Wegner-Rückzug: Stefan Evers wird CDU-Spitzenkandidat für Berlin-Wahl
Wegner-Rückzug: Evers wird CDU-Spitzenkandidat

Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) hat am Freitag seinen Rückzug von der Spitzenkandidatur für die Abgeordnetenhauswahl im September erklärt. Er bleibt jedoch bis zur Wahl im Amt. Als neuer Spitzenkandidat zeichnet sich Finanzsenator Stefan Evers ab, der am Freitagabend bei einem Treffen der CDU-Kreisvorsitzenden in Charlottenburg als Favorit gehandelt wurde. Die Entscheidung fällt formell der CDU-Landesvorstand.

Rückendeckung für Stefan Evers aus den Kreisverbänden

Mehrere Kreisvorsitzende sprachen sich öffentlich für Evers aus. Der Lichtenberger Kreisvorsitzende Christian Pätzold sagte vor der Sitzung: „Mit Stefan Evers haben wir eine gute Wahl mit Regierungserfahrung. Er wird bei den Berlinerinnen und Berlinern mit seiner sachlichen Art sehr gut ankommen.“ Auch Pankows Kreischef Dirk Stettner nannte Evers einen „hervorragenden Kandidaten“. Der mächtige Kreisverband Steglitz-Zehlendorf positionierte sich ebenfalls: Kreisvorsitzender Stephan Standfuß erklärte dem Tagesspiegel: „Aufgrund der letzten Kampagne wissen wir, dass er frische Ideen für die Stadt hat und mit großer Begeisterung für Berlin arbeitet. Er ist ein echtes Arbeitstier.“

Evers spricht von „Schicksalswahl“ für Berlin

Stefan Evers selbst äußerte sich auf der Plattform X zum Rückzug Wegners und richtete den Blick nach vorn: „Diese Stadt steht am Wendepunkt. Die Wahl im September wird eine Schicksalswahl.“ Er betonte die Kontinuität zur bisherigen Senatsarbeit: Es gehe darum, „den eingeschlagenen Weg konsequent fortzusetzen und unsere Stadt weiter voranzubringen“. Zugleich zeigte er sich loyal gegenüber Wegner: „Berlin und die CDU haben Kai Wegner viel zu verdanken. Berlin habe drei erfolgreiche Jahre hinter sich. Diese Erfolge wären ohne Kai Wegner nicht denkbar gewesen. Dafür sage ich als Berliner und als Wegbegleiter von Herzen: Danke.“

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Wegners Rückzug: Konsequenz aus monatelanger Debatte um Stromausfall-Lüge

Wegner zog die Konsequenzen aus einer monatelangen Debatte um falsche Angaben über sein Krisenmanagement nach einem großen Stromausfall im Januar. Er hatte den Eindruck erweckt, in der Krise mehrfach persönlich mit Bundeskanzler Friedrich Merz telefoniert zu haben. Am Freitagmittag übermittelte das Kanzleramt überraschend Informationen zu Kontakten mit Wegner während des Stromausfalls – noch bevor das Verwaltungsgericht über einen Eilantrag des Tagesspiegels entschieden hatte. Die Auskunft des Kanzleramts: „Dass, soweit feststellbar, der Bundeskanzler während der Dauer des fragegegenständlichen Stromausfalls in Berlin im Januar 2026 kein persönliches Gespräch mit dem Regierenden Bürgermeister von Berlin Wegner geführt hat, weder in Anwesenheit persönlich noch telefonisch.“ Wochenlang hatte das Kanzleramt diese Informationen verweigert.

Reaktionen der politischen Konkurrenz

Die Spitzenkandidatin der Linken, Erlif Eralp, kritisierte: „Kai Wegner hat keine Verantwortung für sein Fehlverhalten übernommen. Damit hat er der Politik insgesamt großen Schaden zugefügt.“ Die AfD-Fraktionsvorsitzende Kristin Brinker erklärte: „Wegner hat mit seinem selbstgerechten Statement ein weiteres und hoffentlich letztes Mal unter Beweis gestellt, dass er dem Amt als Regierender Bürgermeister charakterlich nicht gewachsen ist.“ SPD-Spitzenkandidat Steffen Krach sagte: „Es bleibt die Frage, warum Wegner und seine CDU ein halbes Jahr für die Wahrheit gebraucht haben. Es steht ein System Wegner, das für eine unfassbare Selbstbedienungsmentalität bei Fördergeldern, eine desaströse Verkehrspolitik und Lügen im höchsten Amt steht.“ BSW-Spitzenkandidat Alexander King attestierte der Berliner CDU ein „erschreckendes Maß an Kaltschnäuzigkeit und Gleichgültigkeit gegenüber den Nöten der Bevölkerung“. FDP-Spitzenkandidat Christoph Meyer meinte: „Der Rücktritt von Kai Wegner als Spitzenkandidat kommt viel zu spät. Er zieht die Konsequenzen erst, nachdem der Druck und die Panik aus den eigenen Reihen zu groß wurden.“ Grünen-Bürgermeisterkandidat Werner Graf erklärte: „Kai Wegner und die CDU haben mit ihrem Handeln der Stadt und der Demokratie in Berlin und weit darüber hinaus einen großen Schaden zugefügt.“

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Koalitionspartner SPD zeigt Respekt

SPD-Fraktionschef Raed Saleh zeigte sich versöhnlich: „Wir haben Respekt vor der Entscheidung von Kai Wegner und danken für die bisherige Zusammenarbeit, die absprachefest und kollegial verlässlich war.“ Die Gremien der SPD würden den Fortgang beraten. Saleh stehe mit Dirk Stettner in Kontakt. Wegner selbst hatte in seiner Rückzugserklärung die Erfolge der schwarz-roten Koalition hervorgehoben, darunter die Verwaltungsreform und funktionierende Bürgerämter.