Ukrainischer Präsidialamtschef verzichtet auf polnische Ehrung
Im anhaltenden Geschichtsstreit zwischen Polen und der Ukraine hat Kyrylo Budanow, der Leiter des ukrainischen Präsidialamtes, angekündigt, eine ihm verliehene staatliche Auszeichnung Polens zurückzugeben. Er verzichte auf das Goldene Offizierskreuz des Verdienstordens der Republik Polen, das ihm im vergangenen Jahr verliehen worden sei, schrieb er auf Telegram.
Hintergrund ist die Entscheidung des polnischen Präsidenten Karol Nawrocki, seinem ukrainischen Amtskollegen Wolodymyr Selenskyj den „Orden des Weißen Adlers“ aberkennen zu lassen. Dieser Schritt erfolgte im Rahmen eines Streits über die historische Bewertung der Ukrainischen Aufstandsarmee (UPA).
Budanow bezeichnete Nawrockis Vorgehen in seinem Post als eine unfreundliche Geste gegenüber dem ukrainischen Volk und als ein Geschenk an den Aggressor Russland. Auch der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha hatte bereits die Rückgabe einer polnischen Auszeichnung angekündigt.
Mahnung zur Mäßigung
Der polnische Ministerpräsident Donald Tusk rief beide Seiten zur Besonnenheit auf. „Der Konflikt zwischen Polen und der Ukraine freut (Kremlchef Wladimir) Putin und schockiert unsere Verbündeten“, schrieb er auf der Plattform X. Der Streit eskaliert nur knapp eine Woche vor einer geplanten Wiederaufbaukonferenz für die Ukraine in der polnischen Stadt Danzig.
Selenskyj hatte die höchste Auszeichnung Polens im Jahr 2023 von Nawrockis Vorgänger Andrzej Duda verliehen bekommen. Die Ehrung sollte die Freundschaft zwischen Polen und der Ukraine angesichts der russischen Aggression gegen Kiew unterstreichen.
Auslöser des Streits
Der Konflikt begann Ende Mai, als Selenskyj einer Armee-Einheit den Beinamen „Helden der UPA“ verlieh. Kiew ehrt das Andenken an die Untergrundkämpfer der Ukrainischen Aufstandsarmee, da sie nach dem Zweiten Weltkrieg Widerstand gegen die Sowjetherrschaft leisteten. Während des Krieges hatten die Bewaffneten jedoch Massaker an Zehntausenden Polen und Juden in der heutigen Westukraine verübt.
Die Ereignisse belasten die Beziehungen zwischen den beiden Nachbarländern, die angesichts des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine eigentlich eng zusammenarbeiten.



