Russland und die Ukraine haben am Donnerstag jeweils 205 Kriegsgefangene ausgetauscht. Die Übergabe fand an der Grenze zu Belarus statt, wie beide Seiten bestätigten. Es ist der erste Schritt einer Vereinbarung, die US-Präsident Donald Trump am vergangenen Wochenende verkündet hatte und die einen Austausch von jeweils 1000 Gefangenen vorsieht.
Erster Schritt nach langer Verzögerung
Bereits vor Tagen hatten sich Moskau und Kyjiw grundsätzlich auf den Austausch von jeweils tausend Kriegsgefangenen verständigt. Doch danach geschah zunächst nichts. Nun wurde mit der Freilassung von 205 Soldaten pro Seite der erste Teil umgesetzt. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärte auf der Plattform X, dies sei der erste Schritt der Vereinbarung. „Wir werden weiter um jeden kämpfen, der noch in Gefangenschaft ist“, schrieb er.
Details zu den freigelassenen Ukrainern
Laut Selenskyj handelt es sich bei den freigelassenen Ukrainern um Gefreite, Unteroffiziere und Offiziere, die sich überwiegend seit 2022 in russischer Gefangenschaft befunden haben. Sie hätten die Ukraine in Mariupol und im Stahlwerk Asow-Stahl, in den Sektoren Donezk, Luhansk, Charkiw, Cherson, Saporischschja, Sumy und Kyjiw sowie im Kernkraftwerk Tschernobyl verteidigt. Das russische Verteidigungsministerium teilte mit, die heimkehrenden Soldaten befänden sich auf dem Gebiet von Belarus. Es dankte den Vereinigten Arabischen Emiraten für die Vermittlung bei der Aktion.
Hintergrund des Austauschs
In den mehr als vier Jahren des russischen Angriffskriegs haben beide Seiten bereits Tausende Gefangene ausgetauscht. Zuletzt fand dies stets an der Grenze zwischen der Ukraine und Belarus statt. Aufgrund der logistischen Herausforderungen bei An- und Abtransport der Soldaten wurden auch frühere größere Austausche in mehrere Etappen aufgeteilt.
Waffenruhe und erneute Kämpfe
Der Austausch ist Teil einer Waffenruhe-Vereinbarung, die beide Seiten für das vergangene Wochenende getroffen hatten und die von Trump verkündet worden war. Während die Feuerpause einerseits die große Moskauer Militärparade zum russischen Weltkriegsgedenken am 9. Mai schützen sollte, hatte Trump dabei auch den Austausch von Gefangenen angekündigt. Doch die Waffenruhe hielt nicht lange: Der Krieg zwischen beiden Ländern läuft mit neuer Intensität wieder an. Bei einem groß angelegten russischen Luftangriff auf Kyjiw ab Mittwoch wurden nach ukrainischen Angaben mindestens 24 Menschen getötet und Dutzende weitere verletzt. Die Ukraine attackierte ihrerseits Raffinerien in der russischen Stadt Rjasan. Bei dem Drohnenangriff sollen nach russischen Behördenangaben mindestens drei Menschen getötet und zwölf verletzt worden sein.



