Die US-Regierung unter Präsident Donald Trump hat eine Vereinbarung mit Saudi-Arabien über den Aufbau eines zivilen Atomprogramms unterzeichnet. Der Vertrag soll eine Laufzeit von 30 Jahren haben und US-Unternehmen eine Schlüsselrolle beim Bau der Atominfrastruktur im Königreich sichern. Experten warnen jedoch vor einem atomaren Wettrüsten in der ohnehin instabilen Region, insbesondere angesichts des laufenden Iran-Kriegs.
Milliarden-Deal mit unklaren Details
Den genauen Inhalt des Abkommens machte die US-Regierung zunächst nicht publik. Nach Informationen des „Wall Street Journal“ könnte es jedoch den Weg für Urananreicherung in Saudi-Arabien ebnen. Eine zentrale Regelung sieht demnach vor, dass US-Unternehmen eine Urananreicherungsanlage bauen dürfen, sofern eine gemeinsame amerikanisch-saudische Studie dies als gerechtfertigt erachtet. US-Energieminister Chris Wright betonte, die Vereinbarungen würden höchste Sicherheitsstandards gewährleisten und die Verbreitung von Atomwaffen verhindern.
Hintergrund: Saudi-Arabiens nukleare Ambitionen
Saudi-Arabien hat kein bekanntes Atomwaffenprogramm, treibt die Nutzung von Kernkraft unter Kronprinz Mohammed bin Salman jedoch seit Jahren voran. Er hat mehrfach erklärt, dass sein Land nicht nach Atomwaffen strebe, aber „so schnell wie möglich“ folgen werde, falls der Iran diesen Schritt gehen sollte. Der angebliche – und von Teheran dementierte – iranische Atomwaffenwunsch wurde von der US-Regierung und Israel als Hauptgrund für die Angriffe auf die Islamische Republik Ende Februar angeführt.
Kontrolle und Inspektionen unzureichend
Um eine militärische Nutzung zu verhindern, wäre der Zugang internationaler Inspektoren zu den Standorten entscheidend. Saudi-Arabien hat den Atomwaffensperrvertrag (NPT) unterzeichnet und eine umfassende Vereinbarung mit der IAEA, jedoch kein Zusatzprotokoll, das der Behörde die Suche nach geheimen Aktivitäten erlauben würde. Laut „New York Times“ habe Trump Bedingungen zugestimmt, die Inspektoren den Zugang zu bestimmten Standorten verwehren könnten.
Wirtschaftliche Interessen und geopolitische Rivalitäten
Die USA wollen von dem Deal wirtschaftlich profitieren, indem sie Nukleartechnik exportieren und Arbeitsplätze schaffen. Zugleich soll der Einfluss von China und Russland zurückgedrängt werden, die ebenfalls mit Saudi-Arabien über Atomkraft verhandeln. Der Deal wird nun dem US-Kongress vorgelegt, wo Widerstand erwartet wird. Viele Abgeordnete lehnen die Verbreitung von Atomtechnik in einer instabilen Region ab, besonders während des Krieges mit dem Iran.
Experten warnen vor Dominoeffekt
Nahost-Expertin Rosemary Kelanic bezeichnete die Vereinbarung als „schreckliche Idee“, die „mitten in einem Krieg über Irans Atomprogramm besonders schwachsinnig“ sei. Henry Sokolski, Direktor des Nonproliferation Policy Education Center, sagte dem „Wall Street Journal“: „Die Vorstellung, dass dies ein Happy End haben wird, ist wahnhaft.“ Experten fürchten, dass auch andere Staaten wie die VAE, die Türkei oder Ägypten nuklear aufrüsten könnten.
Verbindung zu Israel und Pakistan
Israel hofft seit Jahren auf normalisierte Beziehungen zu Saudi-Arabien. Unter Trumps Vorgänger Biden gab es Gespräche über einen Deal, der jedoch nach dem Gaza-Krieg 2023 ausgesetzt wurde. Trump habe die nukleare Zusammenarbeit nun von der Forderung nach Anerkennung Israels getrennt, so die „New York Times“. Saudi-Arabien hat zudem die Sicherheitsbeziehungen zur Atommacht Pakistan verstärkt und ein Abkommen unterzeichnet, das Zugang zum pakistanischen Programm gewähren soll.



