Die erneuerbaren Energien haben im ersten Halbjahr 2026 einen Rekordanteil von 58 Prozent am deutschen Stromverbrauch erreicht. Das geht aus Hochrechnungen des Zentrums für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg (ZSW) und des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) hervor, die der Deutschen Presse-Agentur vorab vorlagen.
Deutlicher Anstieg gegenüber Vorjahr
Die Quote liegt fast drei Prozentpunkte über dem Vorjahreswert. Im gesamten Jahr 2025 hatte der Anteil der Erneuerbaren am Stromverbrauch 55,8 Prozent betragen. Besonders die Windkraft trug zum Anstieg bei: Die Stromerzeugung aus Windenergie an Land stieg um 7,0 Prozent, auf See sogar um 28,3 Prozent. Die Photovoltaik legte um 3,7 Prozent zu. Einzig die Wasserkraft verzeichnete einen Rückgang um 7,7 Prozent aufgrund geringerer Niederschläge. Die Erzeugung aus Biomasse stieg leicht um 0,6 Prozent.
Bedeutung für Energiepreise und Klimaschutz
ZSW-Chef Frithjof Staiß betonte die Bedeutung der erneuerbaren Energien für die Energiepreise. „Je höher der Anteil der erneuerbaren Energien steigt, desto unabhängiger werden wir von Importen fossiler Energieträger“, sagte er. „Desto widerstandsfähiger wird auch die Volkswirtschaft gegenüber Energiepreisschocks. Die Energiekrisen der vergangenen Monate und Jahre wurden durch die fossilen Energieträger ausgelöst, nicht durch die Erneuerbaren.“
Staiß bezeichnete den Ausbau der Erneuerbaren als das „schärfste Schwert“ im Kampf gegen den Klimawandel. Damit die Elektrifizierung ihr volles Klimaschutzpotenzial entfalten könne, müsse der Strom aus erneuerbaren Energien stammen. Die jüngste Hitzewelle habe sehr deutlich gezeigt, wie dringend Erfolge beim Klimaschutz erzielt werden müssten.
Herausforderungen beim Netzausbau
Trotz der erfreulichen Zahlen bleibt der Netzausbau eine große Herausforderung. Ein schleppender Ausbau blockiert nach Angaben der Branche Investitionen von rund 100 Milliarden Euro. Ohne einen schnelleren Ausbau der Stromnetze könnten die erneuerbaren Energien nicht vollständig integriert werden, was die Energiewende gefährde.



