Die Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), Yasmin Fahimi, hat die Pfiffe und Buhrufe gegen Bundeskanzler Friedrich Merz beim DGB-Kongress im Mai als nachvollziehbar bezeichnet. Im Podcast „Ronzheimer“ kritisierte die frühere SPD-Politikerin die Wortwahl des Kanzlers scharf. Es sei nicht klug gewesen, den Delegierten „einfach nur vor den Latz zu knallen: 'Es wird zukünftig weniger geben und das ist ein Naturgesetz und ihr habt Mathematik nicht verstanden'“, sagte Fahimi. Die Einlassung des Kanzlers sei „ehrlich gesagt auch ein ganz schön frecher Ausspruch, wo man sich dann nicht wundern muss, wenn es mal zwischendurch eine Reaktion aus dem Publikum gibt“.
Merz‘ umstrittene Rede beim DGB-Kongress
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hatte am 12. Mai in der ersten Rede eines CDU-Kanzlers auf einem DGB-Bundeskongress seit acht Jahren für tiefgreifende Sozialreformen geworben. Dabei erntete er Pfiffe und Buhrufe aus den Reihen der Delegierten. Die im Sommer bevorstehende Rentenreform bezeichnete er als das „härteste Brett“ der schwarz-roten Koalition. „Das alles ist keine Bösartigkeit von mir oder von der Bundesregierung“, betonte Merz. „Das ist Demografie und Mathematik. Es übersteigt ganz einfach die Kräfte von zwei Beitragszahlern, wenn sie in Zukunft eine Person in der Rente finanzieren sollen.“
Reaktionen der Bundesregierung
Regierungssprecher Stefan Kornelius hatte die negativen Reaktionen während der Rede von Merz beim DGB-Kongress angesichts der krisenhaften Lage im Land und der Verunsicherung vieler Menschen als menschlich bezeichnet. Die Pfiffe und Buhrufe seien Ausdruck der Sorge der Delegierten um die Zukunft der Sozialsysteme.
Fahimi betonte, dass die Gewerkschaften durchaus bereit seien, über Reformen zu diskutieren, aber die Art und Weise der Kommunikation des Kanzlers sei kontraproduktiv gewesen. „Man muss den Menschen die Veränderungen erklären und sie mitnehmen, nicht einfach vor vollendete Tatsachen stellen“, so die DGB-Chefin.



