Merz setzt auf alten Vertrauten – doch das Risiko ist hoch
Für Friedrich Merz begann die Woche mit einer Chance und einem Risiko. Das Risiko: Er machte es sich bei der Suche nach einem neuen Fraktionschef einfach und schlug seinen alten Weggefährten Thorsten Frei vor. Gemeinsam mit CSU-Chef Markus Söder nominierte Merz den bisherigen Kanzleramtschef als Nachfolger von Jens Spahn. Die Abgeordneten sollen Frei in einer Sondersitzung nächste Woche wählen.
Frei war in der vergangenen Legislaturperiode als Parlamentarischer Geschäftsführer der Unionsfraktion eine wirkungsvolle rechte Hand von Merz. Doch in den letzten 14 Monaten als Kanzleramtsminister enttäuschte er selbst wohlwollende Weggefährten: zu chaotisch, zu wenig detailorientiert, zu öffentlichkeitsaffin für den Posten, der eigentlich Hinterzimmer-Virtuosität erfordert.
Die zweite Chance: Fraktionschef mit Profil
Merz hat noch eine zweite Chance: Er kann selbst Fraktionschef werden. Zwar hat er diesen Posten nach der verlorenen Bundestagswahl zunächst nicht angestrebt, doch die Lage hat sich geändert. Sollte Frei durchfallen, könnte Merz einspringen und so seine Führungsposition in der Union festigen. Das wäre ein Signal der Geschlossenheit, aber auch ein Risiko, falls die Partei weiter an Zustimmung verliert.
Reaktionen aus der Union: Skepsis und Unterstützung
In der Unionsfraktion gibt es gemischte Reaktionen. Einige Abgeordnete sehen in Frei den richtigen Mann, andere zweifeln an seiner Eignung. „Thorsten Frei hat als Kanzleramtsminister keine glänzende Figur abgegeben“, zitiert die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ einen namentlich nicht genannten Abgeordneten. „Aber er kennt die Fraktion und hat Merz‘ Vertrauen.“
Sollte Frei scheitern, könnte dies Merz‘ Position schwächen. Die zweite Chance wäre dann vertan, und die Union stünde vor einer offenen Führungsfrage.



