WM 2026: Fußballfest mit Beigeschmack – Kommentar zur Ernüchterung
WM 2026: Fußballfest mit Beigeschmack – Kommentar

48 Mannschaften, 39 Tage, 104 Spiele – die gigantischste Fußball-Weltmeisterschaft aller Zeiten ist zu Ende gegangen. Trotz aller Superlative und der ungebrochenen Begeisterung der Fans bleibt ein Gefühl des Unbehagens zurück. Die WM 2026 hat gezeigt, dass der Fußball zwar weiterhin das größte Sportereignis der Welt ist, aber der Einfluss von Politik und Kommerz zunimmt.

Die große Trump-Show blieb aus

Die Befürchtung, dass US-Präsident Donald Trump die WM zu seiner persönlichen Bühne machen würde, bewahrheitete sich nicht. Trump war vor dem Finale kein einziges Mal im Stadion – möglicherweise aus Sorge vor Buhrufen der Fans. Stattdessen standen die vielen kleinen und großen Stars der WM im Mittelpunkt. Torwart Vozinha von Kap Verde wurde mit seinen Paraden zum Social-Media-Hit, und Kongos lebende Fanstatue „Lumumba Vea“ begeisterte die Massen. Sie verkörpern Werte wie Offenheit, Gemeinschaft und Vielfalt, für die Trump nicht steht.

Politische Schattenseiten des Turniers

Dennoch war die WM von politischen und gesellschaftlichen Problemen überschattet. Der Krieg des Gastgebers USA gegen den Iran, zahlreiche Visaprobleme für Spieler und Schiedsrichter aus nicht genehmen Ländern sowie überteuerte Tickets sorgten für Kritik. Besonders schwerwiegend war der Anruf von Präsident Trump bei Fifa-Chef Gianni Infantino, um die Sperre gegen US-Star Balogun aufheben zu lassen – ein Eingriff in die Autonomie des Sports, der einen großen Aufschrei auslöste.

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Fan-Euphorie trotz Kritik

Viele Fans fragten sich: Kann ich noch mitfiebern, trotz alledem? Die Antwort vieler lautete: Ja. Die Euphorie für die Mannschaften und die Kritik an den Umständen existierten nebeneinander. Nach dem Ausscheiden der deutschen Nationalmannschaft im Sechzehntelfinale gegen Paraguay sanken zwar die Einschaltquoten, doch die Halbfinalpartien verfolgten jeweils über zwölf Millionen Menschen, und die Biergärten waren zum Public Viewing gut gefüllt. Sogar das unbeliebte Spiel um Platz drei wurde dank England und Frankreich zu einem Torspektakel.

Kommerz und Ernüchterung

Der Großteil der Fans akzeptiert das Kommerzspektakel der Fifa. Die neu eingeführten Trinkpausen, die als Werbepausen dienen, wurden zwar kritisiert, blieben aber ein kleiner Aufreger. Größere Probleme wie Visahürden wurden schnell von neuen Themen überlagert. Doch der Fall Balogun zeigt, wie tiefgreifend der Einfluss mächtiger Männer wie Trump und Infantino im globalen Fußball ist. Der Einfluss der Fans schwindet: Wer sich die horrenden Ticketpreise nicht leisten kann oder den falschen Reisepass besitzt, wird ausgeschlossen. Das Versprechen eines Fußballs für alle ist längst überholt.

Zukunft der WM: noch mehr Superlative?

Fifa-Chef Gianni Infantino denkt bereits an die nächste WM mit möglicherweise 64 Mannschaften, ausgetragen in drei Ländern auf drei Kontinenten. Viele Fans hatten schon dieses Mal Schwierigkeiten, alle Spiele zu verfolgen. Die Fifa sollte die Begeisterungsfähigkeit der Fans nicht als selbstverständlich betrachten – sie ist stark, aber sie hat Grenzen. Die WM 2026 war ein Härtetest, und die nächste könnte noch herausfordernder werden.

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