US-Präsident Donald Trump hat die erst kürzlich vereinbarte Feuerpause mit dem Iran für hinfällig erklärt und erneut scharf gegen die iranische Führung gewettert. „Mit denen stimmt was nicht!“, polterte Trump am Dienstag vor Journalisten. Die Absichtserklärung zur Beendigung des Konflikts, die noch vor wenigen Tagen als diplomatischer Durchbruch gefeiert wurde, sei damit gegenstandslos.
Hintergrund der Eskalation
Die Feuerpause war nach wochenlangen indirekten Verhandlungen unter Vermittlung Kataris und Omans zustande gekommen. Beide Seiten hatten sich auf eine schrittweise Deeskalation geeinigt, die unter anderem ein Ende der iranischen Drohnenangriffe auf US-Stellungen im Irak und eine Lockerung der US-Sanktionen vorsah. Doch bereits nach 48 Stunden zeichnete sich ab, dass die Vereinbarung brüchig war. Nach Angaben des US-Außenministeriums habe der Iran „mehrfach gegen den Geist der Vereinbarung verstoßen“.
Trump selbst nannte keine konkreten Vorfälle, verwies aber auf „Geheimdienstinformationen“, die belegten, dass Teheran weiterhin an seinem Atomprogramm arbeite. „Sie haben uns belogen“, so Trump wörtlich. „Das ist ein Regime, das nicht zu Verhandlungen fähig ist.“
Reaktionen aus Teheran und Washington
Die iranische Regierung wies die Vorwürfe umgehend zurück. Außenminister Abbas Araghchi erklärte, Trump breche „ein weiteres Mal sein Wort“ und zeige, dass die USA kein verlässlicher Verhandlungspartner seien. „Die Welt sieht nun, wer wirklich für die Spannungen verantwortlich ist“, so Araghchi in einer Stellungnahme.
In Washington sorgt Trumps Kehrtwende für Verwirrung. Während republikanische Hardliner die Entscheidung begrüßten, zeigten sich moderate Stimmen besorgt. Senator Lindsey Graham, ein enger Verbündeter Trumps, warnte: „Ein erneuter Konflikt mit dem Iran könnte die gesamte Region destabilisieren.“ Die Demokraten kritisierten den Präsidenten scharf. „Trump hat keine Strategie, nur impulsive Entscheidungen“, sagte der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses, Bob Menendez.
Auswirkungen auf den Nahen Osten
Die erneute Eskalation hat unmittelbare Folgen für die Region. Im Irak und in Syrien wurden die Sicherheitsvorkehrungen für US-Truppen erhöht. Die libanesische Hisbollah, ein Verbündeter des Iran, drohte mit Vergeltung. „Wir werden uns nicht einschüchtern lassen“, hieß es in einer Erklärung der Miliz.
Ölpreise reagierten umgehend: Der Preis für ein Barrel Rohöl stieg um mehr als drei Prozent auf 89 US-Dollar. Analysten befürchten einen erneuten Anstieg der Energiepreise, falls der Konflikt weiter eskaliert. Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas rief beide Seiten zur Zurückhaltung auf. „Diplomatie ist der einzige Weg“, betonte sie.
Historische Parallelen
Es ist nicht das erste Mal, dass Trump eine Vereinbarung mit dem Iran aufkündigt. Bereits 2018 war er aus dem internationalen Atomabkommen ausgestiegen, was zu einer Verschärfung der Sanktionen und einer Intensivierung des iranischen Atomprogramms führte. Die nun gescheiterte Feuerpause war der erste ernsthafte Versuch einer Annäherung seit Jahren.
Experten sehen die Entwicklung mit Sorge. „Die USA verlieren zunehmend an Glaubwürdigkeit als Vermittler“, so der Nahost-Experte Thomas Pierret vom Institut für politische Studien in Paris. „Jede künftige Verhandlung wird unter dem Vorbehalt stehen, dass Washington seine Zusagen nicht einhält.“



