Ein 52-jähriger mutmaßlicher Tibet-Aktivist ist am Donnerstagabend vor dem Hauptquartier der Vereinten Nationen in New York durch eine Selbstverbrennung ums Leben gekommen. Die Polizei wurde gegen 18.30 Uhr Ortszeit alarmiert und stellte wenig später den Tod des Mannes im Krankenhaus fest. Videos in sozialen Medien zeigen, wie der Mann mit einer Tibet-Fahne vor die UN-Zentrale tritt und sich in Flammen setzt. Laut dem Sender CNN soll die Tat in einem Livestream übertragen worden sein, und von dem gleichen Account wurde ein Aufruf zur „Unabhängigkeit Tibets“ veröffentlicht.
Hintergrund: Protest gegen neues chinesisches Gesetz
Die Aktion richtete sich offenbar gegen ein neues chinesisches Gesetz zur ethnischen Einheit, das im März 2026 verabschiedet wurde. Dieses Gesetz schreibt unter anderem Mandarin als Pflichtsprache für alle Kinder während der gesamten Schullaufbahn vor und soll eine „gemeinsame“ nationale Identität unter den 55 ethnischen Minderheiten des Landes schaffen. Sowohl die USA als auch die EU hatten bereits ihre Besorgnis über das Gesetz ausgedrückt. Weltweit hatten sich Tibeter in den vergangenen Monaten dagegen ausgesprochen. Der Mann soll laut Medienberichten seit Jahren in der tibetischen Protestbewegung aktiv gewesen sein.
Selbstverbrennungen als Protestform in Tibet
Selbstverbrennungen haben in der tibetischen Widerstandsbewegung eine lange Tradition. Allein zwischen 2009 und 2022 soll es in China und Tibet rund 150 politisch motivierte Suizide und Suizidversuche gegeben haben. China hatte die Himalaja-Region Tibet 1950 gewaltsam eingenommen; seit 1965 ist Tibet eine autonome Region. Der Dalai Lama, das buddhistische Oberhaupt der Tibeter, lebt seit mehr als 50 Jahren im Exil und wird von Peking als Staatsfeind betrachtet. Die tibetische Exilregierung sitzt in Indien.
Reaktion der Vereinten Nationen
Ein Sprecher von UN-Generalsekretär António Guterres teilte der Nachrichtenagentur AFP mit, Guterres sei „bestürzt über den tragischen und schrecklichen Vorfall“ vor dem Hauptquartier in New York. Die Polizei ermittelt weiter zum genauen Motiv der Tat.



