Washington. US-Präsident Donald Trump war am Mittwoch bei einer Pressekonferenz zum Abschluss des G7-Treffens im französischen Évian zu Scherzen aufgelegt. „Wenn es klappt, werde ich den Ruhm einheimsen“, sagte er. „Wenn es nicht klappt, gebe ich JD die Schuld. Du solltest besser aufpassen, JD.“
Trump bezog sich mit seinen Äußerungen auf die Verhandlungen mit dem Iran, bei denen US-Vizepräsident JD Vance die Führung übernommen hat. Die Worte mögen zwar im Scherz gemeint gewesen sein, dürften aber einen wahren Kern haben.
Vage Absichtserklärung
Zwar wurde bereits eine Absichtserklärung von Trump und dem iranischen Präsidenten Masoud Pezeshkian unterschrieben. Die ist jedoch in entscheidenden Punkten sehr vage: der Zukunft des iranischen Atomprogramms und der Frage, ob die Straße von Hormus dauerhaft gebührenfrei von Handelsschiffen befahren werden kann. Darüber soll nun innerhalb einer 60-Tages-Frist verhandelt werden, die am Donnerstag startete. Während dieser Zeit soll eine Waffenruhe eingehalten werden und die Straße von Hormus, eine wichtige Handelsroute, ohne Gebühren für Schiffe frei passierbar sein.
Vances Buchvorstellung überschattet
Eigentlich hatte Vance etwas ganz anderes mit seiner knappen Zeit vor. Diese Woche startete die Vorstellungsrunde für sein neues Buch mit dem Titel „Communion: Finding My Way Back to Faith“ („Kommunion – Wie ich meinen Weg zurück zum Glauben fand“) – ein Buch darüber, wie er zum Katholizismus konvertierte.
Die Veröffentlichung eines Buches dieser Art wird von amerikanischen Politikern gern dazu genutzt, sich jenseits des aktuellen Nachrichtengeschehens den Wählern zu präsentieren. Vance gilt als heißer Anwärter für die Nachfolge von Trump bei der Präsidentschaftswahl 2028, obwohl er das selbst nie bestätigt hat.
Kritik aus den eigenen Reihen
Doch statt über sein Buch und seine politischen Überzeugungen zu sprechen, musste Vance in Fernsehinterviews den Deal verteidigen, den Trump am Mittwoch im französischen Évian unterschrieben hatte. Selbst unter Republikanern war die Abmachung sofort auf breite Kritik gestoßen.
Ben Shapiro, einst eine der prominentesten Stimmen der „Make America Great“ (MAGA)-Bewegung von Donald Trump, nannte die Absichtserklärung ein „Desaster“. „Meiner Meinung nach hat J.D. Vance, der Hauptverhandler dieses Projektes, dem Präsidenten keinen guten Dienst erwiesen“, sagte er dem Fernsehsender Fox News.
In einer Pressekonferenz am Donnerstag bemühte sich Vance, die Abmachung als Erfolg zu verkaufen und teilte gegen Kritiker aus. Überraschend harte Worte sendete er in Richtung Israel. Er ärgere sich darüber, dass Mitglieder des Regierungskabinetts des israelischen Premierministers Benjamin Netanjahu den Deal und in manchen Fällen auch Trump persönlich öffentlich attackiert hätten.
„Donald J. Trump ist derzeit der einzige Staatschef weltweit, der dem Staat Israel wohlgesonnen ist“, sagte Vance. „Wäre ich Mitglied des Kabinetts der israelischen Regierung, würde ich den einzigen mächtigen Verbündeten, den ich weltweit noch habe, wohl nicht angreifen.“
Verhandlungen in der Schweiz kurzfristig abgesagt
Der Ärger von Vance dürfte sich nicht nur daran entzündet haben, dass die Absichtserklärung in Tel Aviv kritisiert wurde. Israel hatte auch dafür gesorgt, dass die Verhandlungen, die am Freitag in der Schweiz beginnen sollten, kurzfristig verschoben werden mussten.
Eigentlich wollte Vance in der Nacht auf Freitag in das kleine Obbürgen fliegen, wie die Nachrichtenagentur AP berichtet. Mitarbeiter von Vance und mehrere Journalisten hatten sich demnach bereits zur Joint Andrews Base nahe Washington begeben. Die Schweiz hatte alles vorbereitet. Doch der Trip wurde kurzfristig abgesagt.
Grund waren israelische Angriffe auf Ziele im Libanon. Teheran habe an den Gesprächen wegen der israelischen Luftschläge im Libanon zunächst nicht teilnehmen wollen, berichtete das libanesische Nachrichtenportal Al Mayadeen, das der Hisbollah nahesteht, unter Berufung auf nicht näher genannte iranische Regierungsquellen.
Waffenruhe brüchig
Die 60-tägige Waffenruhe, auf die sich die USA und der Iran verständigt hatten, umfasst auch Kampfhandlungen von Alliierten im Libanon. Am Freitag versicherte der israelische Botschafter in den USA, Yechiel Leiter, dann, dass sich Israel an eine sofortige Waffenruhe halten wolle. „Heute Vormittag um 11:30 Uhr hat Israel alle Offensivoperationen eingestellt“, schrieb er auf der Plattform X. Er fügte jedoch hinzu, dass Israel sich noch immer in der Sicherheitszone im Südlibanon befinde, „um das Gebiet von der Hisbollah zu befreien und deren Terrorinfrastruktur zu zerschlagen.“ Israel werde dort bleiben, bis diese Mission erfüllt sei.
Tatsächlich hielt die Waffenruhe nicht. Bei israelischen Luftangriffen auf den Südlibanon seien am Samstag mindestens 16 Menschen getötet worden, meldete die libanesische Nachrichtenagentur NNA.
Trump mischt sich zunehmend in Verhandlungen ein
Es wird keine leichte Aufgabe für Vance werden, die Vereinbarung mit dem Iran auf die Zielgerade zu bringen. Nicht nur, weil die israelische Regierung längst eigene Ziele in der Region verfolgt, statt sich mit den USA abzustimmen.
Auch Präsident Trump selbst mischt sich immer wieder in die Verhandlungen ein und macht sich widersprechende Aussagen. So hatte er am Mittwoch zunächst gesagt, dass die 60-Tage-Deadline verlängerbar sei. Am Freitag behauptete er das Gegenteil. Sollte der Iran nach Ablauf der 60-tägigen Verhandlungsfrist mit den USA keinem neuen Abkommen zustimmen, „werden wir Maßnahmen ergreifen, die ihnen nicht gefallen werden“, sagte er, „aber ich glaube nicht, dass es so weit kommen wird.“
Vances politische Zukunft auf dem Spiel
Für Vance geht es um viel. Scheitern die Verhandlungen, könnte ihm das bei einer möglichen Bewerbung als Präsidentschaftskandidat der Republikaner massiv schaden. Sein potenzieller Konkurrent um das Amt ist US-Außenminister Marco Rubio. Der hielt sich in den vergangenen Tagen beim Iran-Dossier auffallend zurück.
Im Gegensatz zu Vance hat er bereits einen großen außenpolitischen Erfolg vorzuweisen. Rubio war maßgeblich an der Planung zur Entführung des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro Anfang des Jahres beteiligt. Die Aktion wurde von vielen in den USA als großer Coup gefeiert.



