Merz und die Kunst der Autosuggestion: Koalitionsausschuss heute
Merz und die Kunst der Autosuggestion

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat mit einem missglückten Post zur WM-Niederlage Deutschlands gegen Paraguay für Spott gesorgt. „Auch wenn das Ausscheiden schmerzt: Was für ein Spiel“, schrieb er auf X. „Mit eurem Einsatz und Teamgeist bei dieser WM habt ihr unser Land begeistert.“ Viele fragen sich, welches Spiel er gesehen habe. Der Post offenbart eine typische Neigung von Merz: die Wirklichkeit durch eigene Worte zurechtzubiegen – eine Kunst der Autosuggestion, die er heute beim Koalitionsausschuss mit Union und SPD brauchen wird.

Koalitionsausschuss: Große Erwartungen an Reformpaket

Das Kanzleramt hat ein „großes Paket“ angekündigt, das Reformen bei Steuern, Arbeit und Sozialem umfassen soll. Das letzte Spitzentreffen im April endete in einem Schreiduell zwischen Merz und SPD-Chef Lars Klingbeil. Nun geht es darum, Handlungsfähigkeit zu demonstrieren. „Die Koalition kann beweisen, dass sie wirklich so reformwillig ist, wie sie immer behauptet“, sagt mein Kollege Andreas Niesmann. „Den Durchbruch bei der Rente hat die Expertenkommission ermöglicht, bei den Streitthemen Steuern und Arbeitsmarkt müssen Merz, Klingbeil, Bas und Söder nun zeigen, dass sie auch ohne Hilfe von außen einen Kompromiss schmieden können.“

Nato-Gipfel in Ankara: Erdoğans Inszenierung und Repression

In knapp einer Woche beginnt in Ankara der Nato-Gipfel. Die Regierung unter Präsident Recep Tayyip Erdoğan verpasst der Hauptstadt einen neuen Anstrich: Ein Brunnen wurde repariert, falls Frankreichs Präsident Emmanuel Macron beim Joggen vorbeikommt. Rund um die Residenz von US-Präsident Donald Trump wurden Vasen in römischer Anmutung aufgestellt. Gleichzeitig geht die Regierung mit aller Härte gegen vermeintliche Störer vor. Laut Human Rights Watch wurden innerhalb weniger Tage mehr als 200 Menschen wegen angeblichen Terrorverdachts festgenommen, darunter Aktivisten, Anwälte und ein Journalist. „Der Missbrauch von Antiterrorgesetzen zur Unterdrückung kritischer Stimmen im Vorfeld eines Nato-Gipfels steht im krassen Widerspruch zu den Grundwerten des Bündnisses“, sagte Benjamin Ward, Vizedirektor für Europa und Zentralasien bei Human Rights Watch. Dennoch ist nicht davon auszugehen, dass sich innerhalb der Nato jemand daran stört – die Allianz sieht über Erdoğans Despotismus hinweg, da sie ihn etwa im Konflikt mit Russland oder Iran braucht. Die große Show könnte nur einer stören: Donald Trump, der den Gipfel nutzen könnte, um den Streit mit den Europäern zu eskalieren.

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Irankonflikt: Feuerpause und Parallelverhandlungen

Eine treffende Charakterisierung eines Waffenstillstands lieferte Trump selbst: Waffenstillstand bedeute häufig nur, dass weniger heftig geschossen werde. Das gilt für das Abkommen zwischen den USA und Iran, das seit April eine Feuerpause vorsieht. Dennoch attackierten sich beide Seiten am vergangenen Wochenende wieder wechselseitig. Für Irans Regime geht es vor allem um die Kontrolle über die Straße von Hormus, wie mein Kollege Fritz Schaap analysiert. Parallel zu den Feuergefechten verhandeln die Konfliktparteien über einen grundsätzlicheren Deal, der das iranische Atomprogramm und Sanktionen einschließt. Gestern trafen sich Vertreter beider Staaten in Katar. Beide Seiten haben sich 60 Tage für die Gespräche gegeben. Eine Prognose: Die Verhandlungen werden ohne substanzielles Ergebnis enden, und Trump wird den Krieg gegen Iran nicht von Neuem beginnen – er will mit dem Land schlicht nichts mehr zu tun haben.

WM-News und Kurzmeldungen

Deniz Undav, Nick Woltemade und Kai Havertz äußern sich zum deutschen WM-Abschied. Mats Hummels fordert das Aus von Julian Nagelsmann. In Köln müssen Touristen ab heute erstmals Eintritt für den Kölner Dom zahlen: zwölf Euro. Betende sollen weiterhin kostenlosen Zutritt erhalten. Trump nahm 2025 mehr als 1,4 Milliarden Dollar mit Kryptogeschäften ein, allein der Verkauf seiner Memecoins brachte 635 Millionen Dollar. Die Gewerkschaft der Polizei warnt vor einem Mangel an Einsatzkräften beim AfD-Parteitag in Erfurt am Wochenende. Auf Billiglieferungen aus Asien wird jetzt Zoll fällig: Sendungen bis 150 Euro waren bislang zollfrei, damit ist nun Schluss.

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