US-Präsident Donald Trump hat am Montag im Weißen Haus erneut deutliche Kritik an mehreren europäischen Verbündeten geübt. Konkret nannte er Deutschland, Großbritannien und Italien und warf ihnen vor, die USA im Kampf gegen den Iran im Stich gelassen zu haben. „Wir haben sie gebeten zu kommen, und sie waren nicht für uns da“, sagte Trump. Die USA hätten über Jahre enorme Summen für den Schutz Europas ausgegeben, doch als Washington selbst Hilfe benötigt habe, seien wichtige Partner nicht zur Stelle gewesen. „Wir haben all dieses Geld ausgegeben. Und wenn wir dann bei Kleinigkeiten um Hilfe bitten, dann sagen sie: Nein, wir helfen lieber nicht.“
Trump droht mit Vergeltung – Italienische Regierungschefin weist Vorwürfe zurück
Besonders hart ging Trump mit Italiens Regierungschefin Giorgia Meloni ins Gericht. Italien habe den USA während der Angriffe auf den Iran die Nutzung von Landebahnen und Flugplätzen verweigert. Nach der Einigung mit dem Iran wolle Meloni nun wieder freundschaftliche Beziehungen pflegen und habe „immer wieder darum gebeten, mit mir fotografiert zu werden“. Meloni reagierte prompt und kühl auf der Plattform X: „Io e l'Italia non imploriamo mai“ – „Ich und Italien betteln niemals.“ Trump drohte: „Wir können ihnen das ebenfalls entgegnen, wenn wir wollen – und das tun wir womöglich auch.“
Experte sieht innenpolitischen Druck als Ursache für Trumps Attacken
Der US-Politologe Prof. Jules Boykoff von der Pacific University sieht Trumps Vorwürfe im Kontext innenpolitischer Schwierigkeiten. „Da sich sein Krieg gegen den Iran zu lange hingezogen hat, die US-Benzinpreise immer noch irre hoch sind und seine Umfragewerte abstürzen, braucht Trump vor den bevorstehenden Zwischenwahlen im November einen politischen Erfolg“, sagte Boykoff. Der Streit mit Europa diene dabei als willkommene Ablenkung. Trump stellte am Montag zudem die amerikanischen Sicherheitszusagen für Europa infrage. Die USA gäben Hunderte Millionen Dollar aus, um europäische Staaten vor Russland zu schützen. Wenn Verbündete den USA bei vergleichsweise kleinen Angelegenheiten nicht helfen wollten, könne Washington künftig ebenfalls Nein sagen.
Nato-Generalsekretär Rutte reist nach Washington – Treffen mit Trump geplant
Inmitten dieser Spannungen wird Nato-Generalsekretär Mark Rutte von Dienstag bis Donnerstag in Washington erwartet. Geplant ist unter anderem ein Treffen mit Trump im Weißen Haus. Auch Gespräche mit anderen ranghohen US-Regierungsvertretern sind vorgesehen. Die Freundschaft zwischen Europa und Trump-Amerika steht weiterhin unter massivem Druck. Die Vorwürfe Trumps gegen Deutschland, Großbritannien und Italien zeigen, wie tief das Misstrauen auf beiden Seiten sitzt.



