Der Deutschlandfunk (DLF) stellt sein Programmschema zum 30. November grundlegend um. Viele etablierte Magazinsendungen werden gestrichen, stattdessen gibt es längere Informationsstrecken. Ziel ist es, das Durchschnittsalter der Hörer zu senken und den veränderten Hörgewohnheiten durch Digitalisierung gerecht zu werden.
Neue Struktur: Informationsstrecken statt Magazinsendungen
Programmdirektorin Jona Teichmann erklärte bei der Vorstellung der Reform im Berliner Haus des DLF: „Der Deutschlandfunk bleibt, was er ist: journalistisches Leitmedium mit Tiefe, Analyse und Einordnung. Ein Angebot zum gemeinsamen Nachdenken, das überrascht und einlädt zum Weiterhören. Mit der Reform stellen wir sicher, dass wir diesem Anspruch auch in Zukunft gerecht werden können.“
Wegfallen werden unter anderem „Tag für Tag – aus Religion und Gesellschaft“, der „Büchermarkt“, „Tonart“, „Wirtschaft am Mittag“, „Forschung aktuell“, „Europa heute“, das Bildungsmagazin „Campus und Karriere“ und „Deutschland heute“. Stattdessen gibt es morgens ab 6 Uhr „Informationen am Morgen“, mittags „Informationen am Mittag“ und abends ab 17 Uhr „Informationen am Abend“. Neu ist auch der „Hintergrund“ und das zweistündige Format „Im Dialog“, das den direkten Austausch mit dem Publikum sucht.
Jüngere Zielgruppe im Fokus
DLF-Kulturchef Matthias Gierth betonte: „Auch wenn die Hörerzahlen für den Deutschlandfunk seit Jahren sehr gut sind, können wir nicht die Augen vor der Realität verschließen: Viele unserer Hörerinnen und Hörer sind älter, wir müssen auch für die nachfolgenden Generationen ein qualitativ hochwertiges, attraktives Programm machen.“ Laut aktueller Media-Analyse hören unter der Woche täglich mehr als 2,52 Millionen Menschen den DLF, die Finanzen sind stabil. Die Reform basiere auf Vorgaben des Reformstaatsvertrags der Länder, die Digitalisierung und jüngere Hörer in den Fokus rücken.
Der tägliche „Büchermarkt“ wird durch einen wöchentlichen „Büchersalon“ (voraussichtlich donnerstags) ersetzt. Geplant ist zudem eine tägliche Kultursendung „Kultur aktuell“ von 15 bis 16 Uhr, die auch Literaturthemen und Buchrezensionen aufgreifen soll. Für den Wissenschaftsbereich gibt es täglich eine einstündige „Wissen aktuell“-Sendung.
Kritik: „Durchhörbarkeit“ und „Nebenbeiradio“
Bereits vor der offiziellen Verkündung gab es Vorwürfe, der DLF werde zum „Nebenbeiradio“ (FAZ) und verliere seinen Anspruch an Tiefe. Jona Teichmann wies dies zurück: „Wir verabschieden uns nicht vom Fachjournalismus, das Gegenteil ist der Fall.“ Rund 200 Redakteure hätten an der Reform mitgearbeitet. Der Sender setze weiterhin auf klare Schwerpunkte, etwa die auf zehn Minuten verlängerten Nachrichten zu jeder Stunde.
Unter den Mitarbeitern gibt es jedoch Skepsis, da sich die Arbeitsstrukturen grundlegend ändern. Eine Petition gegen die Reform hat bislang rund 4700 Unterschriften gesammelt, bei täglich zwei bis zweieinhalb Millionen Hörern. Ob die Hörer das neue Angebot annehmen, bleibt abzuwarten.



