Gottesdienst im Maßregelvollzug: Superintendent predigt über Nächstenliebe
Gottesdienst im Maßregelvollzug: Superintendent predigt Nächstenliebe

Die Sonne scheint grell durch das Baumkronendach der Eichen, in der Luft liegt der Geruch von kaltem Tabakrauch, der Klang von Kirchenglocken unterbricht rege Unterhaltungen. Aber Moment mal: Hier steht überhaupt keine Kirche. Der Ort des Geschehens ist der Maßregelvollzug in Berlin-Reinickendorf, wo am Sonntag ein besonderer Gottesdienst stattfand.

Superintendent predigt im Maßregelvollzug

Vor dutzenden Besuchern hielt der Superintendent der Evangelischen Kirche Reinickendorf, Dr. Christian Stäblein, eine Andacht im Maßregelvollzug. In seiner Predigt ging es um Nächstenliebe, Vergebung und Gemeinschaft. „Gott liebt nicht die Sünde – aber den Sünder“, betonte Stäblein vor den Anwesenden, darunter Patienten, Mitarbeiter und geladene Gäste.

Der Maßregelvollzug ist eine Einrichtung für psychisch kranke Straftäter, die hier behandelt werden. Der Gottesdienst war Teil eines Projekts, das den Kontakt zwischen der Kirche und den Patienten fördern soll. „Es ist wichtig, dass wir als Kirche auch an solchen Orten präsent sind“, erklärte Stäblein.

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Nächstenliebe und Vergebung im Fokus

Die Predigt drehte sich um das biblische Gebot der Nächstenliebe, das auch für Menschen gelte, die Fehler gemacht haben. „Vergebung ist ein zentraler christlicher Wert“, so der Superintendent. „Wir müssen lernen, einander zu vergeben, auch wenn es schwerfällt.“ Die Besucher zeigten sich bewegt von der Botschaft.

Nach der Andacht gab es Gelegenheit zum Gespräch bei Kaffee und Kuchen. Viele Patienten nutzten die Möglichkeit, mit dem Superintendenten ins Gespräch zu kommen. „Es tut gut, mal wieder eine normale Unterhaltung zu führen“, sagte ein Patient, der namentlich nicht genannt werden wollte.

Ein ungewöhnlicher Gottesdienstort

Der Maßregelvollzug in Berlin-Reinickendorf ist eine von mehreren Einrichtungen dieser Art in der Hauptstadt. Die Patienten sind dort untergebracht, weil sie aufgrund psychischer Erkrankungen nicht in regulären Justizvollzugsanstalten sein können. Der Gottesdienst fand im Innenhof statt, der von hohen Mauern umgeben ist.

Die Evangelische Kirche Reinickendorf plant, solche Gottesdienste regelmäßig anzubieten. „Wir wollen den Menschen hier zeigen, dass sie nicht vergessen sind“, sagte Stäblein. „Die Kirche ist für alle da, auch für die, die am Rand der Gesellschaft stehen.“

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