In der ukrainischen Hauptstadt Kiew haben sich am Donnerstagabend Tausende Menschen versammelt, um gegen die überraschende Entlassung von Verteidigungsminister Iwan Fedorow zu protestieren. Die Demonstranten werfen Präsident Wolodymyr Selenskyj vor, einen der populärsten Minister des Landes ohne nachvollziehbare Gründe entlassen zu haben.
Hintergrund der Proteste
Die Entlassung Fedorows war am Mittwochabend durch ein Dekret des Präsidenten bekannt gegeben worden. Offizielle Begründung waren „strukturelle Reformen“ im Verteidigungsministerium. Fedorow, der seit Kriegsbeginn 2022 im Amt war, genoss in der Bevölkerung hohes Ansehen, vor allem wegen seines Engagements für die Modernisierung der Armee und die Beschaffung westlicher Waffensysteme.
BILD-Vize Paul Ronzheimer, der vor Ort in Kiew ist, berichtet: „Die Stimmung ist aufgeheizt. Viele Demonstranten tragen Schilder mit Aufschriften wie ‚Fedorow bleibt‘ und ‚Selenskyj, erkläre dich!‘. Es ist die bislang größte Protestaktion gegen den Präsidenten seit Kriegsbeginn.“
Politische Folgen
Die Proteste fallen in eine ohnehin schwierige Phase für Selenskyj. Die Gegenoffensive im Osten des Landes kommt nur schleppend voran, und die internationale Unterstützung droht zu erlahmen. Beobachter sehen in der Entlassung Fedorows einen Versuch, die Verantwortung für militärische Rückschläge auf den Verteidigungsminister abzuwälzen.
„Die Entlassung von Fedorow ist ein schwerer politischer Fehler“, sagt der ukrainische Politologe Mykola Melnyk. „Er war einer der wenigen Minister, die sowohl beim Militär als auch in der Bevölkerung uneingeschränkte Unterstützung genossen.“
Die Demonstration verlief bislang friedlich. Die Polizei ist mit einem Großaufgebot präsent, um Ausschreitungen zu verhindern. Es wird erwartet, dass die Proteste in den kommenden Tagen anhalten, falls Selenskyj keine klare Erklärung für seine Entscheidung liefert.



