Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) hat ein eigenes Rentenkonzept vorgelegt, das als Gegenentwurf zur offiziellen Regierungslinie gilt. Die zentrale Botschaft: Mehr Rente – ohne längere Lebensarbeitszeit. Das Konzept verspricht den Ruheständlern 70 bis 90 Prozent ihres letzten Nettoeinkommens. Finanziert werden soll dies durch höhere Beiträge von Gutverdienern und Arbeitgebern.
DGB-Chefin Fahimi setzt auf Kühnert und Lang
DGB-Chefin Yasmin Fahimi (58) ließ seit Jahresbeginn eigene Fachleute beraten, darunter die Grünen-Politikerin Ricarda Lang (32) und den früheren SPD-Generalsekretär Kevin Kühnert (36). Ihr Auftrag: eine Alternative zu den Regierungsplänen entwickeln. Das Ergebnis sieht vor, dass Arbeitgeber verpflichtet werden, betriebliche Altersvorsorge für alle Beschäftigten anzubieten. In der gesetzlichen Rente soll das Rentenniveau von heute 48 Prozent zunächst auf 50 Prozent steigen, im nächsten Schritt auf 53 Prozent.
Finanzierung durch Gutverdiener und Arbeitgeber
Die Kosten sollen durch „leicht erhöhte Beiträge“ sowie einen höheren Zuschuss aus dem Bundeshaushalt gedeckt werden. Für diesen „Demografiezuschuss“ sollen „hohe Einkommen, große Vermögen und Kapitaleinkünfte“ herangezogen werden. Zudem sollen mehr Menschen in die gesetzliche Rente einzahlen: Selbstständige und Politiker wie Bundestagspräsidentin Bärbel Bas (SPD, 58) und Ricarda Lang (Grüne, 32) sollen künftig die Rentenkasse auffüllen. Ein wesentlicher Unterschied zum Regierungskonzept: keine Rente mit 70.
Regierung setzt auf drei Säulen und Rente mit 70
Erst am Dienstag hatte die offizielle Rentenkommission der Bundesregierung ihre 33 Empfehlungen vorgelegt. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und Sozialministerin Bärbel Bas (SPD) kündigten an, das Maßnahmenbündel zügig und vollständig umzusetzen. Das Konzept der Regierungskommission verlässt sich nicht nur auf gesetzliche und betriebliche, sondern als dritte Säule auch auf die private Altersvorsorge. Es peilt 70 Prozent des letzten Nettoeinkommens als Rentenhöhe an. Dafür sollen Arbeitnehmer und Arbeitgeber zusammen zwei Prozent des Bruttolohns einzahlen. Anders als bei den DGB-Plänen soll das Rentenalter schrittweise auf 70 Jahre steigen.



