Ein Treffen des realpolitischen Nachwuchses sorgt für Zoff zwischen der Grünen Jugend und der Mutterpartei. Im Fokus steht die Co-Parteichefin Franziska Brantner.
Hintergrund des Konflikts
Zu Beginn dieser Woche stand Grünen-Chefin Franziska Brantner in Berlin vor Kameras und sagte eine Reihe von Selbstverständlichkeiten. „Die Grüne Jugend ist extrem wichtig“, erklärte die Parteichefin. Ihr Wunsch sei es, dass sich darin alle wiederfinden, und sie freue sich auf den weiteren Austausch mit der Parteijugend. Die eigene Nachwuchsorganisation ist für die Partei wichtig, und Miteinanderreden auch: Bei den Grünen muss das offenbar gerade betont werden. Denn der Haussegen zwischen der Grünen Jugend und der Mutterpartei hängt seit ein paar Tagen ziemlich schief.
Anlass für die Missstimmung ist ein Treffen in Berlin vor eineinhalb Wochen. Bei der „Akademie der Jungen Realos“ kamen junge Grüne zusammen, die dem realpolitischen Flügel der Partei angehören, um sich auszutauschen und zu vernetzen. Zu den Gästen gehörte auch Parteichefin Brantner. Und zu den Organisatoren der Leiter ihres Bundestagsbüros.
Frontalangriff der Grünen Jugend
Bei der Grünen Jugend gingen da die Alarmglocken an. Der Jugendverband der Grünen gilt als deutlich linker als die Partei insgesamt, und es ist kein Geheimnis, dass gerade Parteichefin Brantner – fest verankert im Realo-Lager – sich in der Vergangenheit geärgert hat über Wortmeldungen der GJ. Für Kopfschütteln sorgte in der Bundesgeschäftsstelle etwa eine Äußerung vom Wahlabend in Baden-Württemberg. Die ersten Hochrechnungen, die die Grünen als Sieger sahen, waren noch nicht alt, als Luis Bobga, Co-Chef der Grünen Jugend, sagte, er habe „Fragezeichen“, ob Wahlsieger Cem Özdemir wirklich grüne Politik mache.
Vor diesem Hintergrund fürchten Bobga und die Co-Vorsitzende Henriette Held offenbar, Brantner könnte über die Unterstützung des Realo-Netzwerks versuchen, die offizielle Nachwuchsorganisation zu untergraben. Am Wochenende entschied sich die GJ-Spitze zum Frontalangriff: „Aus den Büros und dem Umfeld von Franziska Brantner und Heiko Knopf [Vize-Parteichef, Anm. d. Red.] wird immer wieder kommuniziert, dass die Grüne Jugend nicht allen jungen Menschen in der Partei offensteht und damit ihrer Aufgabe nicht gerecht wird“, sagte Held der „Süddeutschen Zeitung“. Das sei nicht länger hinnehmbar und „schädigt die Geschlossenheit in der Partei“, so Held. Bobga sprach davon, dass Brantner ihrer Verantwortung als Parteivorsitzende nicht gerecht werde.
Reaktion der Jungen Realos
Daniel Eliasson, einer der Koordinatoren der Jungen Realos, weist diese Sichtweise zurück. „Mich ärgert der Vorwurf, die Jungen Realos seien aus der Parteispitze gesteuert“, sagte er dieser Redaktion. „Damit wird uns abgesprochen, unabhängig zu sein. Weil man bei der GJ nicht akzeptieren will, dass es junge Leute bei den Grünen gibt, die auf dem Mitte-Links-Spektrum etwas mehr Richtung Mitte tendieren.“ Ein Großteil der Jungen Realos sei selbst Mitglied bei der GJ, und habe auch kein Interesse an einem „Schlagabtausch“ mit dem Jugendverband. „Wir wollen als Junge Realos einfach unser Ding machen und uns austauschen können“, sagt Eliasson.
Held und Bobga wollten sich am Dienstag nicht weiter äußern. Den öffentlichen Schlagabtausch wollen auch GJ und Parteispitze jetzt schnellstmöglich beenden.



