Polier kritisiert Rentenreform: „Früherer Ruhestand unmöglich“
Polier kritisiert Rentenreform: Früherer Ruhestand unmöglich

Ein 61-jähriger Polier aus dem Baugewerbe hat scharfe Kritik an den geplanten Rentenreformen geäußert. Bislang galt der Grundsatz: Wer jahrzehntelang hart gearbeitet hat, soll auch früher in den Ruhestand gehen können. Mit dem neuen Rentenpaket, das die Bundesregierung auf den Weg gebracht hat, wäre dies jedoch nicht mehr möglich. Der Betroffene, der namentlich nicht genannt werden möchte, rechnet in einem Gespräch mit dem Tagesspiegel mit den Plänen ab.

Der Arbeitsalltag eines Poliers: Früh aufstehen, lange arbeiten

Der 61-Jährige beschreibt seinen typischen Arbeitstag: „Ich stehe jeden Tag um spätestens halb sechs auf, damit ich um sieben Uhr auf der Baustelle bin. Und die Arbeit endet, wenn der letzte Beton gegossen ist: manchmal deutlich später als halb sechs abends.“ Hinzu kommen lange Anfahrtswege: „Dann noch 50, 60 Kilometer nach Hause fahren. Ich bin ja nicht immer am gleichen Ort beschäftigt, sondern da, wo wir gerade bauen.“ Aktuell arbeitet er an einem 50 Meter hohen Turm für eine Getreidetrocknungsanlage.

Die körperliche Belastung nimmt mit dem Alter zu

Mit 61 Jahren spürt der Polier die körperlichen Strapazen des Berufs deutlich. „Meine Arbeit ist anstrengend, alles ist mühsamer“, sagt er. Viele seiner Kollegen hätten bereits gesundheitliche Probleme wie Rückenbeschwerden oder Gelenkverschleiß. Die geplante Rentenreform, die das Renteneintrittsalter weiter anhebt und die abschlagsfreie Rente mit 63 einschränkt, trifft diese Berufsgruppe besonders hart.

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Kritik an der Politik: „Die wissen nicht, wie es auf dem Bau zugeht“

Der Polier zeigt wenig Verständnis für die politischen Entscheidungen: „Die da oben haben keine Ahnung, wie es auf dem Bau wirklich zugeht. Sie sitzen in ihren Büros und denken, man könne einfach bis 67 durcharbeiten. Aber wer jahrzehntelang auf dem Bau geschuftet hat, der ist mit 60 oft körperlich am Ende.“ Er fordert, dass die Politik die Realität der Arbeiter anerkennt und Ausnahmen für körperlich anstrengende Berufe schafft.

Die Auswirkungen der Rentenreform auf die Betroffenen

Das neue Rentenpaket sieht unter anderem vor, die Haltelinie für das Rentenniveau zu senken und die Beitragssätze zu erhöhen. Für viele Bauarbeiter bedeutet das: Sie müssen länger arbeiten, bekommen aber weniger Rente. „Das ist eine Katastrophe“, so der Polier. „Ich habe mein ganzes Leben lang hart gearbeitet und Steuern gezahlt. Jetzt soll ich bestraft werden, weil ich nicht bis 67 durchhalten kann?“

Forderung nach einer gerechteren Lösung

Der 61-Jährige plädiert für eine Reform, die die tatsächliche Arbeitsbelastung berücksichtigt. „Es kann nicht sein, dass ein Büroangestellter und ein Bauarbeiter die gleichen Regeln haben. Wir brauchen eine Rente nach Berufsgruppen, mit früherem Eintritt für Schwerstarbeiter.“ Ähnliche Forderungen kommen von Gewerkschaften wie der IG Bau, die seit Jahren auf die besonderen Belastungen im Baugewerbe hinweisen.

Zukunftsperspektiven: Was bleibt, ist Unsicherheit

Für den Polier und seine Kollegen bleibt die Zukunft ungewiss. Viele wissen nicht, ob sie gesundheitlich überhaupt bis zum regulären Rentenalter durchhalten können. „Ich hoffe, dass die Politik noch einmal nachdenkt und eine Lösung findet, die fair ist. Aber im Moment sieht es düster aus“, sagt er. Die Debatte um die Rentenreform wird in den kommenden Monaten weitergehen – und die Stimmen der Betroffenen werden lauter.

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