Überraschung bei Berliner CDU: Wolfram Wickert fordert Kai Wegner heraus
Wolfram Wickert fordert Kai Wegner bei Berliner CDU heraus

Berlin – Eine politische Überraschung erschütterte den CDU-Parteitag in Berlin: Wolfram Wickert (85), Bruder des bekannten TV-Journalisten Ulrich Wickert, gab überraschend seine Kandidatur für den Spitzenposten der Berliner CDU bekannt. Der 85-Jährige fordert damit den amtierenden Regierenden Bürgermeister Kai Wegner (53) heraus.

Stehende Ovationen für Wegner – dann die Gegenkandidatur

Der Parteitag in der ehemaligen Zigarettenfabrik von Philip Morris in Neukölln begann mit einer einstündigen Bewerbungsrede Wegners, die mit sieben Minuten stehenden Ovationen belohnt wurde. Doch dann ergriff ein älterer Herr das Mikrofon und erklärte seine Absicht, ebenfalls als CDU-Spitzenkandidat für die Berlin-Wahl am 20. September anzutreten. „Mit Wegner sacken wir ab!“ begründete Wickert seinen Schritt.

Wickerts politische Vergangenheit

Wolfram Wickert war jahrzehntelang Mitglied der SPD und arbeitete vor einem halben Jahrhundert im Büro von Bundeskanzler Helmut Schmidt. Nach dem Mauerfall beriet er die Regierung von Lothar de Maizière, vermittelt durch Helmut Kohl. Der in Shanghai geborene Diplomatensohn ist zudem Maler unter dem Künstlernamen Lao Lang. Sein Bruder Ulrich, der frühere Tagesthemen-Moderator, kam in Tokio zur Welt.

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Geheime Wahl nötig

Die überraschende Gegenkandidatur sprengte den durchgeplanten Ablauf des Parteitags. Statt einer Akklamation musste eine geheime Wahl organisiert werden. Stimmzettel wurden vorbereitet, verteilt und ausgezählt. Ein Wegner-Vertrauter aus Kreuzberg beschimpfte den Herausforderer: „Schämen Sie sich!“ Finanzsenator Stefan Evers (46) kommentierte mit Galgenhumor: „Sage noch einer, hier wird nichts geboten!“

Ergebnis: Wegner siegt klar

Die Erleichterung folgte um 20.30 Uhr: Nur 18 Delegierte stimmten für Wickert, während Wegner 252 Stimmen (92,4 Prozent) erhielt. „Das ist Unterstützung“, freute sich der gebürtige Spandauer. „Ich will Regierender Bürgermeister bleiben.“ Erneute stehende Ovationen und Wahlkampfslogans wie „Berlin wird“ begleiteten seinen Sieg. Wegner kündigte an, den Kurs der pragmatischen Mitte fortzusetzen und zu verhindern, dass die Linke das Rote Rathaus übernimmt. „Es wird eine Schicksalswahl für Berlin“, betonte er.

Wegners Pläne für Berlin

Die Union präsentierte ihre Pläne trotzig als Regierungsprogramm. Dazu gehören ein Verbot des Straßenstrichs, die Überwachung von Müll-Hotspots mit Videokameras und der Bau von 20.000 Wohnungen am Tempelhofer Feld.

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