Die ukrainischen Angriffe auf die russische Energieinfrastruktur haben zu einem flächendeckenden Treibstoffmangel in Russland geführt. Wie die unabhängige Rechercheplattform „Agentstwo“ berichtet, haben zahlreiche Tankstellenketten im Land Beschränkungen beim Verkauf von Benzin und Diesel eingeführt. Demnach ist an rund jeder vierten Tankstelle in Russland die Abgabe von Kraftstoff limitiert.
Rationierung an tausenden Tankstellen
Nach Angaben der Plattform haben Tankstellennetze mit insgesamt mindestens 7000 Stationen in mehr als 70 Regionen Russlands entsprechende Limits verhängt. Insgesamt gibt es in Russland laut der Zeitung „Kommersant“ etwa 29.000 Tankstellen (Stand 2024). Am Dienstag führte der Betreiber Tatneft an seinen Stationen landesweit Obergrenzen ein. Privatkunden dürfen demnach pro Tankvorgang maximal 30 Liter Benzin und 60 Liter Diesel erhalten. Für Unternehmen gilt ein Limit von bis zu 300 Litern. Tatneft betreibt eigenen Angaben zufolge mehr als 850 Tankstellen in Russland.
Weitere Einschränkungen bei Rosneft und Lukoil
Zugleich wurden weitere Beschränkungen bekannt. An den Tankstellen des Staatskonzerns Rosneft (2200 Tankstellen), Baschneft (fast 500) und TNK ist der Verkauf von Benzin in Kanistern untersagt. Lukoil mit seinen mehr als 2800 Tankstellen begrenzt die Abgabe auf 100 Liter pro Tankfüllung. Weitere Beschränkungen meldete das Projekt unter anderem für Neftmagistral, Teboil sowie die Tankstellenkette OTRK im Raum Moskau.
Besonders schwierige Lage in besetzten Gebieten
Besonders angespannt ist die Situation auf der annektierten Krim sowie in den von Russland besetzten ukrainischen Gebieten Donezk, Luhansk, Saporischschja und Cherson. In Donezk wird Kraftstoff teils nur wenige Stunden am Tag verkauft. In Luhansk und Saporischschja gelten behördliche Limits von höchstens 20 Litern pro Kassenbon; zudem ist dort der Verkauf in Kanistern verboten.
Hintergrund: Ukrainische Angriffe auf Ölindustrie
Hintergrund der Beschränkungen ist der anhaltende Benzinmangel in Russland infolge ukrainischer Angriffe. Nach anfänglichem Dementi musste auch das russische Energieministerium die Probleme einräumen. In jüngster Zeit hätten Unternehmen des Kraftstoff- und Energiesektors mit einer Zunahme feindlicher Angriffe aus der Luft zu kämpfen, „was zu vorübergehenden Schwierigkeiten mit der Kraftstoffversorgung in einer Reihe von südlichen Regionen führt“, hieß es in einer Mitteilung der Behörde auf Telegram. Ein nun im Energieministerium gebildeter Stab mit Unternehmen aus diesem Sektor solle eine stabile und effiziente Versorgung des Landes sicherstellen.



