Ein 23-jähriger Funktionär der neuen AfD-Jugendorganisation „Generation Deutschland“ in Bayern ist nach Bekanntwerden von Kontakten zu Neonazis zurückgetreten. Der Vorfall wirft erneut Fragen zur Nähe der Partei zur rechtsextremen Szene auf.
Laut einer Recherche der „Münchner Abendzeitung“ (AZ) war Tim Schulz im März 2024 Teil einer Gruppe, die in Budapest orthodoxe Juden beschimpfte und hebräische Sticker abriss. Ein Aussteiger der rechtsextremen Szene bezeichnete die Aktion später als „Judenjagd“. Schulz bestreitet die Vorwürfe nicht und erklärte seinen Rücktritt.
Die bayerische AfD-Spitze reagierte zurückhaltend. Landeschef Stephan Protschka schloss ein Parteiausschlussverfahren nicht aus, forderte es aber nicht. Franz Schmid, Vorsitzender der „Generation Deutschland“ in Bayern, distanzierte sich „aufs Schärfste“ von Antisemitismus, nannte das Treffen „dumm“ und forderte Schulz zum Rücktritt auf.
Die AZ dokumentierte zudem zahlreiche rechtsextreme Äußerungen von Schulz im Internet. So kommentierte er den Satz „Faschisten hören niemals auf, Faschisten zu sein“ mit „Wir haben auch nicht vor, damit aufzuhören“. Auf die Frage, warum sein AfD-Ergebnis beim Wahl-O-Mat nicht 88 Prozent entspreche, antwortete er: „Ich arbeite dran.“ Die Zahl 88 steht in rechtsextremen Kreisen für „Heil Hitler“.
Fotos zeigen Schulz neben Lois Wagner von den „Jungen Nationalisten“, der Jugendorganisation der früheren NPD, der sich selbst als „Nationalsozialist“ bezeichnet. Videos sollen mit einem Song der Neonazi-Band „Landser“ unterlegt gewesen sein. Bereits im Februar 2024 schrieb Schulz auf X: „Wir müssen die neue Jugendorganisation der AfD Schritt für Schritt unterwandern und radikalisieren.“
Grünen-Politikerin Marlene Schönberger nannte die Jugendorganisation „rechtsextremen Etikettenschwindel“ und ein „Bindeglied“ zwischen rechtsextremen Vorfeldorganisationen und der AfD. Zentralratspräsident Josef Schuster sagte, die Vorfälle zeigten „wes Geistes Kind viele Funktionäre der sogenannten Alternative für Deutschland sind“.



