Jens Spahn ist nicht mehr Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion. Der 46-jährige CDU-Politiker trat am Montag zurück, nachdem der Druck wegen seiner Entscheidung für eine Leihmutterschaft in den USA unhaltbar geworden war. „Eines ist mir in den letzten Tagen immer klarer geworden: Meine Familie ist mir das Wichtigste“, sagte Spahn in seiner Rücktrittserklärung.
Private Entscheidung mit politischer Sprengkraft
Spahn und sein Mann Daniel Funke hatten sich entschieden, Eltern zu werden und dafür die Hilfe einer Leihmutter in den USA in Anspruch genommen. In Deutschland ist Leihmutterschaft verboten – und Spahns eigene Partei lehnt eine Legalisierung strikt ab. Kritiker warfen ihm vor, privat Möglichkeiten zu nutzen, die er anderen politisch verweigere. Der Druck aus den eigenen Reihen wuchs rapide, und selbst Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) verlor die Geduld. „Spahns Rücktritt war unvermeidlich“, erklärte Merz noch vor der CDU-Präsidiumssitzung am Montag.
Vom Höhenflug zum Sturz
Spahns Rücktritt kommt auf dem Höhepunkt seiner politischen Karriere. Nach schwierigem Start hatte er sich als Fraktionschef etabliert und galt neben Merz und Bundesinnenminister Alexander Dobrindt als mächtigster Mann der Union. In der Reformphase der schwarz-roten Koalition profilierte er sich als geräuschloser Strippenzieher. Bei seiner Wiederwahl im Mai 2026 erreichte er 86,5 Prozent – ein solides Ergebnis, auch wenn es unter den 91,3 Prozent von 2025 lag. Doch die Leihmutterschaftsaffäre brachte ihn zu Fall.
Frühere Krisen gemeistert
Spahn hatte zuvor mehrere Krisen überstanden: die gescheiterte Richterwahl von Frauke Brosius-Gersdorf im Juli 2025, die anhaltende Maskenaffäre aus seiner Zeit als Gesundheitsminister und den Rentenstreit mit der Jungen Union. „Es braucht ziemlich viel, um mich umzuhauen“, hatte er damals gesagt. Doch die private Entscheidung erwies sich als unüberwindbar. „Er hat unterschätzt, welche Wirkung seine private Entscheidung im politischen Raum haben würde“, kommentierte ein Fraktionsmitglied.
Ende einer Karriere?
Spahn war seit 2002 im Bundestag, zunächst als jüngster Abgeordneter der Union. Von 2017 bis 2021 war er Gesundheitsminister, danach Fraktionschef. Ein Comeback in gehobener Position gilt nach dem Glaubwürdigkeitsverlust als unwahrscheinlich. Die Frage nach der Nachfolge ist noch offen; Merz kündigte eine schnelle Personalrochade an.



