Nach Spahn-Rücktritt: Merz vor schwieriger Nachfolgesuche
Spahn-Rücktritt: Merz vor schwieriger Nachfolgesuche

Der Rücktritt von Jens Spahn als Fraktionschef der Union hat Kanzler Friedrich Merz (CDU) vor ein neues Problem gestellt: Die Suche nach einem Nachfolger oder einer Nachfolgerin birgt erhebliches Konfliktpotenzial. Dabei hatte die CDU-Spitze zunächst gehofft, mit dem schnellen Rückzug Spahns die Wogen zu glätten. Doch die Debatte über die Neubesetzung des einflussreichen Postens kommt in den eigenen Reihen nicht gut an.

Spahn-Rücktritt: Überraschende Wucht des Unmuts

Was nach strategischem Kalkül aussieht, war nach Angaben von Beteiligten eher eine Reaktion auf die überraschende Wucht des Unmuts über Spahns Elternschaft mithilfe einer Leihmutter in den USA. Kanzler Merz hatte am Donnerstag noch gesagt, Spahn habe ihn vergangenen Freitag informiert und er habe ihm gratuliert. „Er sei sich bewusst, wie sehr das Thema in seiner ganzen Dimension menschlich, juristisch, gesellschaftlich, ethisch sehr viele Menschen im Augenblick in Deutschland aus diesem aktuellen Anlass bewegt“, erklärte Merz dann am Freitag. Als Spahn über die „Bild“-Zeitung mitteilte, die Fraktion solle im September über sein Schicksal entscheiden, schrillten in der Unionsführung die Alarmglocken. Merz soll Spahn in direkten Gesprächen in der Nacht zu Samstag zum Rücktritt aufgefordert haben.

Glaubwürdigkeitsproblem vor Landtagswahlen

Der Druck aus der eigenen Partei war zu groß geworden. „Hier entsteht der Eindruck, dass Politiker Regeln beschließen, die für alle gelten sollen – außer für sie selbst“, brachte der Bochumer Politologe Oliver Lembcke das Problem auf den Punkt. Die Leihmutterschaft ist in den USA legal, in Deutschland jedoch verboten und wird gerade von der CDU abgelehnt. Hinzu kam wachsender Unmut darüber, dass Spahn Parteichef Merz und die Fraktion so spät informiert hatte. Immerhin hatte er sich erst Anfang Mai als Fraktionschef wiederwählen lassen. Seine Planung für die Elternschaft muss aber weitaus länger zurückliegen.

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Spahn war tragende Säule der Koalition

Mehrere Koalitionspolitiker sehen die Entwicklung dennoch als tragisch bis gefährlich an, weil Spahn in den vergangenen Monaten zu einer der tragenden Säulen der schwarz-roten Koalition avancierte. 2025 war ihm noch vorgeworfen worden, angesichts der ersten missglückten Kanzlerwahl, der gescheiterten Wahl von Frauke Brosius-Gersdorf zur Bundesverfassungsrichterin und des Renten-Aufstands der jungen Unionisten die Fraktion nicht im Griff zu haben. 2026 änderte sich dies erheblich. Mit SPD-Fraktionschef Matthias Miersch verband ihn ein enges Vertrauensverhältnis. „Jetzt müssen wir sehen, ob die Zusammenarbeit so vertrauensvoll fortgesetzt werden kann“, sagt ein führender CDU/CSU-Politiker.

NRW-Dominanz bei Spitzenposten kritisiert

Merz kündigte an, zusammen mit CSU-Chef Markus Söder einen Vorschlag zu machen – was in der Unions-Fraktion prompt als erneut unglücklich aufstieß. „Es wäre schon gut, wenn er das in vorangehender Abstimmung mit uns tun könnte“, kritisierte ein selbstbewusster CDU-Parlamentarier. Ein anderer verwies darauf, dass der CDU-Chef tunlichst die Chance nutzen sollte, die NRW-Dominanz bei den Spitzenposten zu brechen. Denn der Sauerländer Merz hatte mit Spahn und Generalsekretär Carsten Linnemann gleich alle Top-Positionen der CDU aus seinem Bundesland besetzt. „Bei allem Respekt, es gibt auch andere Bundesländer“, kritisiert der CDU-Abgeordnete.

Mögliche Nachfolger: Frei, Dobrindt oder Warken

In der Öffentlichkeit begann schnell eine Debatte über einen Ringtausch, bei dem der umstrittene Kanzleramtschef Thorsten Frei zurück in die Fraktion wechseln könnte. Dann müsste Merz einen Nachfolger im Kanzleramt finden, wobei unter anderem der Name Günther Krings fällt – der rechtspolitische Sprecher der Fraktion und wieder ein NRW-Politiker. Möglich ist aber auch eine ganz andere Lösung. Spekuliert wurde nicht nur über Innenminister Alexander Dobrindt von der CSU, der dann durch Frei ersetzt werden könnte. Auch der Name Nina Warken kam ins Spiel. Die aus Baden-Württemberg stammende Gesundheitsministerin hat sich Respekt durch ihre Gesundheitsreform erworben, auch wenn einzelne Bestandteile umstritten sind. Mit ihr könnte erstmals eine Frau an die Spitze der Fraktion rücken – und der Weg wäre frei, einen anderen Landesverband mit dem Gesundheitsministerium zu betrauen.

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