Selenskyj schlägt Geheimdienstler Chmara als neuen Verteidigungsminister vor
In der Ukraine hat Präsident Wolodymyr Selenskyj den Geheimdienstler Jewhenij Chmara als neuen Verteidigungsminister vorgeschlagen. Die Kandidatur werde bald im Parlament eingereicht, teilte der Staatschef auf Telegram mit. Bis zur Absolvierung aller rechtlichen Verfahren werde Chmara das Ministerium geschäftsführend leiten. Gemäß Verfassung hat der Präsident das Vorschlagsrecht für den Posten des Verteidigungsministers. Zuvor war Mychajlo Fedorow als Verteidigungsminister entlassen worden.
Chmara: Experte für Drohnenschläge und ehemaliger SBU-Chef
Chmara leitete den Geheimdienst SBU seit Januar geschäftsführend. Er gilt als Experte für Drohneneinsätze im russischen Hinterland und hat den Rang eines Generalmajors inne. Dem ukrainischen Gesetz nach muss der Minister jedoch ein Zivilist sein. Vorgänger Fedorow hatte das Ministerium erst im Januar übernommen. Die Entlassung des als Reformers geltenden Fedorow wurde von Protesten in Kiew und anderen Städten begleitet. Seit dem russischen Einmarsch vom Februar 2022 wird der Verteidigungsminister bereits zum vierten Mal ausgewechselt. (dpa)
Polen fängt erneut russische Flugzeuge über der Ostsee ab
Die polnische Luftwaffe hat nach Militärangaben drei Tage in Folge russische Kampfflugzeuge über der Ostsee abfangen müssen. „Die Russen testen erneut die Leistungsfähigkeit unserer Flugabwehrsysteme“, schrieb Verteidigungsminister Wladyslaw Kosiniak-Kamysz auf dem Portal X. Demnach fingen zwei polnische Maschinen aus Malbork zunächst zwei russische Kampfjets vom Typ Suchoi Su-30 ab. Dann sei ein russisches Aufklärungsflugzeug etwa 30 Kilometer vor der pommerschen Ostseeküste bei Jastrebia Gora gesichtet worden. Die polnischen Flieger hätten die Iljuschin Il-20 weiter aufs Meer hinaus eskortiert, wo schwedische Jets die Begleitung übernommen hätten. Der polnische Luftraum sei in beiden Fällen nicht verletzt worden, teilte der Verteidigungsminister mit.
Die russischen Erkundungsflüge vor der Küste des Nato-Mitglieds Polen haben Warschauer Angaben zufolge nach einer Pause wieder zugenommen. Am Dienstag stoppten polnische Jets ein Aufklärungsflugzeug Il-20, am Mittwoch waren es zwei Kampfjets Su-30. Russland und Nato-Staaten teilen sich den Ostseeraum; die Lage ist wegen des Moskauer Angriffskriegs gegen die Ukraine angespannt. In Polen und den baltischen Staaten gibt es Befürchtungen, dass Russland wegen seiner Probleme im Ukraine-Krieg Provokationen gegen Nato-Gebiet unternehmen könnte. Von Moskauer Seite heißt es, man werde keine Nato-Mitglieder angreifen. Beim sogenannten Abfangen in der Luft nehmen die Piloten Sichtkontakt zur gegnerischen Besatzung auf und signalisieren, dass deren Flugzeug sich entfernen soll. (dpa)
Ukraine weist russische Vorwürfe zu Angriff bei AKW Saporischschja zurück
Das ukrainische Außenministerium weist russische Vorwürfe im Zusammenhang mit einem Angriff zurück, bei dem der Chefingenieur des von Russland besetzten Atomkraftwerks Saporischschja getötet wurde. „Es wird keine unabhängige Bestätigung der russischen Version oder ein Beweis für die Beteiligung der Ukraine vorgelegt“, teilt das Ministerium auf Telegram mit. Informationen der russischen Besatzungsbehörden könnten nicht als zuverlässig angesehen werden. Russland versuche, mit den Anschuldigungen die internationale Gemeinschaft mit der Drohung eines nuklearen Zwischenfalls einzuschüchtern. (Reuters)
Russland hat in den ersten beiden Juliwochen nach Angaben der ukrainischen Hafenbehörde 23 Mal Häfen und 17 Mal zivile Schiffe angegriffen. Händlern und Analysten zufolge haben die Angriffe zu einem teilweisen Stopp der Getreidelieferungen und einer fast vollständigen Aussetzung der Getreidekäufe in den Hafenterminals geführt. (Reuters)
Ukrainische Regierung ehrt britischen Premier Starmer mit Orden der Freiheit
Die ukrainische Regierung hat den scheidenden britischen Premierminister Keir Starmer bei seinem Abschiedsbesuch in Kyjiw mit dem Orden der Freiheit geehrt. „Großbritannien stand immer an der Seite der Ukraine und tut dies weiterhin, und das schätzen wir sehr“, sagte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Starmer am Donnerstag. Starmers konservative Amtsvorgänger Rishi Sunak und Boris Johnson hatten den Orden in der Vergangenheit ebenfalls erhalten.
Selenskyj bedankte sich bei Starmer, der aller Voraussicht nach am Montag den Amtssitz in der Londoner Downing Street verlässt, und wünschte ihm „viel Glück“. Starmer dankte Selenskyj und sagte weitere Unterstützung für Kiew zu. Großbritanniens Unterstützung für die Ukraine werde sich „niemals ändern“, auch wenn er sein Amt aufgebe, sagte Starmer. „Euer Kampf ist unser Kampf. Eure Sicherheit ist unsere Sicherheit.“ Großbritannien ist einer der vehementesten Unterstützer der Ukraine bei ihrer Verteidigung gegen den seit mehr als vier Jahren andauernden russischen Angriffskrieg. Es wird erwartet, dass sich daran auch nach dem Wechsel an der Spitze der britischen Regierung nichts ändert. Der Besuch in der Ukraine sei einer der letzten Auslandsbesuche in Starmers Amtszeit, teilt sein Büro mit. Starmer wolle mit Selenskyj über die Fortschritte bei der militärischen Ausrüstung der Ukraine sprechen. Zudem werde erörtert, worauf sich die Verbündeten künftig konzentrieren sollten, heißt es in der Erklärung weiter. (AFP/Reuters)
Opfer von Explosion in Monaco bezichtigt Kyjiws Geheimdienst
Der ukrainische Geschäftsmann, der bei der Explosion in Monaco vor zwei Wochen schwer verletzt worden ist, bezichtigt den ukrainischen Militärgeheimdienst HUR der Tat. „Aufgrund der uns vorliegenden Ermittlungsergebnisse haben wir keinen Zweifel daran, dass aktive Offiziere der Hauptnachrichtendienstabteilung des ukrainischen Verteidigungsministeriums, allgemein bekannt als HUR, direkt an diesem Attentatsversuch beteiligt waren“, heißt es in einem von Wadym Jermolajew über seine Anwälte verbreiteten Schreiben, das der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Beteiligt gewesen seien „Personen aus dem Umfeld der derzeitigen und ehemaligen Führung des Dienstes“, schreibt der Geschäftsmann, der von einem gezielten Mordversuch spricht. Die mit dem Fall befassten Staatsanwaltschaften in Monaco und im französischen Nizza ermitteln wegen versuchten Mordes und einer Sprengstoffstraftat. Sie äußerten sich auf Anfrage zunächst nicht zu den Anschuldigungen und dem aktuellen Stand ihrer Ermittlungen.
Zu der Tat war es abends am Eingang eines Wohngebäudes in Monaco gekommen. Zuvor hatte eine Person dort ein Paket abgelegt, das explodierte, als Jermolajew zusammen mit seiner Partnerin und einem Sohn das Gebäude verließ. Alle drei wurden dabei schwer verletzt. Wadym Jermolajew (58) ist seit Dezember 2023 mit ukrainischen Sanktionen belegt, Präsident Wolodymyr Selenskyj warf ihm Kooperation mit Russland vor. Jermolajew zählte regelmäßig zu den reichsten Ukrainern. Nach der Explosion Ende Juni war nach einer tatverdächtigen Ukrainerin mit Wohnsitz in Deutschland gefahndet worden. Wenige Tage später wurde die Frau erschossen in der Ukraine aufgefunden. Die mutmaßlichen festgenommenen Täter sind Offiziere des ukrainischen Militärgeheimdienstes HUR. (dpa)
Kreml spielt Russlands Wirtschaftsprobleme herunter – Experte warnt
Die russische Regierung hat im fünften Jahr des Krieges gegen die Ukraine wirtschaftliche Probleme eingeräumt. „Diese Schwierigkeiten sind nicht kritisch“, sagte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow am Donnerstag. Regierung und Präsident Wladimir Putin wüssten, was zur Steuerung und Verbesserung der Lage zu tun sei. „Die makroökonomische Stabilität ist vollständig gewährleistet“, fügte er hinzu. Peskow reagierte damit auf eine am Mittwoch veröffentlichte Umfrage der Zentralbank, die eine deutliche Verschlechterung der Stimmung in den Unternehmen zeigte. Der Geschäftsklimaindex der Zentralbank fiel im Juli um 4,5 Punkte auf minus 3,6 Zähler. Dies ist der niedrigste Stand seit Mitte 2022. Gleichzeitig stiegen die Preiserwartungen der Unternehmen deutlich.
Der Investmentbanker und Wirtschaftsprofessor Jewgeni Kogan wies darauf hin, dass es seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 2002 nur fünf Monate gegeben habe, in denen sich der Indikator schneller verschlechtert habe. Ein Abrutschen in den negativen Bereich sei in der Vergangenheit mit Wirtschaftskrisen verbunden gewesen, erklärte der Professor an der Moskauer Higher School of Economics. Die steigenden Inflationserwartungen deuteten zudem auf einen starken Kostenanstieg hin. Dieser sei eine Folge der Treibstoffknappheit, die durch die zunehmenden ukrainischen Gegenangriffe auf russische Ölraffinerien verursacht werde. Damit will die Ukraine eine wichtige Einnahmequelle Russlands zur Finanzierung seines Angriffskriegs lahmlegen.
„Im Ergebnis könnte die Kraftstoffkrise sowohl den Preisanstieg beschleunigen als auch die Wirtschaft in eine Rezession stürzen“, schrieb Kogan auf seinem Telegram-Kanal. Eine solche Situation werde als Stagflation bezeichnet. Dies bringe die Zentralbank in ein Dilemma. Werde der Leitzins zur Bekämpfung der Inflation erhöht, könne dies die Wirtschaft abwürgen. Werde der Zins zur Stützung der Konjunktur gesenkt, werde sich die Inflation weiter beschleunigen. „Es muss etwas geopfert werden“, warnte der Experte. (Reuters)
Ukraine und Russland tauschen weitere Soldatenleichen aus
Die Ukraine und Russland haben inmitten laufender Kampfhandlungen erneut Leichen gefallener Soldaten ausgetauscht. Kyjiw habe 501 Soldatenleichen erhalten, teilte der Stab für Kriegsgefangenenbelange bei Telegram mit. Moskau sind Medienberichten zufolge wiederum die Überreste von 31 russischen Soldaten übergeben worden. Seit Anfang 2025 hat die Ukraine damit fast 21.000 Gefallene zurückerhalten. Gleichzeitig wurden Russland nur etwas über 660 Soldatenleichen übergeben. Der massive Unterschied wird mit dem stetigen Vorrücken der russischen Armee erklärt, bei dem die ukrainischen Truppen ihre Toten nur zum Teil bergen können. Verlustzahlen unterliegen auf beiden Seiten der Geheimhaltung. Über die Zählung von öffentlichen Nachrufen und anderen Daten wird die Zahl der Toten auf ukrainischer Seite auf etwas über 200.000 geschätzt. Die russische Armee hat nach der gleichen Vorgehensweise bereits rund 350.000 Soldaten verloren. (dpa)
Nato erwartet keine Kursänderung durch Ministerwechsel
Nato-Generalsekretär Mark Rutte erwartet durch die Neubesetzung des Postens des ukrainischen Verteidigungsministers keine großen Änderungen an der Strategie im Abwehrkampf gegen Russland. Rutte sagte der Deutschen Presse-Agentur in Brüssel, er gehe davon aus, dass der nächste Verteidigungsminister der künftigen Regierung unter Präsident Wolodymyr Selenskyj den Kurs von Mychajlo Fedorow fortsetzen werde. Im Abwehrkampf gegen die russischen Invasionstruppen stünden die Ukrainer heute deutlich besser da als noch Anfang des Jahres.
„Schauen Sie sich die Front an: Die Russen erzielen zwar weiterhin kleinere Geländegewinne, aber deutlich geringere als noch vor vier oder fünf Monaten“, sagte er. Gleichzeitig gelinge es auch den Ukrainern, den Russen wieder Gelände abzunehmen. Rutte verwies zudem darauf, dass die Ukrainer den russischen Streitkräften nach wie vor Monat für Monat erhebliche Verluste zufügten, die zwischen 25.000 und 35.000 Toten oder Verwundeten lägen. „Wenn Sie ein junger russischer Mann sind und darüber nachdenken, sich dem Krieg anzuschließen, könnten Sie schon in diesem oder im nächsten Monat zu diesen rund 30.000 gehören“, warnte er in Richtung Russland.
Zugleich sei die Ukraine erfolgreich damit, Ziele tief im russischen Hinterland anzugreifen – etwa Energieinfrastruktur und die russische Rüstungsindustrie. „Insofern steht die Ukraine heute deutlich besser da“, sagte er. Mit Fedorow habe er eine gute Arbeitsbeziehung gehabt, fügte Rutte hinzu. Er sei überzeugt, dass auch sein Nachfolger diesen Weg weitergehen wird. (dpa)
IAEA verurteilt Tötung von Chefingenieur von ukrainischem AKW Saporischschja
Die Internationale Atomenergiebehörde IAEA hat die Tötung des Chefingenieurs des Atomkraftwerks Saporischschja im Süden der Ukraine angeprangert. IAEA-Chef Rafal Grossi sprach am Donnerstag im Onlinedienst X von einem „inakzeptablen Angriff auf das Kraftwerk und dessen Leitung, der die nukleare Sicherheit ernsthaft gefährdet“. Die Behörde fordere „die sofortige Einstellung aller Angriffe, die auf kerntechnische Anlagen und deren Personal abzielen oder in deren Nähe stattfinden“. Russland hatte die Tötung des Ingenieurs Alexander Jakowlew der Ukraine zugeschrieben. Moskau warf den ukrainischen Streitkräften am Mittwoch vor, Jakowlew mit Hilfe einer Drohne „gezielt“ getötet zu haben. Es habe sich um einen „gezielten Terroranschlag des Kiewer Regimes“ gehandelt, erklärte der russische Atomkonzern Rosatom, der das Kraftwerk beaufsichtigt, das in von Moskau kontrolliertem Gebiet liegt.
Das ukrainische Atomkraftwerk Saporischschja ist das größte Europas. Es befindet sich seit März 2022 in russischer Hand und liegt nahe der Front. Die sechs Reaktoren sind abgeschaltet, die Anlage braucht jedoch weiterhin Elektrizität für ihre Kühl- und Sicherheitssysteme. Seit Beginn des russischen Angriffskrieges in der Ukraine im Februar 2022 haben sich beide Seiten wiederholt vorgeworfen, mit Angriffen auf das Kraftwerk ein Atomunglück zu riskieren. (AFP)
Russland sieht derzeit keine Aussichten auf Ukraine-Friedensgespräche
Die russische Führung sieht derzeit keine unmittelbaren Aussichten auf eine Wiederaufnahme der Friedensgespräche mit der Ukraine. Man bleibe jedoch offen für Verhandlungen und sei dankbar für die Vermittlungsbereitschaft der Türkei, sagt Kreml-Sprecher Dmitri Peskow. Derzeit gebe es aber keine Anzeichen für neue Gespräche. Auch die Regierungsumbildung in Kyjiw unter Präsident Wolodymyr Selenskyj ändert daran aus russischer Sicht nichts, solange die Ukraine nicht zu einer Friedensregelung bereit sei. (Reuters)
Ukrainisches Parlament bestätigt neuen Ministerpräsidenten Korezkyj
In der Ukraine hat das Parlament den neuen Ministerpräsidenten Serhij Korezkyj bestätigt. Für die Ernennung stimmte eine deutliche Mehrheit von 289 Abgeordneten. 226 waren notwendig gewesen. Korezkyj leitete bislang den staatlichen Energiekonzern Naftogaz. Er ist der dritte Regierungschef des Landes seit Beginn der russischen Invasion im Jahr 2022 und hat zuvor den staatlichen Energiekonzern Naftogaz geleitet. Als seine wichtigsten Prioritäten nennt Korezkyj vor den Abgeordneten die Verteidigung der Ukraine, die wirtschaftliche Stabilität und den angestrebten Beitritt zur Europäischen Union. Eine der wichtigsten Aufgaben des 48-Jährigen besteht zudem in der Vorbereitung des Landes auf den nächsten Kriegswinter. (dpa/Reuters)
Ukraine attackiert Großstadt und Öldepots an der Wolga
Ukrainische Drohnen sind nach Angaben der örtlichen Behörden in ein Wohnhaus der südrussischen Großstadt Engels an der Wolga eingeschlagen. Schrieb Gouverneur Roman Bassurgin zunächst in sozialen Netzwerken, dass es keine Verletzten gebe, teilte die Staatsanwaltschaft später mit, dass Menschen zu Schaden gekommen seien. Details gab die Behörde nicht bekannt. Medienberichten zufolge haben die Drohnen zudem ein Feuer auf dem Militärflugplatz der dort stationierten Bomberflotte ausgelöst. Das Ausmaß der Schäden ist unbekannt. Offizielle Stellen haben diese Berichte bislang nicht bestätigt.
Nördlich von Moskau haben derweil einem Bericht des unabhängigen Portals „Astra“ zufolge ukrainische Drohnen ein Öldepot nahe der ebenfalls an der Wolga gelegenen Stadt Jaroslawl in Brand gesetzt. Die riesige Anlage gehört zu der örtlichen Raffinerie und soll bis zu 620.000 Kubikmeter Lagerkapazität haben. Später bestätigten offizielle Stellen in Jaroslawl einen Angriff. Bei der Attacke sei ein Mann ums Leben gekommen, vier Personen wurden verletzt, schrieb Gouverneur Michail Jewrajew. Zu Schäden machte er keine Angaben. (dpa)



