Wo einst Flugzeuge im Minutentakt starteten und landeten, entsteht in Berlin-Tegel ein neues Quartier der Zukunft. Nach der Schließung des Flughafens im November 2020 übernahm die landeseigene Berlin TXL Management GmbH im August 2021 die Entwicklung des 500 Hektar großen Areals. Ziel ist ein nachhaltiges, ressourcensparendes und CO2-neutrales Stadtviertel mit Wohnungen, Arbeitsplätzen, Forschungseinrichtungen und Erholungsflächen.
42 Unternehmen und 450 Beschäftigte bereits vor Ort
„Am Standort arbeiten mittlerweile 42 Firmen und Institutionen mit etwa 450 Beschäftigten“, berichtet Frank Wolters, Geschäftsführer der Berlin TXL Management GmbH. Die Unternehmen kommen aus den Bereichen Mobilität, Energie, Werkstoffe, Sensorik und digitale Infrastruktur. Sie nutzen derzeit Bestandsgebäude wie frühere Frachthallen und Hangars. Ein Beispiel ist das Start-up Earthbound, das in einem Hangar recycelbare Lehmziegel und Mörtel aus Baustellenaushub produziert. „Wir haben für unser Pilotprojekt passende Räume gesucht und in Tegel gefunden“, sagt Gründer Micha Kretschmann.
60 Hektar Experimentierraum für innovative Technologien
Die Urban Tech Republic bietet nicht nur klassische Büro-, Werkstatt- und Community-Flächen, sondern auch 60 Hektar „Experimentierraum“ am Boden und in der Luft. Unternehmen testen hier autonom gesteuerte Autos oder Drohnentechnologie. „In einer technisch und rechtlich sicheren Umgebung“, betont Wolters, der von einem Reallabor spricht. Ein Beispiel ist das Start-up Projekt Q, das komplexe Lösungen zur Überwachung von Gebäuden oder Gebieten entwickelt – für zivile oder militärische Nutzung. In Tegel testet es Radar, Drohnen, Audiosensoren, Kameras und andere Detektionssysteme. „Für uns ist Tegel entscheidend, weil es solche Flächen sonst in ganz Norddeutschland nicht gibt“, sagt Geschäftsführer Felix Albrecht. Der Standort biete Raum für Produktion, Büros und ausgiebige Tests.
Vermarktung neuer Grundstücke startet
Bislang siedelten sich Unternehmen in Bestandsgebäuden an. Kürzlich begann die Vermarktung neuer Grundstücke, die erschlossen und mit Infrastruktur für Energie- und Wasserversorgung ausgestattet wurden. „Der Abschluss eines Vertrages mit einem ersten Investor für ein 7.000-Quadratmeter-Grundstück steht unmittelbar bevor“, sagt Wolters. Im Herbst werde ein zweites Grundstück angeboten. 2027 kämen rund 95.000 Quadratmeter Gewerbeflächen auf den Markt, 2028 weitere rund 124.000 Quadratmeter. Die Grundstücke werden im Erbbaurecht vergeben, das Land Berlin bleibt Eigentümer.
Terminalgebäude werden zu Hochschule und Innovationszentrum
Die markanten sechseckigen Terminals stehen unter Denkmalschutz und bleiben erhalten. In Terminal A zieht die Berliner Hochschule für Technik ein. „Die Vorarbeiten sind abgeschlossen, in Kürze findet der Spatenstich für die Baumaßnahme statt“, schildert Wolters. Anfang der 2030er Jahre sollen 2.500 Studenten einziehen. In Terminal B ist ein Gründungs-, Innovations- und Kongresszentrum geplant, der Umbau beginnt 2028. Terminal D wird Technologiezentrum für Mobilität, KI und Robotik, die Bauplanung startet 2025.
Wohnungsbau im Schumacher Quartier startet im August
Im Schumacher Quartier entstehen auf 46 Hektar mehr als 5.000 Wohnungen für über 10.000 Menschen. Im August 2025 startet die landeseigene Degewo mit dem Bau von 337 Wohnungen in ressourcenschonender Holzhybridbauweise. Sie sollen Ende 2028 bezugsfertig sein, mit Mieten ab sieben Euro je Quadratmeter. Das Viertel wird nach Nachhaltigkeitsprinzipien mit erneuerbaren Energien, Regenwassermanagement und weitgehendem Autoverzicht gestaltet. Weitere Baufelder erschließt die Gesobau, auch Genossenschaften sollen perspektivisch bauen können.
Verkehrsanbindung: Straßenbahn und autonome Shuttles
Der Berliner Senat entschied Anfang 2024, eine Straßenbahnanbindung zu realisieren. Die Vorplanung startet demnächst, eine Fertigstellung ist für 2034 vorgesehen. „Das kommt für uns natürlich ein wenig spät“, räumt Wolters ein. Er verhandelt mit der BVG über Interimslösungen und schwebt vor, das Start-up-Innovationszentrum im Terminal B ab 2031 mit autonom gesteuerten Fahrzeugen an U- und S-Bahn anzubinden. Schließlich arbeiten Tüftler an solchen Lösungen direkt auf dem Gelände.



