Der Rückzug von Kai Wegner als Spitzenkandidat der Berliner CDU hat den Wahlkampf nach Einschätzung der Politikwissenschaftlerin Julia Reuschenbach grundlegend verändert. „Jetzt ist der Wahlkampf im Grunde völlig offen“, sagte sie in einem RBB-„Spezial“. Die CDU müsse den Wechsel als Belastung tragen. „Das ist natürlich eine Bürde für den Wahlkampf“, so Reuschenbach. Das Thema dominiere die Diskussion an den Wahlkampfständen.
Wegner-Rückzug und neue Spitzenkandidatur
Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner zog am Freitagnachmittag seine Spitzenkandidatur zurück. Er zog damit die Konsequenzen aus einer monatelangen Debatte um falsche Angaben über sein Krisenmanagement nach einem großen Stromausfall im Januar. Am Abend sprachen sich die CDU-Kreisvorsitzenden für Finanzsenator Stefan Evers als neuen Spitzenkandidaten aus. Evers ist seit langem in der Berliner Landespolitik aktiv.
Umfrage: CDU nur auf Rang vier
Das Abgeordnetenhaus wird am 20. September gewählt. In einer jüngsten Umfrage von Infratest dimap lag die CDU nur auf Rang vier – knapp hinter der Linken, den Grünen und der AfD. „Alle Parteien gleichauf, niemand klar in Führung und keine populäre Figur in dem Sinne“, beschrieb Reuschenbach die Lage. Kai Wegner sei zwar in der Stadt sehr bekannt gewesen. „Aber viele waren eben auch mit seiner Arbeit unzufrieden“, sagte die Expertin.
Herausforderungen für Evers
Reuschenbach verwies darauf, dass in den gerade begonnenen Sommerferien viele Menschen sich nicht mit Politik beschäftigten. Danach sei es für Evers im Wahlkampf schwierig, weil er noch Bekanntheit erlangen müsse. Was sich bereits abzeichne, sei eine starke Polarisierung zwischen CDU und Linke. „Und das verspricht natürlich auch einen, ich würde sagen, in weiten Teilen wahrscheinlich unangenehmen, harten Wahlkampf“, sagte Reuschenbach.



