Beim abendlichen Dinner im Palast des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan schien zunächst alles normal: Donald Trump, Mark Rutte und Friedrich Merz plauderten über Politik und Privates, wie das Bundespresseamt später mitteilte. Serviert wurden geschmortes Gemüse an Joghurt, Dumplings, Wolfsbarsch und Eiscreme an Bergamotte. Doch bereits vor dem Essen hatte Trump einmal mehr die Übernahme Grönlands durch die USA gefordert – und damit Dänemarks Regierungschefin Mette Frederiksen vor den Kopf gestoßen, die ebenfalls bei Erdoğan zu Gast war.
Trump in Streitlaune gelandet
Der US-Präsident war offenbar bereits in Streitlaune in Ankara gelandet. Nato-Generalsekretär Mark Rutte, Kanzler Merz und alle anderen konnten noch so sehr um des lieben Friedens willen gute Miene zum bösen Spiel machen. Dann kamen die massiven US-Bombardements im Iran in der Nacht vor der offiziellen Gipfel-Eröffnung am Dienstag, mit denen Trump seine Nato-Partner überraschte – auch wenn die Verbündeten die Angriffe sogleich als „folgerichtig“ bezeichneten.
Trump warf dem Iran vor, durch Angriffe auf Handelsschiffe in der Straße von Hormus gegen die bestehende Waffenruhe verstoßen zu haben. Er legte eine Tirade gegen Iran hin, die die Hoffnung auf Frieden in weite Ferne rücken ließ. „Wir müssen diesen Krebs beseitigen, ihren Krebs“, sagte er. „Und wissen Sie, was man tut? Man muss Krebs früh herausschneiden.“ Rutte nickte tapfer, wohlwissend, dass der Mann neben ihm dem Gipfel ein neues Hauptthema gab. Von Merz gab es für Rutte danach auf der Bühne einen aufmunternden Klopfer auf den Arm.
Merz bekommt Kritik von Trump ab
Auch Kanzler Merz erhielt erneut verbale Kritik von Trump. Zwar wiederholte der US-Präsident nicht seinen Vorwurf, dass Deutschlands Investment in die Verteidigung „lächerlich“ sei, aber er sagte, er sei „sehr verärgert über die Nato“, da diese den USA im Irankrieg nicht geholfen hätten. Hier nannte er ausdrücklich auch Deutschland. Die Merz-Taktik, Trump zu besänftigen, scheint vorerst gescheitert. Auch das Deutschland-Trikot, das Merz Trump beim G7-Gipfel schenkte, konnte die angeknackste Beziehung nicht reparieren.
Deutlich mehr bekam Spanien von Trump ab. Das Land will dem Nato-Ziel, bis 2035 fünf Prozent für Verteidigung auszugeben, nicht folgen. Trump wies deshalb Finanzminister Scott Bessent an, jeglichen Handel mit Spanien einzustellen, erklärte, Spanien sei ein „schrecklicher Partner“ in der Militärallianz, „hoffnungslos“, „schlechte Menschen“. „Ich will keine Geschäfte mit ihnen machen“, erklärte Trump an der Seite Ruttes. Beim anschließenden Familienfoto schaute Trump nur noch grimmig drein – und ging ab von der Bühne. Spaniens Ministerpräsident Pedro Sánchez lächelte extrem gequält.



