Schiedsrichterin Tori Penso wird bei der Fußball-Weltmeisterschaft der Männer zum Vorbild. Die US-Amerikanerin leitet am Donnerstag das letzte Gruppenspiel der deutschen Nationalmannschaft gegen Ecuador. Sie ist erst die zweite Frau, die bei einer Männer-WM zum Einsatz kommt, und wird bereits jetzt für ihr souveränes Auftreten gefeiert.
Historischer Einsatz bei der WM
Penso ist neben 33 männlichen Unparteiischen eine von zwei Schiedsrichterinnen bei diesem Turnier. Die Mexikanerin Katia Garcia wurde ebenfalls von der Fifa nominiert, kommt aber erst am Donnerstag beim Spiel Tunesien gegen die Niederlande zum Einsatz. Pensos bisher einzige Partie bei dieser WM war das Spiel Tschechien gegen Südafrika, bei dem sie mit ihren Entscheidungen und ihrem Auftreten besondere Aufmerksamkeit erregte.
In den sozialen Medien hat Penso bereits tausende Fans. Videos von ihr und ihren Assistentinnen Brooke Mayo und Kathryn Nesbitt kursieren viral. Eines trägt den Titel: „Es gibt nichts Aufregenderes, als zuzusehen, wie eine Schiedsrichterin diese ,Männer-Babys‘ zurechtweist.“ Ein anderes feiert die „Diva-Energie“ des Frauen-Trios.
Lob von Experten
Schiedsrichter-Experte Patrick Ittrich bezeichnete Pensos Leistung beim Spiel Tschechien gegen Südafrika als „mit Abstand beste Schiedsrichterleistung bis jetzt bei dieser WM“. Er lobte ihren Umgang mit den Spielern und ihre Kommunikation. „Es ist mir völlig wumpe, ob da eine Frau pfeift oder ein Mann pfeift. Es muss irgendwann auch mal gut sein, da wird ein Hype gemacht“, betonte Ittrich jedoch.
Penso gelingt es, klare Ansprachen zu tätigen und Entscheidungen konsequent durchzusetzen, dabei wirkt sie empathisch und mit Fingerspitzengefühl. Das wirkt sich positiv auf die Stimmung auf dem Platz aus.
Hürden für Frauen im Schiedsrichterwesen
Vor Penso war nur die Französin Stéphanie Frappart bei der WM in Katar im Einsatz – beim Spiel Deutschland gegen Costa Rica. Fast 100 Jahre dauerte es, bis einer Frau diese Rolle bei einer Männer-WM zugetraut wurde. Penso selbst thematisiert die Hürden für Frauen im Profifußball. Auf Instagram postete sie vor dem Turnier ein Foto mit ihren drei Töchtern und schrieb: „Es ist an der Zeit, ihnen und der ganzen Welt zu zeigen, was möglich ist, wenn man große Träume hat.“
Sie betonte: „Ich hoffe, dass unsere Präsenz andere Frauen und Mädchen weltweit inspiriert.“ In Deutschland waren laut „Sportschau“ im vergangenen Jahr nur 4,5 Prozent der über 60.000 aktiven Unparteiischen Frauen – etwa 3000 Schiedsrichterinnen. Viele berichten von Schwierigkeiten, Vollzeitjob, Familie und Schiedsrichterkarriere zu vereinbaren.
Penso als Vorbild und Wegbereiterin
Bibiana Steinhaus-Webb, die 2017 als erste Frau ein Spiel in der Männer-Bundesliga leitete, leitet seit zwei Jahren die Frauenabteilung der Fifa-Schiedsrichter-Subdivision. Sie half, Schulungen und Mentoring-Programme zu initiieren. Dennoch müssen sich Frauen oft stärker beweisen. Frappart sagte einmal: „Als Frau muss man manchmal schneller und konsequenter seine Legitimität beweisen, vor allem in Bereichen, die traditionell von Männern dominiert werden.“
Penso, die seit fünf Jahren auf der Fifa-Liste steht und 2023 das WM-Finale der Frauen zwischen Spanien und England leitete, will ihre schnelle und konsequente Entscheidungsfindung beim Deutschlandspiel erneut unter Beweis stellen. Ihre drei Töchter werden auf der Tribüne sitzen und ihr die Daumen drücken.



