ostflanke

Die deutsch-französische Brigade soll den Schutz an der Ostflanke der Nato verstärken. Der Verband wurde dem regionalen Hauptquartier des Bündnisses im polnischen Stettin zugeordnet, wie das Heer mitteilte. Es werde nun umfassende Schulungen, Übungen und Planungen geben, sagte Generalleutnant Christian Freuding. Der Verband erhält zudem einen Auftrag für den rückwärtigen Raum des Multinationalen Korps Nordost. Der deutsch-französischen Brigade gehören etwa 5.500 Männer und Frauen beider Staaten an.

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Gefangenenaustausch und Raketenangriffe

Die Ukraine und Russland haben erneut Leichen gefallener Soldaten ausgetauscht. Kiew habe 501 Soldatenleichen erhalten, teilte der Stab für Kriegsgefangenenbelange mit. Moskau wurden die Überreste von 31 russischen Soldaten übergeben. Seit Anfang 2025 hat die Ukraine damit fast 21.000 Gefallene zurückerhalten. Bei russischen Raketenangriffen auf Kiew kamen mindestens zwei Menschen ums Leben, sechs wurden verletzt. Auch Odessa geriet unter Beschuss, dabei wurde eine Bildungseinrichtung beschädigt.

Ukraine weist russische AKW-Vorwürfe zurück

Das ukrainische Außenministerium wies russische Vorwürfe im Zusammenhang mit einem Angriff zurück, bei dem der Chefingenieur des von Russland besetzten Atomkraftwerks Saporischschja getötet wurde. „Es wird keine unabhängige Bestätigung der russischen Version oder ein Beweis für die Beteiligung der Ukraine vorgelegt“, teilte das Ministerium mit. Informationen der russischen Besatzungsbehörden könnten nicht als zuverlässig angesehen werden.

Kreml spielt Wirtschaftsprobleme herunter

Die russische Regierung hat wirtschaftliche Probleme eingeräumt, diese aber als nicht kritisch bezeichnet. Kreml-Sprecher Dmitri Peskow sagte: „Diese Schwierigkeiten sind nicht kritisch.“ Die makroökonomische Stabilität sei vollständig gewährleistet. Der Geschäftsklimaindex der Zentralbank fiel im Juli um 4,5 Punkte auf minus 3,6 Zähler, den niedrigsten Stand seit Mitte 2022.

Selenskyj: Patriot-Raketen bald selbst bauen

Die Ukraine dürfte nach Einschätzung von Präsident Selenskyj das US-Luftabwehrsystem Patriot bis zum Jahresende selbst herstellen können. Er rechne damit, dass sein Land bis dahin technisch dazu in der Lage sein werde. Die Ukraine verfüge zudem über einen Entwurf für eine Startrampe und eine Rakete für das europäische Raketenabwehrprojekt Freyja.