Straße von Hormus: Schiffsverkehr erholt sich trotz iranischer Drohungen
Straße von Hormus: Schiffsverkehr erholt sich trotz Drohungen

Die iranischen Angriffe auf zwei Handelsschiffe in der Straße von Hormus haben den Schiffsverkehr nicht nachhaltig beeinträchtigt. Laut einer Analyse des maritimen Datenanbieters Lloyd's List Intelligence durchquerten in der vergangenen Woche 258 Schiffe die Meerenge, über die vor dem Beginn der US-israelischen Angriffe auf den Iran am 28. Februar etwa ein Fünftel des weltweit gehandelten Rohöls verschifft wurde. In der Woche vor den Angriffen wagten lediglich 138 Schiffe die Passage.

Iranische Angriffe und Kontrollansprüche

Der Iran hatte am vergangenen Donnerstag und Samstag zwei Schiffe attackiert, die auf einer Route vor der Küste Omans unterwegs waren, die der Oman in Abstimmung mit der UN-Schifffahrtsorganisation IMO festgelegt hat. Teheran verlangt, dass Schiffe ausschließlich eine Route vor der iranischen Küste nutzen. Die iranischen Streitkräfte haben erneut ihre Kontrolle über die Straße von Hormus beansprucht. „Jede Missachtung dieser Vorgabe (...) wird mit einer unverzüglichen und entschlossenen Reaktion der Streitkräfte beantwortet“, hieß es in einer Erklärung der Militärführung, die iranische Medien verbreiteten.

Verhandlungen zwischen USA und Iran

US-amerikanische und iranische Unterhändler haben sich am Mittwoch getrennt mit Vermittlern aus Katar und Pakistan getroffen. Dabei seien „positive Fortschritte“ erzielt worden, teilte das Gastgeberland Katar mit. Beide Seiten hätten vereinbart, die Gespräche fortzusetzen. Das nächste Treffen werde „zum frühestmöglichen Zeitpunkt“ nach der Beerdigung des früheren iranischen Obersten Führers Ajatollah Ali Chamenei angesetzt, erklärte der katarische Außenamtssprecher Madschid al-Ansari auf X. Die Trauerfeier soll am Samstag in Teheran beginnen.

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Der US-Sondergesandte für den Nahen Osten, Steve Witkoff, und Jared Kushner, der Schwiegersohn von US-Präsident Donald Trump, waren zu Gesprächen in Katar, um ein dauerhaftes Ende des Krieges zu erreichen. Ebenfalls beteiligt war Irans Chefunterhändler Kazem Gharibabadi. Die Verhandlungen sollen Details klären, um ein Abkommen auf höchster Ebene vorzubereiten. Streitpunkte bleiben unter anderem die Straße von Hormus und der Libanon.

Iranische Forderungen und Drohungen

Der Iran pocht auf die Kontrolle über die Straße von Hormus sowie eine Gebühr für die Schiffspassage und will dies Insidern zufolge notfalls auch mit Gewalt erzwingen. Die Führung in Teheran strebe eine dauerhafte formelle Anerkennung eines solchen Kontrollrechts an, sobald das jüngste Übergangsabkommen mit den USA auslaufe, sagten zwei ranghohe Regierungsvertreter des Iran der Nachrichtenagentur Reuters. Der Iran sei auch bereit, diese Forderungen mit Gewalt durchzusetzen, sollten sich andere Länder nicht bereiterklären, seine Bedingungen zu akzeptieren, erläuterte ein Insider. Teheran werde nicht nachgeben, selbst wenn dies zu einer erneuten und verschärften Konfrontation mit den USA führe.

Der Iran glaube, eine „historische Chance“ zu haben, sich einen langfristigen Vorteil zu sichern, nachdem er den Krieg mit den USA und Israel überstanden habe, sagte ein anderer ranghoher Vertreter der Islamischen Republik. Die Länder, in denen Reedereien tätig sind, würden eine iranische Kontrolle über die Meerenge aufgrund der steigenden Kosten des Konflikts letztendlich akzeptieren, und die Regierung in Washington würde dies ebenfalls akzeptieren, um eine ununterbrochene weltweite Energieversorgung zu gewährleisten.

Reaktionen und Auswirkungen

Die französische Reederei CMA CGM rechnet damit, dass eine Normalisierung des Schiffsverkehrs in der Straße von Hormus mehrere Monate dauern wird. Seit Beginn des Iran-Krieges säßen mehrere Schiffe im Golf fest, sagt Konzernchef Rodolphe Saade der Zeitung „Les Echos“. Derzeit führen rund 60 Prozent der Schiffe des Unternehmens durch den Suezkanal, während 40 Prozent die längere Route um Afrika nähmen.

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Verteidigungsminister Boris Pistorius geht nicht von einer baldigen Beteiligung der Bundesmarine an einer Sicherung der Straße von Hormus aus. „Im Augenblick gibt es kein Szenario, das ich sehe, in den nächsten Tagen oder Wochen, dass der Korken schnell aus der Flasche kommt und wir in die Straße von Hormus einfahren könnten, um Minen zu räumen“, sagte der SPD-Politiker am Mittwoch in Berlin. „Das ist im Augenblick nicht absehbar.“ Zwei deutsche Minenräumschiffe liegen derzeit im Hafen von Dschibuti, sie waren für den Fall eines Friedensschlusses zwischen dem Iran und den USA in die Region entsandt worden.

Weitere Entwicklungen

Die iranischen Revolutionsgarden haben im Nordwesten des Landes fünf Mitglieder der verbotenen Demokratischen Partei des Iranischen Kurdistans (PDKI) getötet. Die Gruppe sei in den bergigen Grenzgebieten nahe der Stadt Piranschahr in einen Hinterhalt geraten, berichten staatliche Medien. Nach Angaben der in Norwegen ansässigen kurdischen Menschenrechtsorganisation Hengaw haben sich die Kämpfe am Mittwochabend ereignet.

Der Iran warnt die USA und Israel vor Angriffen während der Trauerfeier für Chamenei. „Wir warnen die Feinde des Iran, insbesondere die USA und das zionistische Regime, vor jeglicher Fehleinschätzung“, erklärte Ali Abdollahi, Kommandeur des zentralen Hauptquartiers Chatam al-Anbija, in einer von staatlichen Medien verbreiteten Erklärung am Donnerstag. Ajatollah Ali Chamenei war am 28. Februar, dem ersten Tag des Krieges, bei einem Luftangriff getötet worden. Die Trauerprozessionen sollen am kommenden Samstag in Teheran beginnen und am 9. Juli mit seiner Beisetzung in seiner Heimatstadt Maschhad enden.