Elterngeld-Reform: Kürzungen, mehr Vätermonate und neue Beträge ab 2027
Elterngeld-Reform: Kürzungen und mehr Vätermonate ab 2027

Das Bundesfamilienministerium unter Karin Prien (CDU) hat einen Gesetzentwurf zur Reform des Elterngeldes vorgelegt, der tiefgreifende Änderungen vorsieht. Kernpunkte sind die Verkürzung der Bezugsdauer von 14 auf 12 Monate, eine Erhöhung der verbindlichen Vätermonate von zwei auf drei sowie eine erstmalige Anhebung der monatlichen Beträge seit fast 20 Jahren. Ziel ist es, 500 Millionen Euro jährlich einzusparen und gleichzeitig die Beteiligung von Vätern an der Kinderbetreuung zu stärken.

Weniger Monate, mehr Väterbeteiligung

Bisher erhalten Eltern Elterngeld für maximal 14 Monate, wenn sich beide Partner mit mindestens zwei Monaten beteiligen. Künftig soll die Höchstdauer auf zwölf Monate sinken, wobei jedem Elternteil drei Monate reserviert sind. Die restlichen sechs Monate können flexibel aufgeteilt werden. Alleinerziehende können weiterhin bis zu zwölf Monate volles Elterngeld beziehen. Diese Regelung soll laut Ministerium „mehr Partnerschaftlichkeit“ fördern und Väter stärker in die Erziehungsarbeit einbinden.

Beträge steigen leicht

Erstmals seit der Einführung 2007 werden die monatlichen Sätze angehoben: Der Mindestbetrag steigt von 300 auf 330 Euro, der Höchstbetrag von 1.800 auf 1.900 Euro. Der Prozentsatz vom Nettoeinkommen bleibt bei 65 Prozent. Die Anpassung ist moderat und soll die gestiegenen Lebenshaltungskosten teilweise ausgleichen. Allerdings sinkt die Gesamtsumme, die Familien maximal erhalten, aufgrund der verkürzten Bezugsdauer.

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Sparzwang und Koalitionsvertrag

Die Reform ist Teil der Sparbemühungen der Bundesregierung. Das Familienministerium muss bis 2029 rund ein Fünftel seines Etats einsparen. Bereits im Koalitionsvertrag von Union und SPD 2025 war vereinbart, „mehr Anreize für mehr Partnerschaftlichkeit, insbesondere mehr Väterbeteiligung“ zu setzen. Der Gesetzentwurf befindet sich noch in der Ressortabstimmung; die endgültige Verabschiedung durch den Bundestag wird für 2027 erwartet.

Kritik von Verbänden

Der Deutsche Frauenrat kritisiert die Kürzungen scharf. Vorsitzende Beate von Miquel erklärte: „Die Bundesregierung hat jungen Menschen im Koalitionsvertrag versprochen, ihre Familienplanung mit einer verbesserten Leistung zu stärken. Nun soll im nächsten Jahr allein hier eine halbe Milliarde eingespart werden. Mütter werden diese Kürzungen zulasten der eigenen Berufstätigkeit kompensieren.“ Auch das Zukunftsforum Familie warnt vor Einsparungen und fordert stattdessen eine Anhebung des Mindestbetrags auf 506 Euro sowie eine Dynamisierung.

Elterngeld in Zahlen

2025 bezogen 1,61 Millionen Menschen Elterngeld, darunter 1,19 Millionen Frauen und 417.000 Männer. Der Väteranteil lag bei 25,9 Prozent. Die Ausgaben sanken auf knapp 7,1 Milliarden Euro, ein Rückgang um 13,9 Prozent gegenüber 2021, bedingt durch die sinkende Geburtenrate. Die Reform soll die Väterbeteiligung erhöhen: Laut einer Bertelsmann-Umfrage wünschen sich 45 Prozent der Frauen und 42 Prozent der Männer ein egalitäres Modell mit je sieben Monaten Elternzeit.

Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt

Die Bertelsmann-Studie zeigt, dass mehr Vätermonate volkswirtschaftlich sinnvoll sind: Frauen kehren schneller in den Beruf zurück, was den Fachkräftemangel mindern könnte. Allerdings befürchten Kritiker, dass die Kürzung der Gesamtbezugsdauer insbesondere Mütter belastet, die häufiger die längere Elternzeit übernehmen. Die Reform sieht auch eine Änderung des Mutterschutzgesetzes vor: Arbeitszeitliche Beschäftigungsverbote werden auf zwölf Monate nach der Entbindung eingeschränkt.

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