USA und Iran: Eskalationsspirale nach neuen Angriffen droht
USA und Iran: Eskalationsspirale nach neuen Angriffen

Nach dem Tod zweier US-Soldaten infolge iranischen Beschusses haben die USA in der Nacht neue Luftangriffe im Iran gestartet. Das US-Regionalkommando Centcom erklärte auf X, die Angriffe zielten darauf ab, die iranischen Revolutionsgarden „schnell zu bestrafen“, die in der vorherigen Nacht Angriffe auf amerikanische Soldaten in Jordanien verübt hätten. Die Zahl der im Krieg gegen den Iran gefallenen US-Soldaten steigt damit offiziell auf 16, ein weiterer Soldat wird vermisst.

Iran droht mit Rache – Chamenei warnt USA

Irans oberster Führer Ajatollah Modschtaba Chamenei drohte seinerseits mit Vergeltung. In einer Erklärung hieß es: „Da der amerikanische Feind nun auf Kriegstreiberei, die Übernahme noch schwererer Kosten und eine noch größere Schande aus ist, soll er wissen, dass das geliebte iranische Volk und die Widerstandsfront unvergessliche Lektionen für ihn bereithalten.“ Chamenei, der sich bisher nie öffentlich gezeigt hat, ließ dies über einen Sprecher verbreiten.

Es war das erste Mal seit den Anfangstagen des Iran-Krieges, den die USA und Israel am 28. Februar gemeinsam begonnen hatten, dass das US-Militär wieder Tote durch iranischen Beschuss meldete. Die beiden Soldaten seien am Freitag in Jordanien ums Leben gekommen, als sie sich gegen iranische Raketen- und Drohnenangriffe verteidigten, so Centcom.

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Iranische Raketen – hohe Geschwindigkeit und Manövrierfähigkeit

Der Iran habe sich auf die US-Abwehrsysteme eingestellt und feuere Raketen ab, die mit extrem hoher Geschwindigkeit fliegen und während ihres Sturzflugs manövrieren könnten, zitierte das „Wall Street Journal“ US-Beamte. Die Fähigkeit des Irans, empfindliche Ziele zu treffen, schüre Befürchtungen, dass Teheran bei der Zielerfassung Unterstützung aus China oder Russland erhalte.

US-Präsident Donald Trump, der sich im eigenen Land angesichts des unpopulären Krieges mit Unzufriedenheit konfrontiert sieht, dürfte der Tod der Soldaten weiter unter Druck setzen. Der US-Sender NewsNation zitierte ihn mit den Worten: „Das ist eine sehr traurige Sache. Wir sehen das ungern.“ Er bekräftigte, der Iran dürfe keine Atomwaffen haben.

Opferzahlen im Iran – mindestens 50 Tote

Im Iran starben nach Angaben des dortigen Gesundheitsministeriums seit der neuen Eskalation mindestens 50 Menschen, mehr als 500 wurden verletzt. Die Regierung in Teheran berichtet in der Regel nur über zivile Opfer; über Verluste unter den eigenen Streitkräften gibt es keine offiziellen Daten.

Die den iranischen Revolutionsgarden nahestehende Nachrichtenagentur Tasnim berichtete, dass mindestens sechs Raketen in Gebieten am Rande der Insel Gheschm im Persischen Golf eingeschlagen seien. Einzelheiten gab es zunächst nicht.

Straße von Hormus – Rahmenabkommen ausgesetzt

Das US-Militär erklärte, ein weiteres Ziel der Angriffe sei es, die Fähigkeit des Irans zu schwächen, die Handelsschifffahrt in der Straße von Hormus zu bedrohen. Irans Vizeaußenminister Kasem Gharibabadi sagte laut der Nachrichtenagentur Fars, man habe das Mitte Juni mit den USA vereinbarte Rahmenabkommen ausgesetzt und fühle sich nicht mehr daran gebunden. Trump sagte dazu, das sei ihm „völlig egal“.

Vereinbart im Abkommen war, innerhalb von 60 Tagen einen endgültigen Deal zur Beendigung des Krieges auszuhandeln. Auch sollte die Straße von Hormus geöffnet werden. Seit Anfang April galt zudem eine Waffenruhe, die Trump jedoch kürzlich für beendet erklärte. Seit Anfang Juli eskaliert es wieder.

Internationale Reaktionen – Emirate fordern Deeskalation

Die Vereinigten Arabischen Emirate fordern „ein sofortiges Ende der Feindseligkeiten sowie eine rasche Rückkehr an den Verhandlungstisch“. Ohne die USA und den Iran namentlich zu erwähnen, mahnte das Außenministerium auf X einen „sofortigen Stopp der Eskalation“ und äußerste Zurückhaltung an, „um gefährliche Auswirkungen und ein Abgleiten der Region in ein neues Ausmaß an Gewalt und Instabilität zu verhindern“.

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Der israelische Iran-Experte Danny Citrinowicz schrieb auf X, es werde immer deutlicher, „dass die Ereignisse allmählich außer Kontrolle geraten“. Angesichts des praktisch nicht vorhandenen Vertrauens zwischen Washington und Teheran, der zunehmend erschöpften Vermittler und eines Dialogs, der vor allem über Militärschläge geführt werde, „ist das Risiko einer weiteren Eskalation mittlerweile größer als die Aussichten auf eine Deeskalation“.

Experte warnt vor Ausweitung des Konflikts

Die Kombination aus Trumps Vorgehen und der Machtdemonstration Teherans während der Beerdigung des getöteten Staatsoberhauptes Ali Chamenei scheine die Überzeugung bei Schlüsselpersonen der Revolutionsgarden bestärkt zu haben, dass sie nicht nur über ausreichend innenpolitische Rückendeckung verfügen, sondern auch kaum eine andere Wahl haben, als ihre Reaktion auf die US-Angriffe zu verschärfen, schrieb Citrinowicz.

Unter diesen Umständen werde es äußert schwierig, „die Eskalationsspirale unter Kontrolle zu halten“, warnte der Experte und prognostizierte eine Ausweitung des Konflikts, in den die mit Washington verbündeten Golfstaaten noch direkter hineingezogen werden könnten. Sofern sich nicht bald etwas Wesentliches ändere, steuere der Konflikt auf eine „weitaus gefährlichere Phase“ zu, die für beide Seiten immer schwerer einzudämmen sein könnte.