Weimer will deutsche Fankultur zum UNESCO-Weltkulturerbe machen
Weimer: Deutsche Fankultur soll UNESCO-Weltkulturerbe werden

Weimer will Fußball-Fankultur zum UNESCO-Weltkulturerbe machen

Kulturstaatsminister Wolfram Weimer (61) hat im Interview mit BILD vorgeschlagen, die deutsche Fußball-Fankultur als immaterielles Kulturgut der UNESCO anerkennen zu lassen. „Ich bin sogar der Meinung, dass unsere Fankultur in Deutschland zu den immateriellen Kulturgütern der UNESCO zählen sollte“, sagte Weimer. Er betonte die Einzigartigkeit der Choreografien, Gesänge und der emotionalen Verbindung der Fans. „Da werden Lieder komponiert und in Wechselgesängen gesungen. Ich meine, das sind Choräle.“

Kritik an hohen Trikotpreisen

Weimer äußerte sich auch deutlich zu den Preisen für Fanartikel der Nationalmannschaft. „Die Preise für die Trikots sind einfach zu hoch“, sagte er. Ein Trikot koste über 100 Euro, was für viele Familien eine zu große Belastung darstelle. Der Minister appellierte an den DFB: „Da würde ich wirklich an den DFB appellieren, dass er dafür sorgt, dass man vielleicht die Merchandising-Erträge etwas bescheidener akzeptiert, aber dafür sorgt, dass für normale Familien in Deutschland ein Familiensatz Trikots nicht zum Vermögen wird.“ Ein angemessener Preis liege „auf jeden Fall unter 100 Euro“.

Reform der Öffentlich-Rechtlichen

Im Gespräch ging es auch um die Kritik an ARD und ZDF. Weimer räumte ein: „Die Akzeptanz von ARD und ZDF ist in Schieflage.“ Mit dem neuen Staatsvertrag sei ein Reformprozess eingeleitet worden, der die Sender schlanker machen und die Zusammenarbeit mit Privaten stärken solle. Er stellte sogar die Existenz kleinerer Anstalten infrage: „Man kann deshalb auch hinterfragen, wie viele Sender wir überhaupt brauchen. Diese Diskussion findet jetzt statt und das ist gut so.“ Konkret nannte er den Saarländischen Rundfunk und Radio Bremen als mögliche Kandidaten für Fusionen.

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Persönliche Einblicke: Kreuz von Adenauer und Trash-TV

Weimer zeigte sich im Interview auch privat. Er berichtete von einem Kreuz in seinem Büro, das ihm die Familie von Konrad Adenauer geliehen habe. „Ich bete jeden Tag und bin ein skeptischer Katholik“, so Weimer. Das Kreuz erinnere ihn an „Respekt, Achtung und humanistische Ideale“. Auf die Frage nach Trash-TV wie dem Dschungelcamp antwortete er: „Ja, natürlich“ habe er es gesehen, aber irgendwann den Spaß daran verloren. Auf die Frage, ob er selbst ins „Joggercamp“ gehen würde, antwortete er entschieden: „Nein, never ever!“

Fußball als kulturelles Phänomen

Weimer, bekennender Fan von Eintracht Frankfurt, sieht Fußball eindeutig als Kultur. Er verwies auf die inszenierte Ästhetik der Fans: „Das hat nicht nur mit emotionaler Tiefe zu tun und damit, dass sie so viele Menschen vereint, sondern auch mit dem, was da in der Verbindung von Gesang, Musik und Choreografien, also inszenierter Ästhetik, geschieht.“ Er wolle zwar „nicht die Kutte zur Hochkultur erklären“, aber die deutsche Fankultur sei „wirklich etwas Besonderes“.

Reisepläne von Kanzler Merz

Abschließend äußerte sich Weimer zu möglichen Reisen von Bundeskanzler Friedrich Merz zu den Spielen der Nationalmannschaft in den USA. „Friedrich Merz ist auch Fußballfan. Allerdings nicht von Eintracht Frankfurt, sondern von Borussia Dortmund. Er verfolgt die Spiele ziemlich genau. Ich glaube, es ist auch eine Reise geplant.“ Weimer zeigte sich optimistisch für die Mannschaft: „Von dieser Mannschaft bin ich begeistert. [...] Bei dieser Mannschaft habe ich aber das Gefühl, dass es wieder so sein könnte: ‚Die Mannschaft ist der Star.‘“

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