Die Bundesregierung will mit einer neuen „Heimat-Agenda“ das Zusammengehörigkeitsgefühl in Deutschland stärken und gezielt gegen Frust in ländlichen und städtischen Räumen vorgehen. Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer (CSU), der im schwarz-roten Kabinett auch für Heimatpolitik zuständig ist, stellte das Programm im brandenburgischen Chorin vor. „Unsere Heimat gehört denen, die sich um das Miteinander kümmern, nicht denen, die das Gegeneinander organisieren“, sagte Rainer bei der Vorstellung der Agenda mit dem Titel „Miteinander ist es Heimat“.
Regelmäßige Dialoge und repräsentative Umfrage
Kern der Agenda sind künftig regelmäßige „Heimat-Dialoge“ des Ministeriums gemeinsam mit Ländern, Kommunen, Verbänden und weiteren Partnern. Ergänzend soll ein „Heimatreport“ in Form einer repräsentativen Umfrage die Ansichten der Bürger ermitteln und konkrete Handlungsfelder aufzeigen. Ein neuer „Bundespreis Heimat“ soll Menschen und Initiativen auszeichnen, die sich besonders für das Miteinander engagieren. „Wir gehen dorthin, wo man uns braucht, etablieren verbindliche Formate und gehen dann direkt in die Umsetzung“, betonte Rainer. Heimat sei am stärksten, wenn Menschen konkret erleben, dass sie Dinge so gestalten können, wie sie es brauchen.
Kein zusätzliches Geld – Fördermittel breiter streuen
Angesichts knapper öffentlicher Kassen stellte Rainer keine neuen Finanzmittel in Aussicht. Stattdessen sollen bestehende Fördermittel breiter wirken, sodass nicht jedes Projekt einzeln erkämpft werden muss. Der Blick für Lösungen von Alltagsproblemen solle künftig Querschnittsaufgabe der gesamten Regierung sein. „Wir brauchen wieder gemeinsame Ziele, Wertschätzung und auch Optimismus“, sagte Rainer und formulierte ein Versprechen: „Wir hören zu. Wir nehmen die Lebenswirklichkeit vor Ort sehr ernst. Wir stärken die Menschen, die anpacken. Wir verteidigen das Miteinander gegen alle, die nur spalten und schlechtreden wollen.“
Fokus auf ländliche Räume – aber auch Städte im Blick
Laut Ministerium leben 57 Prozent der Menschen in Deutschland in ländlichen Regionen. Dort wird mit vielen mittelständischen Firmen fast die Hälfte des Bruttosozialprodukts erwirtschaftet. Dennoch verlassen vor allem junge Frauen die ländlichen Räume – unter anderem wegen fehlender Bildungschancen, wie Petra Bentkämper, Präsidentin des Deutschen Landfrauenverbands, kritisierte. Sie betonte zugleich, dass die Zahl freiwillig engagierter Menschen steige: „Mit hoher Motivation, Verantwortung und oft auch notwendigem Pragmatismus gestalten sie Zukunft in den Regionen. Und nebenbei sind unsere Vereine und Verbände ja auch wunderbare Lernorte für Demokratie.“ Rainer versicherte, dass die Agenda nicht nur das Land, sondern auch urbane Räume im Blick habe: „Wie für mich mein Heimatort in Bayern ein Stück weit Heimat ist, sind es für viele etwa auch Berlin-Neukölln oder Berlin-Kreuzberg.“
Keine Angst vor der AfD
Angesprochen auf hohe Stimmanteile der AfD in ländlichen Regionen, die teils auch das Motiv der Heimat für sich nutzt, erklärte der CSU-Politiker: „Das ist kein geschützter Begriff für die Bundesregierung.“ Er habe „mit Sicherheit keine Angst vor der AfD“. Wichtig sei, die vielen positiven Dinge nach vorne zu stellen. „Da darf man sich nicht kirre machen lassen.“ Vor der Vorstellung der Agenda besuchte Rainer das Dorfgemeinschaftshaus im 300-Einwohner-Ortsteil Serwest, wo ihm Projekte von Seniorengruppe und Freiwilliger Feuerwehr bis zu Yoga und Tischtennis präsentiert wurden. Der Wunsch der Dorfbewohner: eine Arztpraxis im Obergeschoss des sanierten Gebäudes.



