Die Berliner Philharmonie, ein Meisterwerk des Architekten Hans Scharoun, steht vor einer umfassenden Generalsanierung. Bereits ab 2032 müssen die Berliner Philharmoniker eine Ausweichspielstätte finden, da der Konzertbau für mehrere Jahre geschlossen werden muss. Die Kostenschätzung für die Sanierung beläuft sich auf einen potenziell milliardenschweren Betrag, der noch nicht endgültig beziffert ist.
Sanierungsbedarf: Marode Technik und versteckte Schäden
Die Philharmonie, eröffnet 1963, leidet unter erheblichem Sanierungsstau. Intendantin Andrea Zietzschmann beschreibt den Zustand drastisch: „Machen Sie hier mal eine Zwischendecke auf, da wollen Sie nicht genauer hinschauen.“ Allein die Motoren aus den 1960er Jahren im Keller seien veraltet, die Keilriemen marode. Die Generalüberholung betrifft nicht nur die Haustechnik, sondern auch die Akustik und die Bühnentechnik, die den modernen Anforderungen angepasst werden müssen.
Ersatzspielstätten: ICC vs. Tempelhofer Hangars
Die Suche nach einem temporären Quartier für die Philharmoniker hat zwei Hauptkandidaten hervorgebracht. Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey (SPD) plädiert für das Internationale Congress Centrum (ICC) am Messegelände. Das ICC, selbst sanierungsbedürftig, bietet mit seinen großen Sälen Platz für Konzerte und könnte als kultureller Anker wiederbelebt werden. Intendantin Zietzschmann hingegen bevorzugt die Hangars des ehemaligen Flughafens Tempelhof. Diese Hallen böten flexible Nutzungsmöglichkeiten und ausreichend Raum für die komplexen Anforderungen eines Orchesters. Beide Optionen haben Vor- und Nachteile hinsichtlich Akustik, Logistik und Kosten.
Finanzierung: Wer zahlt die Milliarden?
Die Finanzierung der Sanierung ist noch ungeklärt. Der Bund, das Land Berlin und die Stiftung Berliner Philharmoniker müssen sich über die Kostenverteilung einigen. Schätzungen gehen von einer Summe im hohen dreistelligen Millionenbereich bis zu einer Milliarde Euro aus. Die Entscheidung über die Ersatzspielstätte wird auch von den finanziellen Rahmenbedingungen abhängen. Die Wirtschaftssenatorin betont die Chance, mit der Sanierung des ICC gleich zwei Probleme zu lösen: die Unterbringung der Philharmoniker und die Wiederbelebung des Kongresszentrums. Die Intendantin hingegen warnt vor übereilten Entscheidungen und fordert eine gründliche Prüfung aller Optionen.
Zeitplan und Auswirkungen
Die Sanierung der Philharmonie soll nach der Spielzeit 2031/32 beginnen. Die Bauzeit wird auf mehrere Jahre veranschlagt. In dieser Zeit müssen die Philharmoniker umziehen und ihre Konzerte an einem anderen Ort veranstalten. Dies betrifft nicht nur die Abonnementskonzerte, sondern auch die zahlreichen Gastspiele und Aufnahmen, für die die einzigartige Akustik der Philharmonie bekannt ist. Die Umstellung auf eine provisorische Spielstätte könnte Auswirkungen auf das künstlerische Programm und die internationale Ausstrahlung des Orchesters haben. Die Verantwortlichen sind sich der Tragweite bewusst und streben eine Lösung an, die den hohen Ansprüchen des Orchesters gerecht wird.



