Tönnies und Stevens lehnen Ehrenpräsidium auf Schalke ab
Tönnies und Stevens lehnen Ehrenpräsidium auf Schalke ab

Clemens Tönnies und Huub Stevens haben ihre Kandidatur für das Ehrenpräsidium des FC Schalke 04 zurückgezogen. Auf der Mitgliederversammlung des Bundesliga-Aufsteigers in der Veltins-Arena wurde bekanntgegeben, dass beide nicht zur Verfügung stehen. Hintergrund ist ein Antrag auf Satzungsänderung, der die Meinungsfreiheit von Ehrenpräsidiumsmitgliedern einschränken sollte.

Satzungsänderung scheitert knapp

Der Antrag des Aufsichtsrats sah vor, dass sich Mitglieder des Ehrenpräsidiums künftig nicht mehr öffentlich zum operativen Geschäft äußern dürfen. Die Mitglieder verweigerten jedoch ihre Zustimmung: Mit gut 60 Prozent wurde die erforderliche Zweidrittel-Mehrheit verfehlt. Dennoch hatten Tönnies und Stevens bereits vor der Abstimmung ihren Verzicht erklärt.

Schreiben mit deutlichen Worten

In einem Schreiben an den Verein, aus dem die „Bild“-Zeitung zitiert, begründen die beiden ihre Entscheidung: „In den vergangenen Wochen haben wir in vielen Gesprächen aber auch gemerkt, dass es rund um unsere Kandidatur für das Ehrenpräsidium Vorbehalte und Diskussionen gibt. Gepaart mit dem Antrag auf Satzungsänderung in Bezug auf das Ehrenpräsidium (Stichwort Maulkorb), den der Aufsichtsrat in letzter Instanz nicht einkassiert hat, sind wir nach reiflicher Überlegung zu der Entscheidung gelangt, unsere Kandidatur für dieses Jahr zurückzuziehen.“ Eine Mitwirkung in diesem wichtigen Gremium sei mit dem eingeschränkten Recht auf freie Meinungsäußerung keine Option.

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Peter Lange gewählt

Statt Tönnies und Stevens wählten die 4902 stimmberechtigten Mitglieder das frühere Aufsichtsratsmitglied Peter Lange ins Ehrenpräsidium. Tönnies war von 2001 bis 2020 Schalkes Aufsichtsratsvorsitzender. Stevens, von den Fans 1999 zum „Jahrhunderttrainer“ gewählt, prägte die erfolgreiche Ära des Klubs.

Tönnies‘ umstrittene Vergangenheit

Tönnies trat 2020 unter starkem Druck aus der Fanszene von seinen Ämtern zurück – neben dem Aufsichtsratsvorsitz auch die Mitgliedschaft im Wirtschafts- und Eilausschuss. Der Milliardär hatte mit rassistischen Aussagen für Unmut gesorgt; später sorgte ein Corona-Ausbruch mit rund 1500 Infizierten in seinem Schlachtbetrieb für Negativschlagzeilen. Für seine rassistischen Kommentare ließ Tönnies seine Aufgaben drei Monate ruhen. Während sich innerhalb des Klubs kaum Opposition formierte, war sein Ansehen in der Öffentlichkeit schwer beschädigt – und damit auch das Image von Schalke 04.

Proteste und Gegenproteste

Anfang des Jahres regte sich heftiger Protest aus der Fanszene, als Überlegungen öffentlich wurden, Tönnies für das Ehrenpräsidium vorzuschlagen. „Halt dich an dein Wort, Schweinepriester!“ prangte beim Heimspiel gegen Dynamo Dresden im Schalker Fanblock. Dagegen formierte sich prominenter Gegenprotest: „Als ehemalige und zum Teil langjährige Funktionsträger oder Sponsoren des FC Schalke 04 schämen wir uns für das, was am Samstag geschehen ist“, schrieb eine Gruppe um Huub Stevens, Peter Neururer, Ex-Aufsichtsräte und Sponsoren. „Und wir sind der Überzeugung, dass es eigentlich jedem echten Schalker peinlich sein muss, wie das Bild und Image unseres Vereins dadurch in Mitleidenschaft gezogen worden ist.“ Die Verfasser beklagten die „Gossensprache“ und deuteten rechtliche Schritte an.

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