Ein in der jüngeren WM-Geschichte beispielloser Vorgang sorgt für Aufsehen: US-Präsident Donald Trump soll persönlich bei Fifa-Chef Gianni Infantino interveniert haben, um die Rot-Sperre von US-Stürmer Folarin Balogun für das Achtelfinale gegen Belgien aufheben zu lassen. Das berichteten am Sonntag übereinstimmend „The Athletic“ und die Nachrichtenagentur AP unter Berufung auf mehrere mit dem Vorgang vertraute Personen. Weder die Fifa noch das Weiße Haus haben die Informationen bislang kommentiert.
Entscheidung kurz vor dem Spiel
Wenige Stunden vor der Partie am Dienstag (2.00 Uhr MESZ/ARD und MagentaTV) im Lumen Field in Seattle hatte der Weltverband mitgeteilt, dass Balogun trotz seiner Roten Karte im Sechzehntelfinale gegen Bosnien-Herzegowina spielberechtigt sei. Der designierte Bundestrainer Jürgen Klopp zeigte sich bei MagentaTV fassungslos: „Wenn das wirklich Trump und Infantino ausgemacht haben, das ist verrückt.“
Trump feiert Entscheidung auf Truth Social
Trump selbst zögerte nicht und meldete sich umgehend auf seiner Plattform Truth Social. „Vielen Dank an die Fifa, dass ihr das gemacht habt, was richtig ist und eine große Ungerechtigkeit wiedergutgemacht habt“, schrieb er und fügte hinzu: „Präsident DONALD J. TRUMP.“ Der 80-Jährige war bislang bei keinem WM-Spiel vor Ort, wird aber spätestens zum Endspiel am 19. Juli in East Rutherford bei New York im Stadion erwartet.
Empörung bei Gegner Belgien
Nicht nur die belgische Mannschaft zeigte sich entsetzt über den Vorgang. „Das ist ein fatales Signal für den Sport, wenn politischer Druck solche Entscheidungen beeinflusst“, sagte ein Sprecher des belgischen Verbands. Der Fall Balogun hat das Potenzial, für Konsequenzen weit über das aktuelle Turnier hinaus zu sorgen. Kritiker sehen die Unabhängigkeit der Fifa gefährdet.
Hintergrund: Rote Karte gegen Bosnien
Balogun hatte im Sechzehntelfinale gegen Bosnien-Herzegowina die Rote Karte gesehen, nachdem er einen Gegenspieler mit dem Ellbogen im Gesicht getroffen hatte. Die Sperre hätte ihn eigentlich für das Achtelfinale gesperrt. Die Fifa begründete ihre Entscheidung, die Sperre auszusetzen, mit formalen Gründen – ohne auf die mögliche Einflussnahme Trumps einzugehen.
Der Fall wirft Fragen zur Rolle von Politik im Fußball auf. Während die USA als Gastgeber der WM 2026 auftreten, sehen viele Beobachter die Glaubwürdigkeit des Turniers beschädigt. Die Opposition im US-Kongress forderte bereits eine Untersuchung. Ob die Fifa-Kommunikation mit dem Weißen Haus tatsächlich stattgefunden hat, bleibt abzuwarten.



