US-Präsident Donald Trump hat persönlich bei Fifa-Präsident Gianni Infantino interveniert, um die Rote-Sperre von US-Nationalspieler Folarin Balogun aufheben zu lassen. Der 24-Jährige, der nur durch Zufall in den USA geboren wurde, darf nun im Achtelfinale gegen Belgien am Dienstag (2 Uhr) auflaufen. Die Entscheidung löst massive Kritik aus: Beobachter sehen eine klare politische Einflussnahme und Wettbewerbsverzerrung zugunsten des Gastgeberlandes.
Politische Einmischung erschüttert WM-Integrität
Vertreter aus Fußball und Politik, darunter Jürgen Klopp, DFB-Präsident Bernd Neuendorf und die Uefa, äußerten deutliche Zweifel an der Integrität des Turniers. Selbst Ex-Fifa-Chef Sepp Blatter warnte vor politischer Einmischung. Der Vorfall beschädigt das Vertrauen in die Fifa erheblich und rückt das Turnier insgesamt in ein fragwürdiges Licht. Historische Beispiele zeigen zwar, dass die Politik schon früher Einfluss nahm, doch der aktuelle Fall gilt als besonders gravierend, weil er nicht klandestin im Verborgenen stattfand.
Infantinos Nähe zu Trump könnte sich rächen
Fifa-Boss Infantino dient sich schon lange Trump an. Erst im Dezember erfand er eigens für ihn einen Fantasie-Friedenspreis. Nun könnte sich seine Nähe zu Trump rächen: Im kommenden Jahr will Infantino als Fifa-Präsident wiedergewählt werden. Vielleicht ist er mit dem neuerlichen Gefallen an Trump den einen Schritt zu weit gegangen. „Aber sollte er scheitern, kann Trump ja immer noch intervenieren. Wundern würde es niemanden“, kommentiert SPIEGEL-Kollege Peter Ahrens.
Die Fußball-Weltmeisterschaft der Herren in den USA dominierte bislang der sportliche Wettkampf. Anfangs wurde befürchtet, das Turnier könnte politisch gekapert werden, zumindest aber instrumentalisiert. Das blieb aus – bis heute. Der Fall Balogun steht exemplarisch für den ersten politischen Skandal bei der WM 2026.
Nato-Gipfel: Trump verhöhnt Meloni
Morgen beginnt in Ankara der zweitägige Nato-Gipfel. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hofft auf ein Zeichen der Stärke. Er will „den Geist von Ankara“ beschwören. Von dem Treffen solle das Signal ausgehen: „Wir bauen eine europäischere Nato, damit diese Nato transatlantisch bleiben kann“. Gut möglich, dass dieser „Geist“ aber wieder einmal Donald Trump ist. Der US-Präsident kritisiert die Militärausgaben großer europäischer Verbündeter wie Deutschland, Großbritannien und Frankreich permanent und nennt sie „lächerlich“. Dabei waren die Zahlen, auf die Trump sich in seiner Nachricht auf Truth Social vergangene Woche berief, veraltet. Merz musste ihm das in einem Telefonat am vergangenen Freitag erklären.
Über Truth Social verschärft Trump den Streit mit Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni einen Tag vor ihrem Zusammentreffen weiter. Er veröffentlichte ein Meme, das Meloni als ihn anhimmelnd darstellt, mit dem Kommentar „Restraining order needed“. Der Konflikt zwischen den beiden Populisten schwelt seit Monaten.
Bei all den Nickeligkeiten scheinen die Fortschritte in den Hintergrund zu geraten. Beim letzten Nato-Gipfel in Den Haag vereinbarten die Mitgliedstaaten, künftig mindestens 3,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts in Verteidigung zu investieren. Hinzukommen sollen 1,5 Prozent für verteidigungsrelevante Ausgaben. Deutschland will das Fünf-Prozent-Ziel schon 2029 erreichen, obwohl die zeitliche Zielmarke der Nato 2035 ist.
Haushaltsentwurf: Rekordschulden und Kritik von allen Seiten
Das Kabinett hat den Haushaltsentwurf von Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) für 2027 mit Ausgaben von rund 555 Milliarden Euro verabschiedet. Wenn er auch so durchs Parlament geht, wird er knapp sechs Prozent höher ausfallen als im Vorjahr. Die Nettokreditaufnahme steigt auf 119 Milliarden Euro und soll bis 2030 auf jährlich 167 Milliarden anwachsen. Belastet wird der Haushalt durch schwache Konjunktur und steigende Arbeitslosigkeit; die Bundesagentur für Arbeit benötigt 5,2 Milliarden Euro Zuschuss. Die Verteidigungsausgaben steigen stark auf etwa 110 Milliarden Euro, langfristig sogar auf bis zu 184 Milliarden Euro. Für die Ukraine sind 11,6 Milliarden Euro eingeplant.
„Man kann sich gegenüber Putin nicht mit der schwarzen Null verteidigen“, verteidigte der SPD-Chef am Sonntagabend im ARD-„Sommerinterview“ seinen Entwurf. Deutlich gekürzt wird hingegen der Etat des Gesundheitsministeriums. Das 500-Milliarden-Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaschutz schafft etwas Spielraum. Kritiker bemängeln, dass am Ende dennoch nur die regulären Haushaltsregeln umgangen werden. Die ganz große Koalition der Kritiker reicht von Wirtschaftsverbänden über Gewerkschaften, Umweltschützern bis hin zur Opposition aus Grünen und AfD. Die einen sprechen von einer gefährlichen Schuldenpolitik, andere von einer massiven sozialen Schieflage, auch „Taschenspielertricks“ zählen zu den Vorwürfen.



