Die Proteste in Serbien reißen nicht ab. Nur einen Tag nach der Rücktrittsankündigung von Präsident Aleksandar Vučić gingen am Sonntag erneut Tausende Menschen gegen die Regierung auf die Straße. Die Stimmung im Land hat sich durch die Ankündigung nicht beruhigt – im Gegenteil: Viele Demonstrierende glauben nicht an einen echten Machtwechsel.
Demonstranten sehen „Theaterstück“ hinter Vučićs Rücktritt
Ein Demonstrant äußerte gegenüber dem SPIEGEL seine Skepsis: „Es würde mich nicht überraschen, wenn der Präsident zurücktritt, aber sicherlich nicht aus politischer Klugheit heraus, sondern ich bin mir sicher, dass dahinter ein vorab vorbereitetes Theaterstück steckt, um seine Amtszeit zu verlängern.“ Eine Demonstrantin ergänzte: „Ich glaube, dass sein Rücktritt nichts ändern wird, solange sich nicht die Regierung und die gesamte politische Landschaft, die in unserem Land seit über dreißig Jahren besteht, ändern.“
Hintergrund: Seit November 2024 anhaltende Proteste
Die Proteste in Serbien dauern bereits seit mehr als anderthalb Jahren an. Auslöser war der Einsturz eines Bahnhofsvordachs im November 2024, bei dem 16 Menschen starben. Inzwischen geht es jedoch nicht mehr nur um die Aufarbeitung des Unglücks, sondern vor allem um die Korruption im Land und den Unmut über die Regierung.
Vučić kündigt Rücktritt an – Beobachter erwarten Machterhalt
Vučić selbst spricht seit Monaten von vorgezogenen Neuwahlen und einem Rücktritt. Am Samstag bekräftigte er, nur noch einige Wochen Präsident bleiben zu wollen. Beobachter rechnen allerdings damit, dass er zwar Neuwahlen ausruft, dann jedoch als Spitzenkandidat seiner Partei antreten wird und nach einem möglichen Wahlsieg einfach ins Amt des Ministerpräsidenten wechselt. Dies würde bedeuten, dass er faktisch an der Macht bleibt, obwohl er formal das Präsidentenamt abgibt.
Proteste gegen Korruption und Regierung ungebrochen
Die Demonstranten fordern nicht nur den Rücktritt Vučićs, sondern eine grundlegende Änderung der politischen Landschaft. Die Korruption im Land ist einer der Hauptkritikpunkte. Die Proteste sind Ausdruck einer tiefen Unzufriedenheit mit der seit Jahrzehnten herrschenden politischen Elite. Ob Vučićs Rücktrittsankündigung tatsächlich zu einer Beruhigung der Lage führt, bleibt fraglich – die Straßenproteste zeigen, dass die Bevölkerung einen echten Wandel einfordert.



