Mahmoud Ahmadinejad, der frühere Präsident Irans, soll sich 2024 in Budapest mit dem damaligen Mossad-Chef David Barnea getroffen haben. Das berichtet die „New York Times“ (NYT) unter Berufung auf umfangreiche Recherchen. Demnach wurde das Treffen durch eine inszenierte Klimakonferenz an der Ludovika-Universität getarnt, zu der Ahmadinejad als Gastredner eingeladen wurde.
Vom Hardliner zum Geheimdiplomaten
Ahmadinejad, der während seiner Amtszeit (2005–2013) den Holocaust leugnete und Israel wiederholt mit Vernichtung drohte, hat sich laut NYT äußerlich und politisch gewandelt. Der 69-Jährige trimmt sich den Bart, trägt dunkle Maßanzüge statt beiger Regenjacken, soll Englisch gelernt und sich sogar Botox spritzen lassen haben. Sein neues Auftreten könnte Teil eines israelisch-amerikanischen Geheimplans für einen Machtwechsel im Iran gewesen sein.
Bereits im Frühjahr hatte das US-Magazin „The Atlantic“ berichtet, dass Israel einen Militärschlag auf Ahmadinejads Residenz in Teheran verübt habe, um ihm zur Flucht zu verhelfen. Der Angriff scheiterte jedoch. Später enthüllte die NYT, dass Ahmadinejad Guatemala und Ungarn besuchte – beides Länder mit engen Beziehungen zu Israel.
Die Inszenierung in Budapest
Ein ungarischer Top-Regierungsbeamter soll vor dem Treffen beim Direktor der Ludovika-Universität angerufen und die Ausrichtung einer Klimakonferenz vorgeschlagen haben, mit Ahmadinejad als Redner. Die Universität, die Führungskräfte für den öffentlichen Dienst ausbildet, willigte ein. Kurz darauf informierte der Mossad die CIA über den Kontakt zu Ahmadinejad.
Ungarns damaliger Ministerpräsident Viktor Orbán und Israels Premierminister Benjamin Netanyahu gelten als enge politische Weggefährten, was die Organisation des Treffens begünstigt haben dürfte.
Aktuelle Lage Ahmadinejads
Wie es Ahmadinejad heute geht, ist unklar. Laut NYT steht er unter Aufsicht der iranischen Revolutionswächter. Bei den tagelangen Trauerfeierlichkeiten für den getöteten Obersten Führer Ali Khamenei wurde er, umringt von Sicherheitskräften, gesichtet. Das Regime meldete zudem neue Angriffe im Südwesten des Landes: In der Industriestadt Abadan an der Grenze zum Irak wurden zwei Menschen getötet und drei verletzt. Die Behörden machten die USA für die Luftangriffe verantwortlich, obwohl das US-Militär seine jüngste Angriffswelle am frühen Morgen für beendet erklärt hatte.



