Trump-Name am Kennedy Center demontiert: Richter-Entscheid umgesetzt
Washington. Die Enttrumpifizierung der US-Hauptstadt hat einen weiteren Meilenstein erreicht. Nachdem ein letzter juristischer Versuch für eine Verschiebung gescheitert war, mussten die neuen Verantwortlichen des John F. Kennedy Centers dem Urteil von Richter Christopher Cooper folgen und den nachträglich angebrachten Namen von Donald Trump an der Fassade abmontieren lassen. Trotz stürmisch-regnerischer Witterung verfolgten am Freitagabend mehrere hundert Schaulustige die Arbeiter, die auf einem eigens installierten Gerüst mit Schutzhelmen und Signalwesten die Buchstaben entfernten. Der Einsatz dauerte bis weit nach Mitternacht.
Symbolträchtiger Akt
Damit trägt Amerikas größter Kulturpalast, vorbehaltlich einer parlamentarischen Initiative, für die derzeit keine Mehrheit in Sicht ist, wieder allein den Namen des legendären demokratischen Präsidenten der 1960er Jahre. Ein ehemaliger US-Botschafter bezeichnete Trump im Gespräch mit dieser Zeitung als „Kulturbanausen“. Die ideelle und materielle „Hausbesetzung“, die Trump kurz nach seinem Amtsantritt im Zentrum der Schönen Künste am Potomac River gestartet hatte, nähert sich damit ihrem Ende. Insidern zufolge haben Trump und seine Helfer, darunter der frühere US-Botschafter in Berlin, Richard Grenell, „künstlerische Verwüstungen angerichtet, die so schnell nicht beseitigt werden können“.
Juristischer Hintergrund
Bundesrichter Cooper hatte entschieden, dass nur der Kongress den Namen des Kennedy Centers ändern oder ergänzen kann. Das Kuratorium, das nach der Wahl 2024 mit Trump-Leuten besetzt worden war, durfte aus dem „John F. Kennedy Center for the Performing Arts“ nicht nachträglich ein Trump-Kennedy-Center machen. Für Trump, der stets auf die Optik bedacht ist, ist dies eine empfindliche Niederlage. Seine Präsidentschaft lebt von Überwältigung: Er benennt um, besetzt, droht, vergoldet und überklebt – alles im Schnelldurchgang. Das Kennedy Center schien dafür ideal, um sich als Kulturherrscher zu inszenieren, obwohl ihn Kultur nur interessiert, wenn sie ihm applaudiert.
Bedeutung der Säuberung
Dass ausgerechnet Kennedy wieder allein übrig bleibt, hat eine beißende Pointe. John F. Kennedy steht für Stil, Sprache, Jugend, Eleganz und ein Amerika der Künstler, Dichter, Musiker und Intellektuellen. Trump hingegen repräsentiert die Dschungelcamp-Gegenwelt: Lautstärke, Ressentiment, Reality-TV und Rache. Kennedy lud Pablo Casals ins Weiße Haus ein, Trump findet den Proll-Barden Kid Rock toll. Kennedy sprach von Dienst an der Republik, Trump ließ seinen Namen an eine Fassade klatschen, die ihm nicht gehörte.
Natürlich ist mit dem Verschwinden seines Namens nicht alles repariert. Die Trumpisierung des Hauses ging tiefer: Künstler sagten Auftritte ab, die Washingtoner Oper suchte das Weite und verlangt 17 Millionen Dollar Schadensersatz, Führungskräfte gingen, Programme wurden politisiert. Das Vertrauen der Kulturszene ist schwer beschädigt. Ein Passant, der im Regen zum Kennedy Center gekommen war, um den „historischen Augenblick zu erleben“, meinte: „Mit einem Akkuschrauber und entfernten Buchstaben bekommt man das nicht wieder heil.“
Der Augenblick ist mehr als Kosmetik. Er zeigt, dass die Republik noch wirksam Widerspruch produzieren kann. Ein Richter sagt Nein, ein Gericht hält die Frist, eine Fassade wird zurückgebaut. Ein Präsident, der sich gern als unaufhaltsam darstellt, muss hinnehmen, dass sein Name verschwindet. Für Trump ist das die schlimmste Form der Niederlage: nicht der laute Skandal, sondern die amtliche Korrektur. Kein Drama, kein Pomp, kein goldener Vorhang – nur Arbeiter auf einem Gerüst. Kurz vor seinem 80. Geburtstag sollte Washington Trump eigentlich feiern, stattdessen liefert die Hauptstadt ein anderes Bild: Sie schraubt ihn ab.
Trump hat sich bereits revanchiert. Er kündigte beleidigt an, die Verantwortung für Betrieb und Erhalt des Hauses umgehend an den Kongress abzutreten. Eine geplante zweijährige Schließung und Renovierung, die Anfang Juli beginnen sollte, wurde richterlich gestoppt.



