Krankschreibungspflicht ab Tag eins: Koalition verteidigt Reformpaket
Krankschreibungspflicht: Koalition verteidigt Reformpaket

Das von der schwarz-roten Koalition vorgestellte Reformpaket sorgt für erhebliche Kontroversen. Besonders die geplante Einkommensteuerreform und die Wiedereinführung der Krankschreibungspflicht ab dem ersten Krankheitstag stehen in der Kritik. Während Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) die Maßnahmen verteidigt, sprechen Oppositionspolitiker und Verbände von einer „Mogelpackung“ und einer „Bürokratiewelle“.

Steuerpläne: Entlastung oder Belastung?

Der Präsident des Bundes der Steuerzahler, Reiner Holznagel, äußerte sich kritisch zu den Steuerplänen: „Je tiefer man in die bislang bekannten Zahlen einsteigt, desto größer wird der Frust.“ Ein Großteil des angekündigten Entlastungsvolumens entfalle auf ohnehin notwendige Maßnahmen. Auch die finanzpolitische Sprecherin der Grünen, Katharina Beck, übte scharfe Kritik: „Es scheint, als bewerbe sich die Regierung bei der Entlastung unterer und mittlerer Einkommen um den Preis für die größte Mogelpackung des Jahres.“ Millionen Bürger müssten durch die parallele Anhebung der Rentenbeiträge sogar monatlich draufzahlen. Beck zufolge würden gerade Menschen mit geringem Einkommen belastet: „Das ist wirklich ein Armutszeugnis für einen sozialdemokratischen Finanzminister, der offensichtlich Millionen Menschen im Niedriglohnsektor Unfug über vermeintliche Entlastungen erzählt.“

Klingbeil verteidigt Steuerreform und Superreichensteuer

Finanzminister Lars Klingbeil wies die Kritik zurück und verwies auf die Einführung einer „Superreichensteuer“. Für Einkommen ab 280.000 Euro solle künftig ein Steuersatz von 47 Prozent gelten. Die geplante Einkommensteuerreform mit einem Volumen von zehn Milliarden Euro könne eine Familie mit zwei arbeitenden Elternteilen um bis zu 600 Euro jährlich entlasten. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) wies den Vorwurf zurück, die Entlastungspläne würden das Schuldenproblem des Bundes verschärfen. „Das wollen wir nicht“, sagte Merz in einem ARD-„Brennpunkt“. Er verwies auf den Willen der Bundesregierung, bei sich selbst zu sparen. Am Montag soll das Kabinett den Regierungsentwurf für den Bundeshaushalt 2027 beschließen. Im Koalitionsvertrag sei vereinbart, die Personalausgaben des Bundes um acht Prozent zu senken. „Wir sparen über alle Etats hinweg. Wir werden jetzt auch noch einmal auf zwei Prozent erhöhen im nächsten Jahr für 2028“, so Merz. Klingbeil hatte für 2027 alle Ressorts zu einer Einsparvorgabe von einem Prozent verpflichtet.

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Krankschreibung ab dem ersten Tag: Hausärzteverband warnt vor Bürokratiewelle

Kritik gab es auch an dem Beschluss, Betrieben zu ermöglichen, ab dem ersten Krankheitstag eine ärztliche Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung zu verlangen und die telefonische Krankschreibung abzuschaffen. Der Vorsitzende des Hausärzteverbandes, Markus Blumenthal-Beier, bezeichnete die Beschlüsse als „absolut katastrophal“. „Auf unsere Praxen kommt damit eine riesige Bürokratiewelle zu, die kaum zu bewältigen sein wird“, sagte er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. „Die Koalition macht sich mit diesen vollkommen faktenfreien Beschlüssen nicht nur unglaubwürdig, sie nimmt auch die komplette Überlastung unserer Praxen billigend in Kauf.“

Klingbeil: Vernünftige Umsetzung nötig

SPD-Chef Lars Klingbeil verwies im Interview mit RTL und ntv darauf, dass die konkrete Ausgestaltung noch offen sei. „Die Bundesgesundheitsministerin hat heute schon gesagt: Natürlich müssen wir das Ganze so hinbekommen, dass niemand, der krank ist, dann auch wirklich zum Arzt gehen muss.“ Klingbeil plädierte für eine „vernünftige“ Umsetzung der Vorgaben aus dem Koalitionsausschuss. Zugleich verteidigte er die Beschlüsse als politischen Kompromiss. Die SPD habe zuvor etwa die Einführung sogenannter Karenztage ohne Lohnfortzahlung verhindert.

Reaktionen der Opposition und Ausblick

Die Opposition bleibt skeptisch. Die Grünen kündigten an, die Pläne im Bundestag genau zu prüfen. Auch der Bundes der Steuerzahler forderte Nachbesserungen. Die Bundesregierung betont hingegen, dass das Reformpaket notwendig sei, um die Wirtschaft anzukurbeln und die Sozialsysteme zu entlasten. Die endgültigen Beschlüsse werden im Laufe der nächsten Wochen erwartet.

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