„Das geloben wir!“ Zwischen Stolz, Pflicht und Familie: So wichtig war die Jugendweihe in der DDR. Kleider gebügelt, Haare geschniegelt, die ganze Familie versammelt: Für viele war die Jugendweihe in der DDR ein unvergesslicher Tag. Zwischen stolzen Eltern, Geschenken und feierlichen Worten war die Zeremonie eng mit dem politischen Alltag verbunden.
Die Einführung der Jugendweihe in der DDR
Die Jugendweihe wurde in den 1950er Jahren von der SED eingeführt. Anfang November 1954 erhielten die Bezirks- und Kreisleitungen der SED eine vertrauliche Mitteilung des Zentralkomitees, wie der MDR schreibt. Darin wurde die Gründung eines Ausschusses für die Jugendweihe angekündigt. Kurz darauf startete eine Kampagne zur republikweiten Einführung der Feiern. Der neu gegründete Ausschuss erklärte Ende November 1954, man wolle „entsprechend einem allgemeinen Bedürfnis von Eltern und Schülern alljährlich in der DDR die in ganz Deutschland beliebten Jugendweihen durchführen“. Parallel dazu wurde an Schulen intensiv für die Teilnahme geworben. Bereits im Frühjahr 1955 fanden die ersten staatlich organisierten Jugendweihen statt. Offiziell blieb die Teilnahme freiwillig, doch inoffiziell sah es anders aus.
Politische Bedeutung und Druck auf Familien
Besonders prägend war Walter Ulbrichts sogenannte „Sonneberger Rede“ von 1957. Der damalige SED-Chef erklärte, Jugendliche müssten an der Jugendweihe teilnehmen, „weil ihnen sonst wichtige Kenntnisse verloren gehen würden“. In den folgenden Jahrzehnten entwickelte sich die Jugendweihe zu einem festen Bestandteil des DDR-Alltags. In den 1970er und 1980er Jahren nahmen rund 90 Prozent aller Jugendlichen daran teil. Viele Familien entschieden sich jedoch nicht aus Überzeugung dafür. Eltern befürchteten häufig Nachteile bei Ausbildung oder Beruf, wenn ihre Kinder der Jugendweihe fernblieben. Vor allem kirchlich orientierte Familien verzichteten dennoch auf die Veranstaltung.
Ablauf der Jugendweihe: Gelöbnis und Geschenke
Der eigentlichen Feier gingen zahlreiche Jugendstunden voraus. Lehrer und Pionierleiter bereiteten die Achtklässler gezielt auf den neuen Lebensabschnitt vor. Dazu gehörten Besuche in Betrieben, politische Vorträge oder Fahrten zur Gedenkstätte Buchenwald. Während der Feier mussten die Jugendlichen auf die zehn Gebote des sozialistischen Staats schwören. Sie lernten aber nicht den kompletten Schwur auswendig, sondern antworteten mit den Worten: „Das geloben wir.“ Anschließend erhielten die neuen Erwachsenen eine Urkunde und ein Buch. Bis 1974 war dies „Weltall Erde Mensch“, danach wurde es durch den Band „Der Sozialismus, deine Welt“ abgelöst. Von 1983 bis zur Wende wurde das Buch „Vom Sinn unseres Lebens“ übergeben.
Neben diesen Geschenken gab es von Angehörigen meist Geld, Bettwäsche, Handtücher oder Geschirr anlässlich der Jugendweihe.
Historische Wurzeln und Nachwirkungen
Die Jugendweihe ist deutlich älter als die DDR. Bereits im 19. Jahrhundert entstand innerhalb der Freidenker-Bewegung der Wunsch nach einem nicht-kirchlichen Übergangsritual für Jugendliche. Nach der Gründung der DDR wurde die Jugendweihe zunächst sogar verboten. Die Parteiführung sah darin anfangs eine Gefahr für die eigene Macht. Das änderte sich Mitte der 1950er Jahre. Nach dem Ende der DDR blieb die Jugendweihe bestehen, allerdings ohne politische Ausrichtung. Vor allem in Ostdeutschland wird sie bis heute von vielen Jugendlichen mit ihren Familien gefeiert.



