Reform-Desaster in der Regionalliga: DFB-Präsident Neuendorf reagiert
Kurz vor dem Ausscheiden der deutschen Nationalelf gegen Paraguay am Montagabend scheiterte in Deutschland der erste Versuch, die Regionalliga-Reform durchzusetzen. Damit wurde auch eine Chance vertan, die Talentförderung im DFB zu stärken. Das geplante Kompassmodell sollte aus fünf Staffeln vier machen und die Qualität des Profiunterbaus – insbesondere für junge Spieler in zweiten Mannschaften – erhöhen. Zudem sollten nach 14 Jahren Streit endlich alle Meister in die 3. Liga aufsteigen.
Die Regionalverbände änderten das Konzept jedoch kurzfristig ab: Statt der ursprünglich vorgesehenen 20 Mannschaften pro Regionalliga sollten es nur 18 sein. Zudem wurde die notwendige Mehrheit hochgesetzt, indem alle Regionen für dasselbe Modell stimmen mussten. Der große Durchbruch blieb aus.
Neuendorf: DFB wird sich aktiv einbringen
In einer Mitteilung des DFB wird Präsident Bernd Neuendorf (64) zitiert: „Wir respektieren das Vereinsvotum im Hinblick auf die beiden von der AG ausgearbeiteten Modelle. Der Abstimmungsprozess lag entsprechend ihrer Zuständigkeit bei den Regionalliga-Trägern.“ Damit geht der DFB-Boss zunächst auf Distanz zu den fragwürdigen Umständen der Klub-Abstimmung. Vereine wehrten sich reihenweise und boykottierten teils das Votum. Nach Informationen der BILD waren einige in der DFB-Zentrale selbst schockiert über das katastrophale Vorgehen der Regionalverbände.
Weiter sagte Neuendorf: „Das Ziel, ein Aufstiegsrecht für die Meister zu realisieren, bleibt unabhängig vom gestrigen Votum allerdings richtig. Vor diesem Hintergrund wird sich der DFB nunmehr aktiv in diesen Prozess einbringen und mit allen Beteiligten das Gespräch suchen.“
Reform bleibt auf der Tagesordnung
Der DFB gibt die Regionalliga-Reform nicht auf. Neuendorf hatte kürzlich betont: „Jeder Einzelne sieht den Reformbedarf bei der Regionalliga.“ Davor schreckt er nicht zurück. Der DFB-Bundestag habe bereits vor acht Jahren beschlossen, dass eine Regelung gefunden werden müsse, die allen Meistern der Regionalligen den Aufstieg ermöglicht. Dieses Ziel bleibe auch nach dem Votum der Klubs auf der Tagesordnung, „denn nahezu alle haben hinterlegt, dass eine Beibehaltung des Status Quo keine Option ist.“
Nur sieben von 159 Klubs (4,4 Prozent) gaben an, mit dem bisherigen Spielsystem einverstanden zu sein. Von den Reformvorschlägen gewann das Kompassmodell in drei der fünf Regionen (Nord, Westen, Osten) und erreichte bundesweit 50,9 Prozent der Stimmen.
Kritik aus Bayern: BFV unter Beschuss
Besonders in Bayern gab es im Nachgang weitere Vorwürfe gegen den Bayerischen Fußball-Verband (BFV) um Präsident Dr. Christoph Kern (43). Der 1. FC Schweinfurt 05 und die Spvgg Bayreuth meldeten sich zu Wort. Bayreuth schrieb: „Besonders kritisch sehen wir, dass im Bereich des Bayerischen Fußball-Verbands nicht ausreichend über die Variante mit 20 Vereinen pro Staffel gesprochen werden konnte. Die Argumente für eine 20er-Liga wurden aus unserer Sicht nicht in der notwendigen Tiefe gehört und berücksichtigt.“ Brisant: Bayreuth wollte für das Kompassmodell stimmen, um künftig in der Ost-Staffel Derbys gegen Chemnitz, Zwickau und Aue zu haben. In Bayern fehlten nur wenige Stimmen für die Mehrheit der Kompasslösung (45,2 Prozent waren dafür).
Besonders das Abstimmungsverfahren wirft Fragen auf: „Aufgrund der veränderten Rahmenbedingungen wollten wir uns bei der Abstimmung enthalten. Eine Enthaltung wurde vom Bayerischen Fußball-Verband jedoch nicht zugelassen. Gerade bei einer so grundlegenden Entscheidung hätten wir uns mehr Transparenz, mehr Einbindung und die Möglichkeit einer Enthaltung gewünscht“, so Bayreuth.
Ausblick: DFB muss schnell handeln
Der DFB wird die Vorgänge nun schnell auswerten müssen. Eine Reform der Regionalliga wäre zumindest ein erstes Zeichen, dass der Dachverband auch im Sinne der Talentförderung handelt. Laut Neuendorf steht das Thema weiter auf der Tagesordnung.



