Jens Spahn wird Vater: Kritik an Doppelmoral bei Leihmutterschaft
Spahn wird Vater: Doppelmoral-Vorwurf bei Leihmutterschaft

Unionsfraktionschef Jens Spahn (CDU) und sein Ehemann Daniel Funke sind Eltern eines Sohnes namens Georg geworden. Die Geburt erfolgte mithilfe einer Leihmutter in den USA, da das deutsche Embryonenschutzgesetz Leihmutterschaften verbietet. Während die private Freude bei anderen Paaren kaum öffentliche Beachtung fände, wird Spahn nun politische Doppelmoral vorgeworfen – denn seine Partei lehnt die Legalisierung von Leihmutterschaften kategorisch ab.

Rechtliche Grundlage und Vorwürfe

Das deutsche Embryonenschutzgesetz (§ 1) stellt die Vermittlung und Durchführung von Leihmutterschaften unter Strafe – allerdings nur für Ärzte, nicht für die Wunscheltern. In den USA ist Leihmutterschaft legal. Funkes Vaterschaft wird in Deutschland anerkannt, ebenso Spahns Vaterschaft, unabhängig davon, ob sie durch Gerichtsentscheid oder Adoption zustande kommt. Somit haben Spahn und Funke nicht gegen deutsches Recht verstoßen.

Dennoch erhebt der Herausgeber des Portals queer.de den Vorwurf der „politischen Doppelmoral“. Er betont, Spahn habe wegen der zu erwartenden Hasswelle die Solidarität der queeren Community verdient, kritisiert aber den Widerspruch zwischen Spahns Handeln und seinen politischen Positionen.

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Alte Zitate neu aufgerollt

Bereits vor elf Jahren, als in Deutschland über das Thema Leihmutterschaft diskutiert wurde, hatte Spahn der Zeitschrift „GQ“ eine Stellungnahme gegeben. Darin schrieb er: „Als schwuler Mann und Christ kann ich mich persönlich nur sehr schwer mit der Idee eines gemieteten Mutterbauchs anfreunden.“ Gleichzeitig fügte er hinzu: „Zu akzeptieren, dass ich nicht auf natürlichem Weg Vater werde, verlangt ein großes Maß an Demut. Ob ich das aufbringen kann, weiß ich nicht. Aber eines erwarte ich schon: dass man meine Zurückhaltung in dieser zutiefst ethischen Frage respektiert, ohne mich als rückständig zu beschimpfen.“

Jahre später, als Spahn Gesundheitsminister war, forderte die FDP eine Reform des Embryonenschutzgesetzes. Sein Ministerium schrieb im April 2020, dass das Verbot der Leihmutterschaft im Interesse des Kindeswohls die Eindeutigkeit der Mutterschaft gewährleisten solle. Bei einer Leihmutterschaft seien genetische und austragende Mutter nicht identisch, was negative Auswirkungen auf die Selbstfindung des Kindes haben könne. Dies war die offizielle Position der Bundesregierung, nicht Spahns persönliche Meinung.

Kritik aus der Politik

Die frühere Chefin der Grünen Jugend, Jette Nietzard, schrieb auf Instagram: „Gesetze, die mächtige Männer verabschieden, gelten nie für sie selbst oder ihre Kinder. Die werden immer einen Weg finden, ihre Söhne vor der Wehrpflicht zu schützen, ihren Töchtern Abtreibungen zu ermöglichen oder eben Kinder zu bekommen.“

Spahn hatte bereits 2021 in einem Interview mit der „Bunten“ erklärt, dass er und sein Mann sich Kinder wünschten. „Und ich denke, wir wären gute Eltern. Wir reden darüber, noch ist nichts konkret. Aber wenn, dann bald, wir werden ja auch nicht jünger.“ Heute ist Spahn 46, sein Mann 44 Jahre alt.

Aktuelle Parteibeschlüsse

Erst vor wenigen Monaten sprach sich der CDU-Parteitag in Stuttgart für ein Festhalten am Verbot von Leihmutterschaften aus – ausdrücklich „auch in altruistischen Modellen“, um „Missbrauch, Ausbeutung und gesundheitliche Risiken zu verhindern“. Dennoch gibt es auch neuere Äußerungen Spahns: In der ntv-Talksendung von Pinar Atalay sagte er im November 2025, sein Kinderwunsch habe sich „bis hierhin“ noch nicht erfüllt. Mit leichtem Lachen fügte er hinzu: „Jetzt sind die Voraussetzungen bei uns sowieso noch etwas schwieriger, um den zu erfüllen.“ Aber „grundsätzlich“ könne er sich das „weiterhin gut vorstellen“.

In einer Nachricht an Freunde, aus der die „Bild“-Zeitung zitiert, schreiben die frischgebackenen Eltern: „Uns ist bewusst, dass wir Euch mit dieser Nachricht überraschen, und dass sich zum Thema Leihmutterschaft auch Fragen stellen. Diese beantworten wir Euch gerne.“ Die Debatte um Spahns vermeintliche Doppelmoral dürfte damit noch nicht beendet sein.

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