Völler bleibt DFB-Sportdirektor: Zukunft mit Klopp und Kritik an Nagelsmann-Foto
Völler bleibt DFB-Sportdirektor: Zukunft mit Klopp

Rudi Völler (66) bleibt dem DFB erhalten! Der legendäre Ex-Stürmer und Weltmeister von 1990 hat entschieden, dass er an der Seite des designierten neuen Bundestrainers Jürgen Klopp (59) die Zukunft des deutschen Fußballs mitgestalten wird. Anrufe von Klopp und auch von Red-Bull-Chef Oliver Mintzlaff (50) haben den DFB-Sportdirektor Völler darin bestärkt.

Völler bestätigt Verbleib beim DFB

Völler bestätigte am Dienstag in Frankfurt: „Ich habe mich hinterfragt, macht das jetzt alles noch Sinn, wie wir es eigentlich am Anfang geplant haben? Wir kamen dann nach ein paar Tagen schnell zum Entschluss. Natürlich hing das auch damit zusammen, dass alle Verantwortlichen beim DFB, angefangen mit Bernd Neuendorf und Aki Watzke, sofort damit auf mich zugekommen sind, dass sie auch wollten, dass ich das unbedingt weitermache. Und natürlich auch viele aus der Liga, die sich bei mir gemeldet haben. Auch Jürgen Klopp hat sich bei mir gemeldet. Wir haben gesprochen, relativ lange, was ja logischerweise auch richtig ist. Dieses Gesamtpaket ist natürlich auch wichtig für mich gewesen, dass ich weiter mache. Das ist jetzt die Grundaussage. Und es ist auch ein gutes Zeichen, finde ich, dass auch Oliver Mintzlaff mich gestern angerufen hat und auch gesagt hat: Rudi du musst weitermachen. Das wird mit dem Jürgen super klappen, das wird kein Problem sein, wir werden super zusammenarbeiten und dann werden wir versuchen, wieder erfolgreich bei der Nationalmannschaft zu sein und optimistisch in die Zukunft zu schauen.“

Verhandlungen mit Jürgen Klopp

Völler sprach außerdem über die Verhandlungen mit Jürgen Klopp: „Ich wollte Klopp schon in Leverkusen haben, als er noch bei Mainz war. Er hat sich dann für Dortmund entschieden und das war ja dann auch okay. Es ist die richtige Entscheidung, jetzt vor Ort (in New York) mit ihm zu sprechen. Das machen mit (DFB-Präsident) Bernd Neuendorf und Aki (Watzke) die wichtigsten Personen im deutschen Fußball, die die Gespräche führen. Und das ist richtig.“

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Nagelsmanns Abfindung und Kritik

Über den zurückgetretenen Bundestrainer Julian Nagelsmann (38) und dessen Abfindung von angeblich 7 Millionen Euro sagte Völler: „Auf Zahlen werde ich jetzt nicht eingehen, aber es ist weniger als das, was ihr alle geschrieben habt. Mir ist wichtig, dass ich weiterhin total überzeugt bin, dass Julian Nagelsmann ein Top-Trainer ist und es ein Glücksfall für uns war, dass er damals auf dem Markt war. Julian wird wieder einen Topklub trainieren. Da bin ich sicher. Es gibt ein paar Dinge, die man kritisch sehen kann. Die extreme Kritik an Julian fand ich ungerecht, da tut er mir leid. Es gab durchaus unglückliche Aussagen von Julian, aber die Stimmung um ihn war vor dem Turnier schon nicht gut.“

Das Fahrrad-Foto und die Familien-Tage

Zu Nagelsmanns Ehefrau Lena und den Familien-Tagen im Team-Hotel in Winston Salem äußerte sich Völler: „Fotos haben einfach eine Wucht. Das ominöse Foto mit Lena auf dem Fahrrad hat der Sache sicherlich nicht gut getan. Das war nicht optimal, ist aber nicht mehr zu lösen. Das waren Kleinigkeiten, die man nicht noch mal machen muss. Aber deswegen haben wir nicht drei Elfmeter verschossen im Spiel gegen Paraguay. Oder der Schiri hätte auch das Tor geben können von Jonathan Tah, das hat damit auch nichts zu tun. Das sind Kleinigkeiten, die muss man nicht unbedingt nochmal machen. Aber, ja, das war nicht schön, aber muss aber auch nicht übertreiben. Und generell die Familiengeschichten: natürlich war das auch da die Wucht und die Macht der Bilder. Das war dann oft zu sehen, dass die dann kamen. Aber am Ende waren es ja doch nur fünf, sechs Familien, die dann ab und zu mal vorbeigeguckt haben, die eine Nacht da waren und am nächsten Tag sind sie dann wieder abgereist. Das haben wir zu Hause gemacht und bei der Heim-EM und auch vorher in Katar wurde das so gehandhabt. Ja, jetzt kann man im Nachhinein sagen, müssen wir das jetzt in England auch wieder so machen. Wahrscheinlich wird es dann ein bisschen anders gehandhabt, ich weiß es noch nicht. Das wird man dann sehen.“

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Stimmung vor und während der WM

Über die Stimmung rund um Nagelsmann und die Nationalelf vor und während der WM sagte Völler: „Diese Hypothek schon vor der WM – ich habe ja versucht, immer so ein bisschen gegenzusteuern, dass eine gute Stimmung aufkommt. Aber ich habe schnell gemerkt, dass diese Diskussion, durch die Nominierung, durch Aufstellung, durch ein paar unglückliche Aussagen von Julian, dass dann die Stimmung nicht richtig gut rüberkam. Das habe ich schon verstanden, habe auch mitbekommen. Wie gesagt, ich fand es immer einen Tick zu hart gegenüber Julian Nagelsmann, aber trotzdem versucht man dann auch vernünftig mit umzugehen.“

Kimmichs Position und Körperlichkeit

Zu den Experten-Diskussionen um Joshua Kimmichs Position als rechter Verteidiger oder zentraler Mittelfeldspieler erklärte Völler: „Mit Jo Kimmich haben wir die ganze Quali gespielt auf der Position und er hat das gut gemacht. Und es hat sich auch schon nach den ersten Spielen herausgestellt, dass Pavlovic und Nmecha es gut machen auf der Position. Dass es danach ein bisschen weniger geworden ist bei den beiden, hat sich natürlich auch keiner gewünscht. Aber die Diskussion an sich, die verstehe ich auch, dass es eine Diskussion sein wird, jetzt wieder unter dem neuen Trainer, hoffentlich dann auch Jürgen Klopp. Dass die dann auch wieder hochkommt, das verstehe ich auch. Dass es diese Diskussion geben wird. Und die ist auch nachvollziehbar. In dem Fall verstehe ich aber auch Julian. Da hat er auch recht gehabt. Wir haben elfmal hintereinander gewonnen bis zum Spiel gegen Ecuador. Das haben wir immer so gespielt, und es hat einfach dann auch gut funktioniert.“

Zum Vorwurf der fehlenden Körperlichkeit an die Nationalspieler meinte Völler: „Mit Körperlichkeit dagegenzuhalten, war schon ein Problem. Da hat ein bisschen die Widerstandskraft gefehlt. Wenn man dreimal in Folge bei Weltmeisterschaften enttäuscht, ist das kein Zufall. Man muss ehrlich sagen, dass wir auf bestimmten Positionen nicht mehr Weltklasse sind.“

Zukunft des DFB und Trump-Infantino-Skandal

Über mögliche Nachfolger von Geschäftsführer Andreas Rettig und die Neubesetzung von Posten beim DFB sagte Völler: „Die 2014er Generation ist jetzt in der Pflicht. Ob Per, Mats, Basti, Sami oder Thomas Müller – sie alle kann ich mir beim DFB vorstellen. Man muss es aber auch wollen. Ich traue es ihnen auf jeden Fall zu. Ob nach mir oder mit mir.“

Zum Trump-Infantino-Skandal um die ausgesetzte Rot-Sperre des US-Nationalspielers Folarin Balogun äußerte sich Völler: „Selbst wenn es nicht den Anruf bei Infantino gegeben hätte, wäre das Ganze furchtbar für den Fußball. Gott sei Dank hat Belgien gewonnen. Selbst Infantino wird ein Stein vom Herzen gefallen sein, auch wenn er das nicht zugeben wird. Aber ich kenne ihn ja. Das Entscheidende ist, und das ist viel schlimmer als dieser Friedenspreis, über den man schmunzeln kann: Das hat definitiv dem Fußball geschadet.“