Streit um Hitlers letzten Bunker: Abriss für Wohnungsbau geplant
Streit um Hitlers letzten Bunker: Abriss geplant

Ein letztes Kapitel der NS-Geschichte soll in Berlin verschwinden: Auf dem Gelände von Hitlers letztem Bunker an der Voßstraße plant ein Hamburger Investor den Bau von 66 Wohnungen und einem Bürogebäude. Der Bunker, der als Fundament der Neuen Reichskanzlei diente und auf dem berühmten Kapitulationsfoto von 1945 zu sehen ist, soll abgerissen werden. Unterwelten-Forscher Dietmar Arnold (61) protestiert: „Man kann 2026 nicht mehr die Spuren der Täter einfach wegreißen. Der Bunker ist in Top-Zustand.“ Er schlägt vor, eine Erinnerungsstätte zur Kapitulation zu errichten und den Wohnungsbau auf dem Areal zu verschieben.

Bunker in Top-Lage: Eingang unter einem Hügel

Der Bunker liegt unter einem Hügel einer Brache in bester Lage hinter den Landesvertretungen von Hessen und Brandenburg, in Sichtweite des Brandenburger Tors. Die Nutzfläche beträgt insgesamt 1200 Quadratmeter. Über die Jahre haben sich 50 Zentimeter Sickerwasser angesammelt, die Decke aus Stahlbeton ist bis zu 1,70 Meter dick. Der Bunker ist der letzte Rest der Machtzentrale des Dritten Reiches und diente Mitarbeitern als Unterschlupf. Nach Kriegsende wurde die Neue Reichskanzlei abgerissen, der Bunker blieb jedoch erhalten, da er im Todesstreifen zwischen Ost- und West-Berlin lag und die Verkehrsbetriebe den nahen U-Bahn-Tunnel schützen wollten.

Landesdenkmalrat sieht Abbruch kritisch

Die interne Empfehlung des Landesdenkmalrates, die BILD vorliegt, sieht einen „möglichen Abbruch kritisch“. In dem Papier heißt es: „Die Neue Reichskanzlei war Planungs- und Ausgangsort des Zweiten Weltkriegs und steht symbolhaft auch für das katastrophale Ende des NS-Regimes.“ Berlins Senatsbaudirektorin Petra Kahlfeldt (65) entgegnet: „Die Denkmalschützer sehen nicht die Notwendigkeit, das zu erhalten – aber die Notwendigkeit der Dokumentation.“ Es gebe in Berlin bereits genug gut besuchte und erhaltene Unterwelten.

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Senat blockt: Kein Wallfahrtsort

Berlins Bausenator Christian Gaebler (61, SPD) lehnt den Erhalt ab: „Wir stehen dem Neubau von Wohnungen nicht im Wege, um einen Bunker zu erhalten, der dann womöglich noch zum Wallfahrtsort wird.“ Der Hamburger Investor hat die Brache an der Voßstraße über zehn Jahre von verschiedenen Eigentümern zu einem Baugrundstück zusammengekauft. Der Entwurf des Architekturbüros blrm aus Hamburg sieht ein Wohngebäude mit sieben Geschossen und 66 Wohnungen sowie ein Bürogebäude mit sechs Geschossen vor. Den Abriss des Bunkers begleitet das Berliner Landesdenkmalamt.

Nutzung des Bunkers während des Krieges

Hitler hatte den Bunker bei Bombenangriffen als Mutter-Kind-Unterschlupf freigegeben. Zeitweise betrieb das Rote Kreuz dort auch ein Notlazarett. Der Bau der Neuen Reichskanzlei (Bezug 1939) war mit 28 Millionen Reichsmark kalkuliert, wurde jedoch dreimal so teuer. Von dem Bunker unter der Neuen Reichskanzlei ist die Hälfte erhalten. Die Debatte um den Abriss zeigt die anhaltende Auseinandersetzung mit der NS-Geschichte in Berlin.

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